von Björn Helbig
Das Panorama gehörte schon immer zu den spannendsten Sektionen der Berlinale. Die Mischung aus neuen Filmen renommierter Regisseure und viel versprechenden Newcomern sowie der nicht immer leichte Spagat zwischen kommerziellem Kino und Arthouse ist sicherlich nicht immer leicht. Er macht allerdings gerade den besonderen Reiz dieser Sektion aus. Geleitet wird das Panorama seit 1992 von Wieland Speck, der es schon immer verstand, wahre Perlen für das Festivalprogramm an Land zu ziehen:
Neil Jordans "
Breakfast on Pluto",
Takashi Miikes "
Juvenile, A Big Bang Love",
Marc Forsters "
Stay",
Duncan Tuckers "
Transamerica" sind alles Filme, die im Rahmen des Panoramas entdeckt wurden.
Der Start der Sektion Panorama von den diesjährigen Filmfestspielen mag dem einen oder anderen vielleicht etwas unglücklich vorgekommen sein. In
Rusalka („Meermädchen“) erzählt die aus Aserbaidschan stammenden Regisseurin Anna Melikian die märchenhafte Geschichte der jungen Alisa (Masha Shalaeva), die mit ihrer Mutter nach Moskau zieht. Melikian bedient sich für ihre Geschichte recht zwanglos nicht nur bei Hans Christian Andersens kleiner Meerjungfrau, sondern nutzt auch Elemente von
Jean-Pierre Jeunets "
Die fabelhafte Welt der Amélie" sowie der Folklore
Emir Kusturicas. Das Ergebnis mag nicht auf jeden rund wirken, unbestreitbar gehört allerdings die vereinnahmende Masha Shalaeva zu den Entdeckungen des diesjährigen Festivals. –
4/10
Kraftstrotzend präsentiert sich
Özgür Yildirims deutsches Gangsterdrama "
Chiko". Yildirims Geschichte bewegt sich ausschließlich in bekannten Gewässern: Kleingangster Chiko will nach oben. Er träumt von Macht und Respekt. Zusammen mit seinen Freunden Tibet und Curly bekommt er die Chance für den Drogendealer Brownie zu arbeiten. Als Tibet Mist baut, hat auch Chiko ein Problem. Drehbuchschwächen und der etwas zu gewollte Slang werden von der vitalen Inszenierung und dem Spiel von
Denis Moschitto,
Moritz Bleibtreu,
Volkan Özcan,
Reyhan Sahin u.a. mehr als ausgeglichen. „Chiko“ muss keinen Vergleich fürchten. –
7/10
Zu den diesjährigen Highlights im Panorama zählt sicherlich auch
Brad Andersons "
Transsiberian" (ausführliche FILMSTARTS.de-Kritik folgt), dessen Film "
The Machinist" ebenfalls bereits vor ein paar Jahren in dieser Sektion der Berlinale lief. 9000 Kilometer – sieben Tage lang – mit der Bahn von Peking nach Moskau, fahren Roy (schräg:
Woody Harrelson) und Jessie (tiefgründig:
Emily Mortimer). Als sie sich mit dem Pärchen Carlos (stark:
Eduardo Noriega) und Abby (dezent:
Kate Mara) anfreunden, nimmt die Reise eine ungeahnten, gefährlichen Verlauf. „Transsiberian“, der eine fast schon altmodisch wirkende, an das Agentenkino des letzten Jahrhunderts erinnernde Geschichte erzählt, bietet exzellente Bilder, interessante Figuren, stetig ansteigende Spannung und mehr als eine Überraschung. Da wiegt es nicht besonders schwer, dass nicht jede Wendung hundertprozentig glaubhaft ist. –
7/10
Die FILMSTARTS.de-Autoren Christoph Petersen und Björn Helbig berichten täglich von der Berlinale 2008.
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