Cannes (dpa) - Schon vor Jahren hat das Filmfestival in Cannes dem Animationsfilm zu offiziellen Ehren im Wettbewerb verholfen. Nach der feierlichen Eröffnung am Mittwochabend standen am Donnerstag gleich zwei gezeichnete oder am Computer gestaltete Filme auf dem Programm.
„
Kung Fu Panda“ warb für das kommerzielle Mainstream-Kino, „
Waltz With Bashir“ aus Israel für inhaltlichen und kreativen Anspruche. Der Trickfilmtag zeigte vor allem eines: Das animierte Genre ist quicklebendig und nach wie vor höchst innovativ.
Flauschige Pandabären flanierten über den Strandboulevard La Croisette und stimmten auf „Kung Fu Panda“ ein (Kinostart 3. Juli). Das neue Produkt zur Familienunterhaltung aus dem Hause Dreamworks („
Shrek“) läuft außer Konkurrenz in der offiziellen Auswahl. Obwohl gar kein echter Schauspieler zu sehen ist, kam im Gefolge des pummeligen Panda-Burschen Po, der den Helden in sich entdeckt, eine stattliche Riege von Stars aus Hollywood ins Festivalpalais - clever besetzt als Synchronsprecher der kunstvoll animierten Figuren.
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Dustin Hoffman witzelte über seinen „kulturellen Abstieg“ vom Charakterdarsteller zur Stimme einer Schildkröte. „Wir wollten, dass der Film ein lustiges Erlebnis wird, geladen mit Komik und richtiger Action“, sagte Regisseur
Mark Osborne. „Kung Fu Panda“ ist Entertainment, nicht mehr und nicht weniger.
Viel mehr will der Israeli
Ari Folman mit seinem Film. Er hat in „Waltz With Bashir“ ein ganz neues Genre geschaffen, den „animierten Dokumentarfilm“. Im so noch nie dagewesenen Format und klassisch in schönstem Comicstil gestaltet, rekonstruiert der erste Höhepunkt im Wettbewerb um die Goldene Palme Folmans eigene Erinnerungsreise zu Erlebnissen als junger israelischer Soldat im Libanonkrieg Anfang der 80er Jahre.
Produziert wurde das Werk von den Deutschen Gerhard Meixner und Roman Paul (Razor Film, Berlin), die für „
Paradise Now“ über palästinensische Selbstmordattentäter bereits mit einer Oscar- Nominierung gewürdigt wurden. Dass sie jetzt wieder einen Film im Nahen Osten gemacht haben, ist für die beiden eigentlich Zufall: „Wir kriegen seit "Paradise Now" ziemlich viele Angebote aus der Region“, sagte Roman Paul in Cannes. „Waltz“ sei für sie als Produzenten ein „spannender Film mit ganz ungewöhnlicher Herangehensweise“ gewesen.
„Das ist kein politischer Film“, betonte Regisseur Folman in Cannes. „Es geht um die persönlichen Geschichten von Soldaten.“ Und weil es dazu eben kein Dokumentarmaterial gebe, das den Horror und seine Verdrängung zeige, habe er einen Animationsfilm gedreht.
Langsam tastet sich der Film an seinen Kern heran: Das Massaker an der palästinensischen Zivilbevölkerung im Libanon nach dem Attentat auf den libanesischen Präsidenten und christlichen Militärführer Bashir Gemayel im September 1982. Folman, ein erfahrener Dokumentarfilmer, verfremdet die üblichen Doku-Mittel wie Interviews durch Animation und gestaltet seinen Film als zeitgeistigen Trip durch Musik und Popkultur der 80er Jahre.
Was mit Alpträumen und Halluzinationen beginnt, wird inhaltlich immer konkreter und realistischer. Bis am Ende eine 50 Sekunden lange „echte“ Archivsequenz den Blick auf die realen Opfer des Massakers lenkt. Dieser stilistische Bruch bringt den Zuschauer zu den grausamen Tatsachen zurück. „Die meisten Anti-Kriegsfilme gehen total an ihrem Ziel vorbei. Die sind viel zu heldenhaft“, begründete Folman die drastischen Szenen am Schluss. „Ich will auch die 16-Jährigen erreichen, aber sie sollen nicht nur Spaß haben.“
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