Cannes (dpa) - Der italienische Autor
Roberto Saviano muss aus Angst vor Anschlägen durch die Mafia nach wie vor unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen leben.
Beim Filmfestival in Cannes, wo am Sonntagabend ein nach seinem Sachbuch „
Gomorrha“ entstandener Spielfilm Premiere hatte, sollte Saviano nicht über den Roten Teppich laufen. Auch die Pressekonferenz fand unter den wachsamen Augen mehrerer Personenschützer statt.
Dabei leidet Saviano offenbar nicht so sehr unter der Bedrohung durch die von ihm beschriebenen Camorra-Clans, sondern unter der Kritik von Teilen der italienischen Öffentlichkeit. „In den USA werden Künstler, die die Zustände in ihrem Land beim Namen nennen, respektiert. In Italien zeigt man mit dem Finger auf mich. Die Leute denken, ich hätte ihr Land schlechtgemacht. Aber ich kann doch nicht schweigen“, sagte Saviano in Cannes. So hätten ihn beispielsweise die meisten italienischen Kulturinstitute in aller Welt boykottiert.
Der mit viel Beifall bedachte Wettbewerbsbeitrag „Gomorra“ von
Matteo Garrone überträgt Charaktere aus dem Sachbuch in eine Spielfilmhandlung über Mechanismen von Macht und Gewalt an der Basis des organisierten Verbrechens. Gedreht in einem Vorort von Neapel, dessen verwahrloste Gebäude an Gefängnisse erinnern, bedient der Film keinerlei Klischees von „bella Italia“. Er zeigt den Kreislauf des Geldes, das sinnlose Morden und giftigen Müll. Die Pfirsiche stinken und im Sandstrand versickert Blut.
Regisseur Garrone hat sich während der Dreharbeiten „sicher“ gefühlt und ist in keiner Weise bedroht worden. „Die Clans des organisierten Verbrechens sind sich der Medien sehr bewusst“, erklärte er. „Wir haben sorgfältig darauf geachtet, im Film alle konkreten Hinweise auf Namen oder Fakten zu verhindern“, das sei für die Betroffenen entscheidend.“ Die Bevölkerung des Mafia-Gettos hätte sich sogar richtig kooperativ gezeigt.
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