München (dpa) - Spezialhubschrauber werden die Crew auf bis zu 6500 Meter Höhe bringen, Höhenmediziner begleiten das Team: Regisseur und Produzent
Joseph Vilsmaier und Extrembergsteiger
Reinhold Messner starteten am Samstag zu den Dreharbeiten zu ihrem gemeinsamen Nanga-Parbat-Film nach Pakistan.
„Wir fangen nächste Woche an“, sagte Vilsmaier der Deutschen Presse-Agentur dpa kurz vor dem Abflug in München. Der Kinofilm auf dokumentarischer Basis soll die Geschichte der beiden Messner-Brüder und der tragischen Nanga-Parbat-Expedition von 1970 zeigen, bei der Reinhold Messners jüngerer Bruder Günther ums Leben kam. Die Brüder, damals 23 und 25 Jahre alt, hatten zuvor in einer spektakulären Erstbegehung den 8125 Meter hohen Gipfel über die extrem schwierige Rupalwand bezwungen.
Vor der Kulisse des neunthöchsten Berges der Welt wollen Vilsmaier und Messner in den nächsten Wochen zunächst mit Doubles erste Szenen drehen. Der Nanga Parbat - zu deutsch: nackter Berg - gilt als einer der schwierigsten Gipfel der Welt. An ihm starben dutzende Bergsteiger, zuletzt im Juli der erfahrene Südtiroler Karl Unterkircher. „Ich habe mich eingelesen - es ist wirklich ein Berg zum Fürchten“, sagt Vilsmaier. Die Idee zu dem Film über den „Schicksalsberg“ ist mehrere Jahre alt, die konkreten Planungen begannen in diesem Jahr.
Der Film soll laut Vilsmaier im Oktober nächsten Jahres fertig werden. Zwischen November 2009 und Januar 2010 soll der sieben Millionen Euro teure und vom Film-Fernseh-Fonds Bayern geförderte Streifen in die Kinos kommen.
„Wir erzählen eine Geschichte, die passiert ist“, sagt Messner. „Es geht im Grunde um das Überleben in den schlimmsten Situationen.“ Im Mittelpunkt sollten die dramatische Geschichte und ihre seelische und emotionale Seite stehen. Es gehe um Menschen, die den Berg zu bezwingen suchen und dabei in extremste Situationen kommen. Klar werden solle nach den jüngsten Bergdramen im Himalaya auch: Extrembergsteiger kennen die Gefahren - und gehen trotzdem. „Wir wissen sehr wohl, was wir da tun.“
Der Streit mit den Ex-Kameraden von damals, die Messner vorgeworfen hatten, er habe den Bruder nach dem Gipfelsieg allein ins Lager zurückgehen lassen, soll nicht mehr Thema sein. Laut Messner starb der höhenkranke Günther beim Abstieg durch das Diamir-Tal in einer Lawine, als er selbst den Weg suchte. Messner überlebte den dramatischen Abstieg über die völlig unbekannte Route knapp. Es solle in dem Film nicht um Moralisierung und Streit gehen, betont Messner. „Das ist alles ausgestanden.“
Der Bergsteiger, der als erster Mensch alle Achttausender der Erde bezwang und auch den Nanga Parbat mehrmals bestiegen hat, will die gesamten Dreharbeiten begleiten: Er sei der Ideenlieferant und Berater im Hintergrund. „Ich habe den Anspruch, einen starken Film auf die Leinwand zu bringen.“
Zunächst soll das Film-Team laut Vilsmaier in dieser Woche in der deutschen Botschaft in Islamabad empfangen werden, dann reist die 13- köpfige Truppe mit Trägern, Zelten und Küche weiter zum Lager in rund 3000 Metern Höhe. Zum Team gehören nach Angaben des Produzenten Chris Naumann auch zwei Höhenmediziner des Münchner Universitätsklinikums Großhadern und Hans Ostler, der zu den erfahrensten deutschen Hubschrauberpiloten zählt. „Wir sind gut gewappnet“, sagt Vilsmaier. Ans Seil werde er selbst sich aber nicht hängen. Drei Hubschrauber sind dabei, um die spektakuläre Berglandschaft zu drehen. Vilsmaier: „Wir drehen mit zwei 35-Millimeter-Kameras und sogar auch mit einer 70-Millimeter-Kamera.“
Mit den sieben bis acht Schauspielern werde dann im Herbst in den Dolomiten und im kommenden Jahr im Ortler-Gebiet gedreht. Die Besetzung der beiden Hauptrollen der Messner-Brüder stehe noch nicht fest. „Wir sind noch ganz schwer am suchen“, sagt der Regisseur. „Wir wollen da zwei richtig gute Typen.“
Messner selbst äußerte sich in einem dpa-Gespräch besorgt über eine sinkende Hilfsbereitschaft am Berg. Seiner Ansicht nach lasse die Hilfsbereitschaft unter Bergsteigern immer mehr nach. Dies sei eine Folge des kommerziellen Bergtourismus. „Mit den Massenaufstiegen ist die Stadtkultur in diese Gebiete gekommen“, sagte der Extrembergsteiger. Sie sei im Gegensatz zur Bergkultur, die gegenseitige Hilfsbereitschaft einschließe, eine anonyme Kultur. Gerate heute eine Gruppe in Bergnot, könne es passieren, dass nachfolgende Bergsteiger einfach weiterstiegen nach dem Motto „die kennen wir nicht“.
Die Kritik an kommerziellen Himalaya-Expeditionen mit vergleichsweise unerfahrenen Bergsteigern war nicht zuletzt nach dem jüngsten Drama am K2 mit insgesamt elf Todesopfern wieder aufgeflammt. Eine Eislawine hatte dabei verschiedenen Bergsteiger-Gruppen auf rund 8200 Metern Höhe den Rückweg abgeschnitten. Mehrere Bergsteiger hatten darüber hinaus in jüngster Zeit die mangelnde Hilfsbereitschaft auf den höchsten Bergen der Welt kritisiert und Beispiele dafür angeführt, dass Bergsteiger im Stich gelassen wurden oder sogar im Sterben lagen, ohne dass andere sich darum kümmerten.