Venedig (dpa) - Ausgerechnet die einzige Filmemacherin im Wettbewerb um den Goldenen Löwen von Venedig hat mit „
Hurt Locker“ den härtesten Kriegsstreifen am Lido ins Rennen geschickt.
Das kommt bei der amerikanischen Regisseurin
Kathryn Bigelow allerdings nicht überraschend - in allen ihren bisherigen Werken zeigte sie einen Hang zu ausgefallenen Themen und Protagonisten: Biker, Vampire oder Surfer („Point Break - Gefährliche Brandung“) tummeln sich dort. Mit dem ihr eigenen Tempo verfolgt Bigelow in „Hurt Locker“ gut zwei Stunden lang eine US-Elitetruppe, die in und um Bagdad an der Grenze der Belastbarkeit arbeitet, um Bomben zu entschärfen.
Die 1951 geborene Regisseurin wird also mit „Hurt Locker“ wieder einmal ihrem Ruf gerecht, in einem „männlichen“ Stil zu arbeiten. In ihrem Film, der als einer der letzten der insgesamt 21 Streifen in den Wettbewerb um die Preise des Festivals ging, lotet sie eine Frage aus: Warum nehmen Männer diese Herausforderung an, die viele das Leben kostet und die andere traumatisiert. „Krieg ist eine Droge“, so hält der Film fest, in dem die Regisseurin auf Berichte eines Kriegsreporters zurückgreift, der bei den US-Truppen „embedded“ gearbeitet hatte.
„Ich wollte diesem Konflikt ein menschliches Gesicht geben“, sagte Bigelow, von der Presse mit viel Applaus gefeiert. Zu hoffen sei auf eine „Zukunft, in der die Diplomatie den Krieg ersetzt.“ Sie setzt dabei auf den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und hat ihren beeindruckenden Film auch deshalb gedreht, „weil über diesen Krieg in den USA extrem wenig berichtet wird“.
Einzelgänger unter den Elitesoldaten gehen das höchste Risiko ein, wühlen selbst in einer mit Sprengstoff vollgepumpten Leiche nach dem Zünder oder kneifen sich nach jeder gelungenen Entschärfung etwas von dem todbringenden Apparat als „Andenken“ ab. Bigelow zeigt in ihrer hautnahen Meditation über den Krieg, dass auch diese „Helden“ keineswegs Maschinen sind - sie haben Gefühle. Und selbst diese so abgebrühten Elitesoldaten zählen die Tage, die sie noch mit ihrem immens erhöhten Adrenalinspiegel in der irakischen Hölle im Einsatz sind. Kommt das nächste Bombenteam, kehren sie in die Heimat zurück.