Cannes (dpa) - Der deutsche Regisseur
Andreas Dresen ist in Cannes für sein Drama „
Wolke 9“ mit einem „Sympathiepreis“ ausgezeichnet worden. Vor dem offiziellen Abschluss des Festivals am Sonntagabend erhielt er zum Ende der Nebenreihe „Un certain regard“ den Jury-Preis „Coup de Coeur“ (Herzschlag).
„Wolke 9“ ist eine leidenschaftliche und körperliche Liebes- und Eifersuchtsgeschichte unter drei alten Menschen in Berlin und war außerhalb des Wettbewerbs um die Goldene Palme in Cannes vom Publikum gefeiert worden.
Der Hauptpreis der offiziellen Reihe „Un certain regard“ ging an „Tulpan“ von Sergej Dvortsevoj aus Russland. Den Jurypreis erhielt der Japaner
Kiyoshi Kurosawa für „Tokyo Sonata“. Außerdem verteilte die Jury unter dem Vorsitz der deutsch-türkischen Filmemachers
Fatih Akin noch einen „Knockout-Preis“ für den Dokumentarfilm über den Boxer Mike Tyson und einen „Hoffnungspreis“ für das in Afrika spielende Kinderdrama „Johnny Mad Dog“ von Jean-Stéphane Sauvaire aus Frankreich.
Der 44-jährige Berliner Andreas Dresen konnte die Auszeichnung am Samstagabend nicht persönlich entgegennehmen. Aber er freute sich gemeinsam mit seinem Team: „Wir sind überglücklich und befinden uns auf "Wolke 9"!“, ließ er erklären. „Es war für mich die erste Erfahrung in Cannes und nach der bereits überwältigenden Publikumsresonanz nun auch noch einen Preis zu erhalten, ist natürlich die schönste Bestätigung unserer Arbeit.“
Zu den vielen Auszeichnungen unter seinem Vorsitz erklärte Fatih Akin: „Unser Auftrag war, drei Preise zu vergeben. Aber angesichts der Qualität und der Reichhaltigkeit des Angebots und als Beweis unserer großen Begeisterung, haben wir beim Festival um die Erlaubnis gebeten, noch zwei Filme mit Ehrenpreisen anerkennen zu dürfen.“
Der Preis der Ökumenischen Jury in Cannes wurde dem Wettbewerbsfilm „
Adoration“ von
Atom Egoyan zuerkannt, der religiöse Elemente mit Terrorangst und der veränderten Kommunikation der Menschen im Internet miteinander verbindet.
Der mit 5000 Euro dotierte Große Preis der Nebenreihe „Critic's Week“ ging an den Film „Snijeg“ („Schnee“) der in Sarajevo geborenen Regisseurin Aida Begic. Der Film erzählt vom Überleben einer kleinen Gruppe nach einem Krieg während der kalten Wintermonate. Der deutsche Film „
Das Fremde in mir“ über eine Mutter mit Wochenbettdepression ging in dieser Nebenreihe leer aus.
Für den belgischen Film „Eldorado“ von
Bouli Lanners gab gleich drei kleinere Auszeichnungen: den Preis der Internationalen Filmkritikerjury, das „Label Europa Cinemas“ sowie den Nachwuchspreis „Regards Jeunes“. Der ungarische Wettbewerbsbeitrag „
Delta“ über eine inszestuöse Beziehung zwischen zwei Geschwistern wurde am Samstag ebenfalls mit dem Preis der Filmkritiker ausgezeichnet. Ein weiterer Preis der internationalen Filmkritiker-Vereinigung Fipresci ging an das Debüt „Hunger“ des Londoners Steve McQueen, das vom harten Alltag eines Gefängnisaufsehers Anfang der 80er Jahre in Nordirland erzählt.