München (dpa) - Walt Disney (1901-1966) gilt als Inbegriff amerikanischer Comic-Tradition. Dabei hat sich der Vater von Mickey Mouse und Donald Duck immer wieder von der europäischen Kunst inspirieren lassen.
Dies macht eine große Ausstellung in München deutlich. Die Schau in der Kunsthalle der Hypokulturstiftung stellt den Zeichnungen aus der Werkstatt Disneys europäische Gemälde, Buchillustrationen und alte Filme gegenüber. Auf Leinwänden laufen Ausschnitte berühmter Filme wie „Bambi“, „Das Dschungelbuch“ oder „Dornröschen“.
Europa sei schon seit der Antike die Geburtsstätte so vieler Geschichten und Mythen, sagte der us-amerikanische Disney-Produzent und Zeichner Don Hahn. Die Schau „Walt Disneys wunderbare Welt und ihre Wurzeln in der europäischen Kunst“ mit vielen Stücken aus der Sammlung des Künstlers läuft vom 18. September bis zum 25. Januar.
Zu den Höhepunkten zählt der Kurzfilm „Destino“ aus dem Jahr 2003, den die Disney-Studios nach alten Vorlagen von Disney und dem spanischen Surrealisten Salvador Dalí produziert haben. Dalí hatte 1946 angefangen, eine Idee für einen gemeinsamen Film zu entwickeln und hunderte Zeichnungen und Gemälde geschaffen. Doch vermutlich aus finanziellen Gründen sei der Streifen damals nicht realisiert worden, sagte Kurator Roger Diederen. In München ist der Film nun erstmals zu sehen.
Eines der berühmtesten Objekte der Ausstellung ist „Die Schlangenbeschwörerin“ von Henri Rousseau, eine Leihgabe des Musée d'Orsay aus Paris, deren Urwald-Wildnis an „Das Dschungelbuch“ erinnert. Auch von der Romantik und dem Jugendstil ließen sich Disney-Zeichner inspirieren: Etwa von Franz von Stuck oder Arnold Böcklin, auf deren Bildern sich Faune, Elfen, Panfiguren und andere fantastische Wesen tummeln. Eine Buchillustration des Romantikers Ludwig Richter mit einem kleinen Haus in der Wildnis lässt vermuten, dass Disney das Haus von Schneewittchens sieben Zwergen nach diesem Vorbild schuf. Viele Bücher hatte das Studio in einer Bibliothek für die Zeichner vorrätig, darunter Werke der britischen Kinderbuch-Zeichnerin Beatrix Potter.
Die alten Schwarz-Weiß-Filme übten ebenfalls einen starken Einfluss aus. In „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ etwa finden sich Anklänge an Friedrich Wilhelm Murnaus „Faust“ und an „
Metropolis“ von
Fritz Lang. Auch us-amerikanische Produktionen flossen in die detailverliebten Zeichentrickfilme ein, so etwa „
Moderne Zeiten“ von
Charlie Chaplin oder „
King Kong“ von
Merian C. Cooper und
Ernest B. Schoedsack.
Besondere Bedeutung für Disney hatte Rothenburg ob der Tauber mit seinem beeindruckenden mittelalterlichen Stadtkern - diente die Stadt doch den Zeichnern als Vorlage für den Wohnort der Holzmarionette „Pinocchio“. Das bayerische Schloss Neuschwanstein, der Prachtbau des Märchenkönigs Ludwig II., taucht als Palast in „Dornröschen“ auf.