Hamburg (dpa) - Schäbig ist die Welt, schmutzig, verkommen und gemein - so zeigt sie
Dominik Graf in seinem Kriminalfilm „Der Skorpion“ (1997).
Mit diesem außergewöhnlichen Film startet die „Süddeutsche Zeitung“ in Zusammenarbeit mit dem Studio Hamburg die 15-teilige DVD-Serie „Deutsche Thriller“, in der namhafte Regisseure wie
Christian Petzold, Adolf Winkelmann oder Matti Geschonnek in herausragenden TV-Filmen die Schattenseiten dieser Welt beleuchten.
Mit dem ZDF-Fernsehspiel „Der Skorpion“ greift Graf ziemlich heftig ins richtige Leben. In dem spannenden Thriller schildert er die Brutalität des Drogenmilieus vor dem Hintergrund eines Vater-Sohn-Konflikts zwischen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.
Heiner Lauterbach spielt den Drogenfahnder Jupp, der seine Frau rächen will, die wegen eines Anschlags der Drogenmafia im Koma liegt. Dabei geht der Außenseiter, der Geständnisse gerne auch mal mit Faustgewalt erzwingt, nicht gerade zimperlich vor.
Marek Harloff ist sein Sohn, der eine Porno-Darstellerin liebt und Ecstasy-Pillen wie Smarties schluckt.
Für ihre bewegende Darstellung erhielten die beiden den Darstellerpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. Lauterbach und Harloff hätten die Entfremdungen eines fahndenden Polizisten und eines abdriftenden Sohnes in packender Weise realisiert, urteilte die Jury damals.
Auch Dominik Graf wurde ausgezeichnet: Er gewann den Fernsehspielpreis für seinen „modernen, radikalen, rigorosen Film“, der damals so gar nicht gängigen TV-Formaten entsprach. Dabei verzichtete Graf ganz bewusst auf schöne Bilder: Die Kamera schwenkt, reißt, schlingert und zuckt. Ein nervöser Film, ein ruheloser Film, der durch grelles Licht und harte Kontraste besticht und dem die Farben rausgesaugt wurden.
Ein Film, der Maßstäbe gesetzt hat und Lust auf mehr „Deutsche Thriller“ macht. Gleichzeitig mit Dominik Grafs „Skorpion“ wurden Christian Petzolds „Toter Mann“ (2001) und „Die fremde Frau“ (2003) von Matthias Glasner aufgelegt. Alle drei Wochen werden drei neue Filme erscheinen.
Zwei grundverschiedene Brüder, eine rätselhafte Blondine und ein Frauenmörder: Aus dieser Konstellation hat Christian Petzold einen außergewöhnlichen Fernsehfilm gemacht. „Toter Mann“ ist ein stiller Thriller um Liebe und Tod sowie über Menschen, deren Seelenlandschaften verödet sind.
„Toter Mann“, ein raffinierter psychologischer Thriller, bezieht seine Spannung aus einem dramaturgischen Minimalismus, der in Momenten intensiver Schweigsamkeit die Konventionen des Fernsehens herauszufordern scheint. Und dabei fesselt dieses TV-Movie wie ein Hitchcock-Krimi.
An Hitchcock erinnert auch Mathias Glasner, der in seinem Psycho-Thriller „Die fremde Frau“ Musik aus dem Hitchcock-Film „
Vertigo“ verwendet.