Köln (dpa) -
Wim Wenders in Köln: Wie er am Samstagabend bei der Präsentation seines Films „
Palermo Shooting“ in lässigem Gehrock, in rosa Hemd mit Hosenträgern auf der Bühne steht und über buhendes Publikum in Cannes ebenso wie über den Tod spricht, ist witzig, eindrucksvoll und sympathisch.
Der deutsche Regisseur zeichnet sich durch eine kluge Ironie zu sich selbst und seiner Arbeit aus. Er hebt sich zugleich mit einer Ernsthaftigkeit gegenüber Leben und Tod hervor - Züge, die auch sein neuer Film trägt. Der Streifen eröffnete am Samstag den Internationalen Filmkongress der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen.
Der Applaus der 300 Zuschauer in Köln wirkte zwar nicht überragend, aber wohlwollend. Die Meinungen der Gäste nach dem Film waren geteilt, aber nicht vernichtend. Dagegen habe es bei den Filmfestspielen in Cannes bei einer Pressevorführung mit 1200 Journalisten ein Buhkonzert und „Lacher an den falschen Stellen“ gegeben, erzählt der 62 Jahre alte Filmemacher („
Paris, Texas“, „
Don´t Come Knocking“). Eine zweite Vorführung sei aber ruhig und positiv verlaufen. „Da wusste ich auch nicht, woran ich bin.“
„Palermo Shooting“ mit dem Sänger der Toten Hosen, Campino, in der Hauptrolle steht ihm nahe, so viel merkt man in Wenders offenem Austausch mit dem Publikum in Köln. „Es geht mir um das große Thema: wie man die Angst vor dem Tod nimmt.“ So gestelzt der Film bei der Beantwortung dieser Frage in vielerlei Hinsicht ist, so menschlich und natürlich spricht Wenders über seine Erfahrungen damit. „Ich habe selbst einst dem Tod ins Antlitz geschaut. Für eine halbe Stunde dachte ich, ich würde sterben.“ Wann das war, sagt Wenders nicht. Einige Menschen habe er in den Tod begleitet. „All das hat mein Leben geprägt.“
Der Film, der als einziger deutscher Wettbewerbsbeitrag in Cannes lief, sei „überraschend“ und „europäisch“, sagte Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, vor der Vorführung. „Palermo Shooting“ erzählt die Geschichte des Düsseldorfer Fotografen Finn, gespielt von Campino, der sich in einer Lebenskrise befindet. Finn versucht daraufhin, im sizilianischen Palermo von vorne anzufangen. Dort begegnet Finn dem Tod, dargestellt von
Dennis Hopper.
Auch in den vergangenen Jahren hatte sich die Filmstiftung nie einfache Filme zur Eröffnung ausgesucht, ob
Michael Hanekes „
Caché“,
Lars von Triers „
Manderlay“ oder
Fatih Akins „
Auf der anderen Seite“. Sie befassten sich mit schweren Fragen, viele von ihnen in herausragender Weise.
Auch am Sonntag zeigte die Filmstiftung neue Kinoproduktionen, die alle mit Unterstützung aus NRW entstanden sind, darunter der argentinische Film „La Sangre Bota“, der ebenfalls in Cannes seine Premiere hatte. Für Montag steht die Premiere der Komödie „Selbstgespräche“ auf dem Programm, das Spielfilmdebüt des Kölner Regisseurs Andre Erkau, der dafür dieses Jahr den Max-Ophüls-Filmpreis erhielt.
Neben Premieren sollen auf dem Filmkongress Trends auf dem deutschen und europäischen Filmmarkt diskutiert werden. So sprechen die Regisseure
Hans Christian Schmid und
Züli Aladag mit dem Schauspieler
Jürgen Vogel über das Thema „Migration und Film“. Der Regisseur
Max Färberböck diskutiert unter anderem mit dem Schauspieler
Mario Adorf über die Inflation von Romanverfilmungen im Kino. Der Kongress findet im Rahmen des Medienforums NRW (9. bis 11. Juni) statt.