Dresden (dpa) - Viel Beifall für Andreas Dresens neuen Film „
Wolke 9“ bei seiner Premiere in Dresden: Dass die rund 1600 Gäste am Mittwochabend nicht noch mehr applaudierten, lag vor allem am Finale des Streifens.
Denn die rasch entflammte Liebe zwischen dem 76 Jahre alten Karl und Rentnerin Inge ist für deren Ehemann Werner tödlich. Werner nimmt sich das Leben, weil seine Frau ihn nach 30 Jahren Zusammensein verlässt und er für sich keinen Ausweg mehr sieht. Mit Werners Begräbnis und der anschließenden Wiederbegegnung zwischen Inge und Karl endet der bewegende Film.
Dresen ist genau wie bei seinen Erfolgsfilmen „
Halbe Treppe“ und „
Sommer vorm Balkon“ eine ergreifende zwischenmenschliche Studie gelungen. Liebe in den Zeiten des Rentnerdaseins war auf deutschen Fernsehschirmen und Leinwänden bislang kaum zu sehen. Bei Dresen sind auch die Körper der alternden Menschen in Nacktszenen zu erleben, ohne dass dies voyeuristisch wirkt. Dresen räumte vor der Premiere ein, dass dieses Thema manche abschrecke. „Als Jugendlicher kann man sich nur schwer vorstellen, dass die Eltern noch Sex haben. Im Alter steckt aber viel Kraft und Vitalität - das wollten wir mit dem Film zeigen“.
Neben Dresen waren auch die beiden Hauptdarsteller
Horst Westphal (Karl) und
Horst Rehberg (Werner) sowie Mitarbeiter des Filmteams nach Dresden gekommen. Nur
Ursula Werner (Inge), deren Spiel preisverdächtig ist und unter die Haut geht, fehlte wegen Theaterproben. Die Beziehungsgeschichte der Rentner auf „Wolke 9“ wirkt wie ein Kammerspiel. Die Kamera verweilt lange auf den Gesichtern der Protagonisten, das Textbuch ist relativ schmal. Bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes wurde das Drama gefeiert und mit einem Jury-Preis bedacht. Am 4. September kommt der Streifen in die deutschen Kinos.