Hamburg (dpa) - Er ist der erste türkischstämmige „Tatort“-Kommissar, aber sein Türkisch im Film ist miserabel: Schauspieler
Mehmet Kurtulus (36) und seine Team-Kollegen wollen, dass die Herkunft des neuen Hauptdarstellers „nur eine untergeordnete Rolle“ spielt.
„Ich möchte jetzt gar nicht gesellschaftspolitisch ausholen. Mein Auftrag war: Wir brauchen 90 Minuten spannende Unterhaltung“, sagte Kurtulus bei der Präsentation seines ersten Films in der populären ARD-Reihe in Hamburg. Den ersten Einsatz des in Hamburg arbeitenden Cenk Batu - „Auf der Sonnenseite“ - zeigt die ARD am 26. Oktober (20.15 Uhr).
Kurtulus („
Kurz und schmerzlos“, „
Gegen die Wand“) tritt in der Produktion des Norddeutschen Rundfunks (NDR) die Nachfolge des bisherigen Hamburg-Kommissars Robert Atzorn an. Die Zuschauer müssen sich aber nicht nur an ein neues Gesicht gewöhnen: Batu arbeitet als verdeckter Ermittler, in den Filmen mit ihm sieht man kein Polizeipräsidium, keine Pathologen, keine Spurensicherung und es gibt auch nicht zwangsweise eine Leiche zu Beginn. „Wir sind immer am Tatort und fahren nicht erst hin“, sagte Kurtulus, der für die Rolle ein einwöchiges Polizeiprogramm absolviert hat. „Seien wir mal ehrlich: Da steht "Tatort" drauf, ist aber kein "Tatort" drin“, meinte der Mime, der sich neben dem NDR-Engagement ganz auf Kinoproduktionen konzentrieren will.
Ins türkische Milieu führt Batu der erste Einsatz dennoch. Es sei ja nun mal auch Fakt, dass ein türkischstämmiger Ermittler gerne in entsprechenden Milieus eingesetzt werde, erklärt Thorsten Wettcke, der gemeinsam mit
Christoph Silber das Drehbuch geschrieben hat. In der ersten Folge muss Batu in der Rolle eines türkischen Kleinkriminellen ins Krankenhaus, um auf diesem Weg den Kontakt zu einem verbrecherischen Clan herzustellen. Das Konzept des Kurtulus-„Tatorts“ sei innerhalb der Reihe eine Weiterentwicklung und ein ganz neuer Ansatz, betonte auch NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze. Auf viele Bilder aus der Hansestadt müssen die Zuschauer dennoch nicht verzichten, Batus Einsätze führen ihn immer wieder an den Hafen, zu Containerschiffen oder ans Elbufer.
Mit den großen Schlagzeilen zu seinem Antritt als „Tatort“-Kommissar hatte Kurtulus nicht gerechnet. „Mir war nicht bewusst, was ich mir da angetan habe“, sagte der Schauspieler, der nach eigenem Bekunden selten den Fernseher einschaltet. „Doch im Laufe der Zeit habe ich mitbekommen, was für eine Kraft der "Tatort" hat. Sogar in der Schweiz hätten Fans ihn auf die Rolle angesprochen. Dass er, der fast in jeder Szene zu sehen ist, auch jeden Tag bei den Dreharbeiten dabei sein muss, habe er nicht geahnt. Schauspieler
Peter Jordan, sein Kollege im Film, bekannte dagegen: „Ich wäre gern jeden Tag am Dreh gewesen, aber man hat mich nicht gelassen.“