Cannes (dpa) - Für
Wim Wenders ist Cannes sein „Lieblingsfestival“, für
Andreas Dresen und andere deutsche Filmemacher kann es jetzt dazu werden.
24 Jahre nach der Goldenen Palme für „
Paris, Texas“ ist Wenders zum neunten Mal mit einem Film im Wettbewerb der Filmfestspiele vertreten. „
Palermo Shooting“ ist der erste Spielfilm, den er nach 15 Jahren wieder in Deutschland und Europa gedreht hat. Dresen (44) ist mit „
Wolke 9“ in einer Nebenreihe dabei.
Auch zwei Jurys sind mit prominenten Deutschen besetzt: Der Regisseur und Lola-Gewinner
Fatih Akin ist Vorsitzender der Jury der Nebenreihe Un certain regard. Die Schauspielerin
Alexandra Maria Lara schreitet als Mitglied der Wettbewerbsjury jeden Abend in einer anderen Robe über die Treppe ins Festivalpalais.
Die Hauptrolle von „Palermo Shooting“ hat Wenders dem Sänger und Frontmann der Düsseldorfer Punkband Tote Hosen auf den Leib geschrieben: Campino spielt Finn, einen erfolgsverwöhnten Fotografen, der ein hektisches Leben in Düsseldorf (Wenders' Geburtsstadt) lebt. Als seine Existenz urplötzlich aus den Fugen gerät, lässt Finn alles hinter sich und reist nach Palermo. Dort wird er von einem mysteriösen Schützen verfolgt, gleichzeitig beginnt für ihn ein ganz neues Leben und eine große neue Liebe.
Mit „Wolke 9“ erzählt Dresen („
Nachtgestalten“, „
Sommer vorm Balkon“) in der Nebenreihe Un certain regard eine ungewöhnliche Liebesgeschichte: Eine Frau, Mitte 60 und seit 30 Jahren verheiratet, fühlt sich zu einem anderen Mann hingezogen. Zwischen den beiden Alten entwickelt sich eine große, frische Leidenschaft.
Im offiziellen Studentenprogramm Cinéfondation zeigt Jan Speckenbach (Deutsche Film- und Fernsehakademie, Berlin) den Kurzfilm „Gestern in Eden“.
Die Berliner Regisseurin
Emily Atef (35) ist mit ihrem Drama „
Das Fremde in mir“ in die unabhängige Kritikerwoche (Semaine de la critique) geladen.
Susanne Wolff spielt darin eine junge Mutter, die an Wochenbettdepression leidet und zu einer Gefahr für ihr eigenes Kind wird.
Unter den deutschen Produzenten in Cannes sticht vor allem die Berliner Firma Razor Film hervor. Die Razor-Männer Gerhard Meixner und Roman Paul sind mit zwei Projekten dabei, darunter der Wettbewerbsbeitrag „
Waltz With Bashir“ über den Libanon-Krieg, der als „erster animierter Dokumentarfilm in Spielfilmlänge“ angekündigt wird. Mit „
Paradise Now“ (2005) über zwei Selbstmordattentäter hat Razor schon einmal einen sehr erfolgreichen Film über die Nahost- Problematik produziert und eine Oscar-Nominierung erhalten.