von Björn Helbig und Christoph Petersen
Ein guter Tag! Denn heute war nicht nur der siebte Tag des Filmfestivals, auch die drei Filme, die an diesem Mittwoch im Wettbewerb gezeigt wurden, gehen alle mit der Bewertung 7/10 Punkten nach Hause.
Kabei (
Yoji Yamada, Japan 2008) –
Bewertung: 7/10 Punkten
"Kabei" spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Japan. Ein Familienvater wird wegen "unpatriotischer Gedanken" inhaftiert, seine Frau und seine zwei Töchter müssen sich fortan alleine durchschlagen. Yamada hat ein wunderschön fotografiertes, ungemein warmherziges, herrlich unprätentiöses Period-Drama abgeliefert. Dabei hält er ein unverhohlenes Loblied auf die kämpferische Mutter, die sich selbst nahezu komplett aufgibt, um ihre Familie zusammenzuhalten. Trotzdem fließt das Pathos nie in Strömen, "Kabei" ist vielmehr ein zwar bewegender, aber auch sehr zurückgenommen erzählter Film. Leider ist er eine gute Viertelstunde zu lang geraten.
Bären? Für den Film wohl eher nicht, dafür ist er – trotz aller Qualitäten – ganz einfach zu konventionell ausgefallen. Allerdings sollte man
Sayuri Yoshinaga sicherlich in den erweiterten Kreis der Favoritinnen für einen Darstellerpreis aufnahmen – auch wenn
Sally Hawkins (aus Mike Leighs "
Happy-Go-Lucky") der Sieg in dieser Kategorie eigentlich nicht mehr zu nehmen sein dürfte.
Quiet Chaos (
Antonio Luigi Grimaldi, Italien 2008) –
Bewertung: 7/10 Punkten
Ein überzeugender italienischer Beitrag, der sich den Themen Trauer und Tod mit einer ungewohnten spielerischen Leichtigkeit nähert. Obwohl auch politische und wirtschaftliche Story-Arcs nicht außen vor bleiben, verlässt man den Kinosaal beschränkt. Einer der wenigen Fälle, in denen Anspruch und luftig-leichte Unterhaltung perfekt ineinander übergehen.
Bären: Trotz aller sozialkritischen und politischen Belange steht hier der Feel-Good-Effekt eindeutig im Vordergrund – gut für den Zuschauer, schlecht für die Chancen auf einen Bären. Filmemacher
Nanni Moretti ("
Der Italiener"), der die Hauptrolle des sorgenden Vaters übernommen hat, ist aber neben
Daniel Day-Lewis,
Ben Kingsley und
Elmar Wepper als vierter Kandidat für den Darsteller-Bären in Betracht zu ziehen.
Lady Jane (
Robert Guédiguian, Frankreich 2007) –
Bewertung 7/10 Punkten
Ein Kriminalfilm und Rachedrama der etwas anderen Art. Das Gaunertrio Muriel, François und René beenden nach einem blutigen Zwischenfall ihre Aktivitäten. Erst als Muriels Sohn entführt wird und die Entführer ein hohes Lösegeld fordern, bittet sie ihre beiden Freunde um Hilfe. Zusammen versuchen sie das Geld aufzutreiben. – Ruhig, bedächtig und bis auf wenige Momente sehr still nährt sich Guédiguian seiner Geschichte und den Figuren. "Lady Jane" ist in vielerlei Hinsicht erfrischend anders. Nicht nur im Tempo unterbietet er die meisten Filme ähnlichen Genres, auch seine Figuren sind nicht die typischen Gangster. Viel zu normal einerseits, andererseits durchaus für den Zuschauer überraschend kompromisslos. Ein Film, der lange nicht so freundlich ist, wie sein Titel klingt.
Bären? Robert Guédiguian ging bereits 2005 mit seinem Film "Le Promeneur du champ de Mars" bei der Berlinale an den Start. Eine kleine Chance ist vorhanden, dass er mit "Lady Jane" etwas mehr Glück hat. Dennoch: Im Wettbewerb liefen schon stärkere Filme.
Die FILMSTARTS.de-Autoren Christoph Petersen und Björn Helbig berichten täglich von der Berlinale 2008.
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