New York (dpa) - Nichts prägt den Alltag in Amerika so sehr wie das Showbusiness. Selbst die Politik ist eng mit der Glitzerwelt verwoben: Wer den Erfolg will, muss sich an ihre Regeln halten.
Das hat kürzlich erst wieder der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama bewiesen, als er überraschend seine Töchter Malia (10) und Sasha (7) im Fernsehen auftreten ließ. In der Klatschsendung „Access Hollywood“ plauderten die beiden charmant und locker über das Familienleben. So weiß jetzt ein Millionenpublikum, dass der schwarze Hoffnungsträger gern Kaugummi isst und daheim zu viel redet. Den Freundinnen seiner Töchter schüttelt er anteilnehmend die Hand, als seien sie potenzielle Wähler, statt sie cool mit „Hi“ zu begrüßen.
Nur zu gern nutzen die Politiker die Klaviatur des Medien- und Showgeschäfts, und die Lebensgewohnheiten der Amerikaner kommen ihnen entgegen. 4 Stunden 10 Minuten pro Tag schaut ein US-Bürger im Durchschnitt fern. Außerdem nimmt die Nutzung von Internet und Video per Handy zu. „Das kommerzielle Fernsehen lebt und wächst - Jahr für Jahr um ein Prozent - trotz der schnellen Gewöhnung an andere Plattformen“, sagt John Burbank vom Medienforschungsinstitut Nielsen. Mit durchschnittlich fast drei TV-Geräten pro Haushalt und 118 Kanälen werden die Amerikaner mit Programmen bombardiert.
Besonders beliebt sind Reality-Shows zur Talentsuche wie die nach Deutschland importierte RTL-Sendung „Deutschland sucht den Superstar“. Aber auch Talkshows, Lebensberatung und aller Klatsch und Tratsch sind gefragt. Als Hotelerbin Paris Hilton mit einer Show einen „Best Friend“ suchte, standen 85 000 Leute Schlange, obwohl nur 20 mitmachen durften. Und die Talfahrt der einstigen Pop-Prinzessin
Britney Spears war den Medien über Monate hinweg viel Aufmerksamkeit wert, so dass die Zeitschrift „Vanity Fair“ allen Ernstes fragte: „Ist Britney Spears die wichtigste kulturelle Figur Amerikas?“
Längst hat diese Art von Ruhm nicht nur mit Talent zu tun. Nach einem perfekten Drehbuch produziert sich die Showmaschinerie ihre Stars selbst. Schönes Beispiel: Teenie-Idol Miley Cyrus. Vor zwei Jahren machte die heute 15-Jährige in der Rolle als Musikerin Hanna Montana in der gleichnamigen Disney-Show Furore - inzwischen ist sie für Millionen Fans wirklich Hanna Montana geworden. CDs, Tourneen, TV-Auftritte, ein geplanter Film, eine eigene Kleiderkollektion, ein Buch über ihr Leben und sogar eine Wachsfigur bei Madame Tussauds - das Merchandising läuft wie geschmiert. Allein seit Juni 2007 soll das Girlie 25 Millionen Dollar (15,7 Millionen Euro) verdient haben.
Die eigentliche Macht haben die „Macher“ solcher Traumgeschichten. Die Gastgeber der beliebten TV-Talkshows entscheiden, wer bei ihnen ins Studio darf, wessen Karriere sie anschieben und welche Themen das Volk am nächsten Tag diskutiert. Patriarch David Letterman, der schwergewichtige Jay Leno und sein Thronfolger-in-spe Conan O'Brien, der spitzzüngige Jon Stewart und der respektlose Jimmy Kimmel - sie alle können Stars „machen“ und haben längst selbst Star-Status.
Zur Perfektion trieb dieses System
Oprah Winfrey (54). Mit einem clever konstruierten Medienimperium und einem Jahresverdienst von zuletzt 275 Millionen Dollar hat es die schwarze Powerfrau zur Kulturikone des Mainstream-Amerika gebracht. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ kürte sie dieses Jahr erneut zur mächtigsten Prominenten. Als sie kürzlich mal wieder einen Buchtipp gab, verzeichnete ihre Website 30 Millionen Downloads. „Es ist nicht lange her, da war sie wie der Papst“, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Janice Peck von der Universität in Colorado, die ein Buch über die „Medienqueen“ geschrieben hat („The Age of Oprah“ - Das Zeitalter von Oprah).
Überraschend zwiespältig war allerdings die Reaktion, als Oprah Winfrey sich noch zu Zeiten des erbitterten Duells zwischen Obama und seiner Herausforderin Hillary Clinton demonstrativ auf die Seite des schwarzen Senators schlug. „Wer einmal den Mund aufmacht, stößt 50 Prozent seiner Anhänger vor den Kopf“, sagt der Hollywood-Experte Steven Ross von der Universität Südkaliforniens.
Das hat auch andere Showgrößen nicht von einer klaren Parteinahme abgehalten. Leinwandstars wie
Tom Hanks,
Robert De Niro,
Scarlett Johansson und
Halle Berry stellten sich schon früh hinter Obama. Seit Clintons Rückzug schließen sich zunehmend auch deren prominente Fürsprecher dem Obama-Lager an, darunter Barbra Streisand. Bei einer einzigen Promi-Gala in Los Angeles konnte Obama Ende Juni fast fünf Millionen Dollar für seine Wahlkampfschatulle sammeln. Regisseur Steven Spielberg und seine mächtigen Studiopartner David Geffen und Jeffrey Katzenberg planen vor der Wahl eine weitere Veranstaltung.
Für viele Stars gehört das Spenden zu dem gesellschaftlichen Engagement, das sie auch auf anderen Gebieten zeigen:
George Clooney etwa mit seinem Einsatz für Darfur, das Vorzeigepaar
Angelina Jolie und
Brad Pitt mit Aktionen in Afrika. „Die Geschichte von Hollywoods Engagement in der amerikanischen Politik ist länger, tiefer und vielfältiger, als die meisten Leute sich das je vorstellen würden“, schreibt Steven Ross in seinem preisgekrönten Buch „Hollywood Left and Right: How Movie Stars shaped American Politics“ - zu deutsch: Wie Filmstars amerikanische Politik geprägt haben.