Venedig (dpa) - Sie schlitzen die Rivalin mit einem Rasiermesser auf, schlagen sich mit einem Hammer selbst den Schädel ein oder erleiden brutale Sado-Maso-Gewalt - verletzliche und verletzende Frauen in der Hölle ihres privaten Lebens.
In den Wettbewerbsfilmen des Internationalen Festivals von Venedig wimmelt es geradezu von ihnen: Zartbittere Familienbande, die das Leben zerstören und aus denen keiner sich befreien kann. Eine an die Schmerzgrenze gehende Bindung zwischen Vätern und Söhnen, Müttern und Töchtern, Männern und Frauen steht im Zentrum. Das Leben ist ein brutales Drama, die Welt ein privates Leiden, so in dem französischen Streifen „
L'Autre“ (Die Andere) von
Patrick-Mario Bernard und
Pierre Trividic oder auch in dem italienischen Film „
Il Papà di Giovanna“ von
Pupi Avati.
Schwerste Konflikte etwa in Afghanistan, die USA nach acht Jahren unter
George W. Bush vor einer historischen Wahl, steigende Furcht vor Umweltkatastrophen - diese politische Außenwelt blendeten die Wettbewerbsfilme im ersten Festivalteil der Lagunenstadt fast ganz aus, zu Gunsten von Stoffen, die - manchmal gekonnt, meist gequält - vom Chaos im Leben des Einzelnen, von Gewalt auch unter Liebenden und der Suche nach einem Halt erzählen. „So ist eben das Schicksal“ oder „Es ändert sich nichts“, solch banalen Weltsichten tauchen auf.
Die beeindruckenden
Kim Basinger und
Charlize Theron machen es prominent vor, in Guillermo Arriagas Film „
The Burning Plain“: Die eine muss mit einer verstümmelten Brust leben, die andere fügt sich depressiv-verzweifelt Wunden zu. Die seelischen und körperlichen Narben stammen nicht nur von den Männern, die die Gewalt lieben. Dazu tritt, was Frauen sich selbst oder der Nebenbuhlerin antun.
In „L'Autre“ kommt Anne-Marie (
Dominique Blanc) nicht damit klar, dass ihr Alex rasch eine neue Freundin gefunden hat. Dabei war sie es doch, die Sozialarbeiterin, die wieder mehr Freiraum für sich selbst haben und eigene Wege gehen wollte. Anne-Marie rastet aus, richtet ihre Wut gegen die Konkurrentin und dann gegen sich selbst.
Ganz anders dagegen Emma in „
Un Giorno Perfetto“ (Ein perfekter Tag) des türkischstämmigen Wahlitalieners Ferzan Özpetek:
Isabella Ferrari spürt in einem eher unwirtlichen Rom die brutale Gewalt des Mannes, von dem sie sich getrennt hatte. Ihre beiden Kinder leiden bis zum bitteren Ende - wobei sich Özpetek auch darum bemüht, das etwas aufzuhellen, was dabei in der Psyche des Täters vorgehen mag.
Und dann ist da noch „das besondere Mädchen“ Giovanna, vom Vater überbehütet, von der kühlen Mutter Delia (
Francesca Neri) im Stich gelassen. Zurück in die Zeit des Faschismus, des Krieges und der Jahre danach versetzt Pupi Avati sein Drama um die problematische Außenseiterin Giovanna, die keine Schönheit ist und zur Mörderin wird. Doch die Familienbande sind ungeheuer stark - Vater Michele (
Silvio Orlando) hält zu ihr. Ein „neues Leben“ scheint möglich - eine eher positive Botschaft, wie sie überraschend auch schon im Drama „The Burning Plain“ des Mexikaners Guillermo Arriaga aufschien.
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