von Björn Helbig
Auch heute blieb der Wettbewerb spannend. Nachdem der letzte Tag mit dem von einigen Teilen der Presse leichtfertig verrissenen Drama „Gardens Of The Night“ kontrovers zu Ende ging, wartete der vierte Tag der Berlinale gleich mit einer kleinen Überraschung auf.
Im Zentrum von "
Avaze Gonjeshk-ha" („The Song Of Sparrows”,
Majid Majidi, Iran, 2008) steht Familienvater Karim (
Reza Najie), der in Bedrängnis gerät, als er seinen Job auf einer Straußenfarm verliert. Mit leiser Ironie und einem warmen Herzen für die Figuren erzählt Majidi diese Geschichte. Wenn dem Film überhaupt etwas vorzuwerfen ist, dann am ehesten seine Ecken- und Kantenlosigkeit. Aber selbst dieser Kritikpunkt hält einer näheren Betrachtung kaum stand, denn die Geschichte von einem Mann, der lernen muss loszulassen, ist nicht ohne kulturübergreifende Weisheit. Das „Lied der Spatzen“ ist das wohlklingendste des bisherigen Festivals.
Bären? Warum nicht. Stattliche 32 Preise hat der 1959 in Teheran geborene iranische Filmemacher Majid Majidi schon gewonnen. Sein Film „Kinder des Himmels“ („Bacheha-Ye Aseman“) wurde für einen Oscar nominiert, außerdem wurde er beim Europäischen Filmpreis in der Kategorie „Bester nichteuropäischer Film“ ausgezeichnet. Und es wäre kein Ding der Unmöglichkeit, wenn in dieser Woche eine weitere wichtige Trophäe hinzu kommt. –
8/10 Punkten
Der Film, der heute mit der größten Spannung erwartet wurde, ist die Verfilmung des Philip Roth-Romans "
Elegy" (
Isabel Coixet, USA, 2007). Der spanischen Filmregisseurin und Drehbuchautorin gelang 2003 mit „Mein Leben ohne mich“ der Durchbruch und mit dessen Nachfolger "
Das geheime Leben der Worte" sahnte sie bei den Goyas 2006 mit vier Preisen richtig ab. Dass diese Stimmungsregisseurin nun ein Buch eines der wichtigsten amerikanischen Gesellschaftsautoren verfilmt, klang ausgesprochen spannend. Doch so gut wie bei Roth funktioniert der Komplex aus den Emotionen der Figuren und der gesellschaftlichen Dimension der Geschichte nicht.
Bären? Zwar ist
Penélope Cruz wieder zauberhaft und
Ben Kingsley schafft es, die nicht wirklich originelle Figur des alternden Professors unverbraucht aussehen zu lassen, doch für die silberne Trophäe wird das nicht reichen. In den letzten Tagen gab es bereits überzeugendere Anwärter. –
6/10 Punkten
Am Ende des Tages hatte der Wettbewerb noch eine mittelgroße Enttäuschung in petto: "
Fireflies In The Garden" (
Dennis Lee USA, 2008). Sohn Michael kehrt anlässlich einer Familienfeier in eine kleine Stadt im mittleren Westen der USA zurück. Die Rückkehr wird durch einen Unfall seiner Mutter überschattet, alte Wunden in der Beziehung zu seinem Vater brechen auf. – Die Besetzungsliste liest sich wie ein Wunschkonzert:
Julia Roberts,
Ryan Reynolds,
Willem Dafoe,
Emily Watson,
Carrie-Anne Moss,
Hayden Panettiere,
Ioan Gruffudd, … Doch Probleme hat diese semi-autobiographische Geschichte von Debütant Dennis Lee schon ab dem Beginn, denn der gefühlshascherische Score versucht den Zuschauer in eine Richtung zu drängen. Auch im Folgenden spürt man so etwas wie Gewalt, mit der Lee das Publikum in seine Geschichte hinein reißen will. Was genau er allerdings mit diesem Familienepos zu transportieren versucht, wird bis zum Ende nicht klar.
Bären? – Würde es für diesen Film trotz engagierter Rettungsversuche seitens der Darsteller keine geben. Da er zudem außer Konkurrenz läuft, kommt er für die begeherten Preise ohnehin nicht in Frage. –
4/10 Punkten
Die FILMSTARTS.de-Autoren Christoph Petersen und Björn Helbig berichten täglich von der Berlinale 2008.
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