„Er hat die Peitsche genommen…“: Bericht vom 5. Tag der Berlinale, u.a. mit einem brillanten "Klaus-Kinski"-Dokumentarfilm
Dienstag, 12.02.2008 | 11:18 Uhr
von Björn Helbig
Jesus Christus Erlöser (Peter Geyer, Deutschland, 2008) – Bewertung: 10/10 Punkten
„Nein er hat nicht gesagt, ‚Halt die Schnauze’. Er hat eine Peitsche genommen, und hat ihm in die Fresse gehau'n! DAS hat er gemacht!, Du dumme Sau!!!“ (Klaus Kinski in „Jesus Christus Erlöser“, 1971, Deutschlandhalle)
Wer hat nicht schon von dem legendären Auftritt des Klaus Kinski in der Deutschlandhalle in Berlin am 20. November 1971 gehört. Kinski spielt sein Stück „Jesus Christus Erlöser“, währenddessen er mehrfach aus dem Publikum provoziert wurde. Beschimpfungen der Zuschauer und mehrfaches Verlassen der Bühne waren die Folge. Schließlich musste das Stück abgebrochen werden. Kinskis Nachlassverwalter Peter Geyer gibt durch seinen anhand von Archiv-Bildern und restaurierten Tonaufnahmen zusammengestellten Dokumentarfilm den Kinofreunden nun die Möglichkeit, Zeuge dieser legendären Performance zu werden. Der abendlange Versuch Kinskis, sein Stück aufzuführen, hat etwas Rührendes und zeigt den Egomanen von einer weniger bekannten Seite. Aber nicht nur Kinskis physische Präsenz, sondern auch die Widersprüche und Parallelitäten zwischen gesprochenem Text und der Situation in der Deutschlandhalle sowie der gesellschaftlichen Situation im Jahre 1971 machen diesen Auftritt zu etwas Einmaligem.
„Sie fragen mich, warum ich das neue Testament mache?! Das kann ja auch wirklich nur jemand fragen, der vollkommen ahnungslos ist, oder jemand, der also bösartig ist! Wie kann man mich fragen, warum ich das neue Testament mache? Das können doch nur Idioten fragen für meine Begriffe.“ (Kinski in einem TV-Interview 1971, zu sehen bei youtube.com)
„Det som ingen ved“ (What No One Knows, Søren Kragh-Jacobsen, Dänemark, Schweden, 2007) – Bewertung: 6/10 Punkten
Kinder-Entertainer Thomas Deleuran (A22415,Anders W. Berthelsen) wird in einen Spionagefall hineingezogen, in den auch seine Familie verwickelt scheint. – Seine Begeisterung für Action-Regisseure wie Ridley Scott oder Tony Scott, oder auch Einflüsse der Bourne-Trilogie, merkt man Kragh-Jacobsen (Skagerrak, „Mifune“) an. Und doch ist „What No One Knows“ auch wieder ganz typisch dänisch und immer dann am stärksten, wenn Anders W. Berthelsen seine Figur voll ausspielen kann. – Insgesamt ein stark gespielter, spannender Thriller, dem lediglich die Glaubwürdigkeit seiner Geschichte in der Zielgerade ein Bein stellt.
Die FILMSTARTS.de-Autoren Christoph Petersen und Björn Helbig berichten täglich von der Berlinale 2008.
Bisher erschienen sind:
Tag 1:
Ein musikalisches Festival - Berichte zu "Shine A Light", "CSNY: Deja Vu", "Om Shanti Om" und "Rusalka" (Christoph Petersen)
Forum – ein gelungener Auftakt - Berichte zu "Regarde-moi", "My Winnipeg", "Green Porno" und "Wonderful Town" (Björn Helbig)
Tag 2
Lasst die Spiele beginnen - Berichte zu "There Will Be Blood", "In Love We Trust", "Black Ice", "The Living End" und "Geschichten hinter Wänden" (Christoph Petersen)
Tage 3
Viel versprechende Außenseiter - Berichte zu "Lake Tahoe", "Julia", Gardens Of The Night" und "My Brother`s Wedding – Director´s Cut" (Christoph Petersen)
Panorama gut in Forum - Berichte zu "Mermaid", "Chiko" und "Transsiberian" (Björn Helbig)
Tag 4
Von alten Männern, wütenden Söhnen und Spatzen - Berichte zu "The Song Of Sparrows", "Elegy" und "Fireflies In The Garden" (Björn Helbig)
Zum FILMSTARTS.de Berlinale-Special.




