Düsseldorf (dpa) - Der junge Mann erinnert an einen Marathon- Läufer auf der Zielgeraden. Mit letzter Kraft taumelt er die Straße herunter, er bäumt sich auf und bricht zusammen.
Jean-Paul Belmondo stirbt, von Schüssen getroffen.
Beklemmend und schön zugleich wirken jene Bilder aus
Jean-Luc Godards Krimi „
Außer Atem“ (1960). Die Inszenierung des Todes auf der Leinwand steht im Mittelpunkt der Sonderschau „Die Kunst des Sterbens“ (bis 13. Juli) im Filmmuseum Düsseldorf. Die Ausstellungsmacher haben dafür etwa 400 Filmausschnitte und rund 60 Exponate zusammengetragen, sagte Museumschef Matthias Knop am Freitag.
„Insgesamt haben wir wohl 100 Tote in der Ausstellung“, schätzt Knop. Vor allem in einer Filmcollage im kleinen Vorführraum sterben die Helden wie die Fliegen. Natürlich ist die berühmte Szene aus dem Schocker „
Psycho“ (1960) zu sehen, in der
Janet Leigh in der Dusche gemeuchelt wird. So ein Tod nach Drehbuch sei fast immer plötzlich und gewaltsam, sagt der Museumschef. „Für einen langsamen Tod hat der Film keine Zeit. Es muss doch alles in 90 Minuten komprimiert sein.“
Doch nicht nur das offenkundige, jähe und blutige Ableben wird in der Schau beleuchtet. Auch die unterschwelligen Symbole des Todes berücksichtigten die Kuratoren. Raben, kahle Bäume, Schnee, eine Sanduhr oder eine zerbrochene Brille: Die Bildsprache ist mannigfaltig. „Es ist für einen Helden auch sehr ungesund, sich im Spiegel zu sehen“, sagt Knop. Normalerweise segnet die Figur dann kurz darauf das Zeitliche. Dieses Symbol lasse sich vom antiken Mythos bis in die Gegenwart verfolgen, in der noch häufig nach einem Trauerfall Spiegel verhangen werden. Grund sei der alte Aberglaube, wonach der Gestorbene durch den Spiegel zurückkehren könne.
In Vitrinen sind kostbare Leihgaben zu sehen. So zuckten 1974 Hunderttausende Zuschauer in ihrem Kinosessel zusammen, als
Donald Sutherland in „
Wenn die Gondeln Trauer tragen“ von einer unheimlichen Zwergin im roten Mantel erstochen wurde. Der Original-Dufflecoat in Kindergröße ist in der Exposition zu sehen, ebenso das Schachspiel des Sensenmannes aus
Ingmar Bergmans „
Das siebente Siegel“ (1957).
Der Tod sei in der heutigen Gesellschaft ein Tabu und halte nur noch durch das Medium Film und Fernsehen Einzug in den Alltag, meint Knop. Entgegen vielen Kritikerstimmen sei die Faszination für Mord und Totschlag aber kein Produkt der Mediengesellschaft. Die Schau zeigt zum Beispiel einen Münzautomaten aus der Jahrhundertwende- Zeit. Blechpüppchen von Gefängniswärtern und einem Delinquenten spielen eine Hinrichtung vor.