Venedig (dpa) - Mit dem Dreiecksdrama „
Jerichow“ des Berliner Regisseurs
Christian Petzold ist erstmals seit 2004 wieder ein deutscher Film im Rennen um den Goldenen Löwen von Venedig.
Der 47-jährige Petzold stellte sich und seine Geschichte um Liebe, Geld und Tod am Donnerstag am Lido vor. Er tritt gegen starke Konkurrenz aus den USA und Italien an. „Jerichow“ hat vor allem mit der erneut von Petzold eingesetzten
Nina Hoss brillante Akteure zu bieten. Sie machen den im armen deutschen Nordosten angesiedelten Film zu einer Studie über Kalkül, Passion und Sehnsucht. Was wird Venedigs Jury um
Wim Wenders von dieser kammerspielartigen Beziehungstragödie halten?
Als Soldat unehrenhaft entlassen, kommt der ebenso kantige wie wortkarge Thomas (
Benno Fürmann) in diese arme Prignitz-Gegend. Er freundet sich mit dem aus der Türkei stammenden Ali (
Hilmi Sözer) an, der es mit 45 Imbiss-Stuben im deutschen Osten doch zu etwas gebracht hat. Und er verliebt sich in dessen Frau Laura (Nina Hoss). Die Verstrickungen liegen auf der Hand - von Petzold mal in stillen Einstellungen, dann wieder in lauten Szenen als eine unmögliche Gratwanderung in einem Land der Hoffnungslosigkeit inszeniert.
„Man kann sich nicht lieben, wenn man kein Geld hat“, lautet Lauras trostloses Fazit einer unmöglichen Affäre. Sie ist von Ali finanziell abhängig, während der misstrauische und todkranke Gatte meint: „Ich lebe in einem Land, das mich nicht will, mit einer Frau, die ich gekauft habe.“ Und von neuem lotet Petzold („
Yella“, „
Die innere Sicherheit“) auch den Grenzbereich zwischen Leben und Tod aus. Vor allem aber spielt unerfüllte und unerfüllbare Sehnsucht hinein: Wenn Männer wie der Türke Ali sich eine „Heimat“ bauten, meint Petzold, werde diese für Frauen oft zum „Hochsicherheitstrakt“.
Ganz schön, aber auch ganz schön lang ist das japanische Werk „
Achilles und die Schildkröte“, mit dem Regisseur
Takeshi Kitano auf einen Goldenen Löwen aus ist. Der Japaner schließt mit dem Film eine Trilogie über Kunst und Unterhaltung ab: Schon als Kind hat Machisu nichts anderes als Zeichnen und Malen im Kopf, und als Erwachsener ruiniert er mit dieser Manie seine ganze Familie. Der Besessene, der zeitlebens keine Leinwand verkauft, scheut in seiner Passion weder Selbstverstümmelung noch Todesnähe. Fazit des Regisseurs: Markterfolg und begeisterte Kritiker braucht es nicht - allein die Kunst zählt.
Während doch noch keiner der vier italienischen Streifen am Lido an den Start gegangen ist, stellte sich Kulturminister Sandro Bondi gegen Kritik aus dem hohen Norden an dieser großen Zahl von Filmen mit „Heimvorteil“. Er verteidigte dabei den künstlerischen Direktor des Festivals Marco Müller, der „absolut unabhängig“ den Wettbewerb bestücke, gegen den Anwurf des Magazins „Der Spiegel“: Jahrelang sei doch bemängelt worden, dass die Filmnation Italien am Lido nur durch Abwesenheit geglänzt habe, meinte Bondi. Für ihn liegt auf der Hand, dass Italien nach Erfolgen beim jüngsten Filmfestival in Cannes auch in Venedig gut vertreten ist: „Die Welt liebt Italien und sein Kino.“
Dabei war es ein Sommertag, an dem Italien sich und sein Festival doch sorgenfrei feiern wollte. Zum einen ging es am Lido darum, den Grundstein für einen neuen Filmfestivalpalast zu legen, der im Jahr 2011 - wenn die Nation ganz groß den 150. Geburtstag begeht - fertig sein soll. 70 Millionen Euro lässt man sich das kosten. Dann können die ergrauten Goldenen Löwen am derzeitigen Palast in Rente gehen.
Und nicht zuletzt machte am Donnerstag noch „Der letzte Kaiser: Valentino“ Furore - in einem US-Dokumentarfilm von „Vanity Fair“-Mann Matt Tyrnauer rund um den Glanz und das Können des großen Haute-Couture-Modezaren. Valentino war am Abend auch noch eine exklusive Fashion-Party in Venedigs Peggy-Guggenheim-Stiftung mit den heiß erwarteten Filmstars
Gwyneth Paltrow und
Uma Thurman gewidmet.
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