San Francisco (dpa) - Barack Obama wäre nicht der erste schwarze Präsident, der ins Weiße Haus einzieht. Mit
Morgan Freeman,
James Earl Jones,
Chris Rock und
Dennis Haysbert hat der demokratische Präsidentschaftskandidat schon prominente Vorgänger - zumindest auf der Leinwand und dem Bildschirm.
Nicht, dass es die fiktiven „First Black Presidents“, die ersten schwarzen US-Präsidenten, leicht hatten. Als Präsident Tom Beck musste es Morgan Freeman in dem Endzeitthriller „
Deep Impact - Der Einschlag“ vor zehn Jahren mit einem riesigen Kometen aufnehmen, der auf die Erde zurast. Während Astronauten im All mit nuklearen Sprengsätzen hantieren, plagt sich der Präsident mit einer Massen-Evakuierung herum. Nicht ganz freiwillig stolperte James Earl Jones 1972 in „The Man“ ins Oval Office. Der Plot des Dramas: Der Präsident stirbt, der Vizepräsident fühlt sich zu alt, der Job geht an den Senatsvorsitzenden Douglas Dilman, gespielt von Jones.
Mit
Chris Rock geht es in der Politsatire „
Head of State“ (2003) etwas alberner zu, aber auch er hat seinen Sprung ins Weiße Haus dem Ableben des Spitzenkandidat seiner Partei zu verdanken. Der kleine Stadtpolitiker rückt nach und schließlich auf zum mächtigsten Mann der Welt. Die TV-Thriller-Serie „
serie,28“ hat gleich zwei schwarze Präsidenten zu bieten. In der Rolle von David Palmer hielt es Schauspieler Dennis Haysbert über mehrere Staffeln hinweg als erster schwarzer US-Präsident in einer Fernsehserie aus. Am Ende fiel der noble Amtsinhaber einem Attentat zum Opfer. Bruder Wayne Palmer, gespielt von D. B. Woodside, trat die Nachfolge an, wegen seiner Ungeduld und Unerfahrenheit allerdings mit weniger Erfolg.
Oscar-Preisträger Morgan Freeman (71) ist auf seinen Leinwand-Verdienst, als erster gewählter schwarzer Präsident ins Weiße Haus einzuziehen, nicht gerade stolz. Unter dem Rassenaspekt wollte er seine Rolle nicht sehen. „Ich spiele nicht den ersten schwarzen Präsidenten. Ich spiele einen Präsidenten, der zufällig schwarz ist“, sagte er einmal in einem Interview. Bei den Zuschauern steht er als Präsident Tom Beck jedenfalls hoch im Kurs. Bei einer kürzlich durchgeführten Umfrage unter mehr als einer Million „Wählern“, erhielt Freeman bei der Frage „Welchen Film-Präsidenten sähen sie gerne im Weißen Haus“ immerhin 16 Prozent der Stimmen. Er sicherte sich damit den zweiten Platz hinter
Harrison Ford, der es als heldenhafter Präsident James Marshall in Wolfgang Petersens Entführungs-Thriller "Air Force One" ganz alleine mit den Gegnern aufnimmt.
Den dritten Platz schnappte sich
Michael Douglas als verwitweter und einsamer Präsident Andrew Shepherd in „Hallo, Mr. President“, der sich in eine freche Umweltschützerin (
Annette Bening) verliebt. Roland Emmerich macht in seinem Science-Fiction-Spektakel „
Independence Day“
Bill Pullman zu dem unerschrockenen Präsidenten Thomas J. Whitmore und sicherte ihm damit den vierten Platz in der Zuschauergunst. Mit totaler Täuschung im Weißen Haus liegt Hollywood auf Platz fünf genau richtig: In „Dave“ spielt
Kevin Kline einen Mann, der den US-Präsidenten Bill Mitchell so gut imitiert, dass er damit Geld verdienen kann. Als Mitchell im Bett der Geliebten tot umkippt, übernimmt Dave die Amtsgeschäfte.
Der „Commander in Chief“ spielte in Hollywood schon immer eine große Rolle.
Henry Fonda war gleich zweimal Präsident: 1939 in John Fords Historienfilm „Der junge Mr. Lincoln“ und 25 Jahre später in Sidney Lumets Thriller „Angriffsziel Moskau“. Häufig geht es im Oval Office bissig zu, wie bei den Politsatiren „
Dr. Seltsam oder Wie ich lernte die Bombe zu lieben“, mit
Peter Sellers als Präsident, „Mit aller Macht - Primary Colors“ oder „
Wag the Dog“.
Zu den langlebigen Präsidenten zählt
Martin Sheen, der in der TV-Serie „West Wing“ als Präsident Jed Bartlett von 1999 bis 2006 amtierte. Umso kürzer war der Auftritt der ersten weiblichen Machthaberin in Washington. Schon nach einer Staffel wurde die Serie „Welcome Mrs. President“ mit
Geena Davis als Mackenzie Allen wieder abgesetzt.
Oliver Stone hat es geschafft, einen Film über einen US-Präsidenten zu drehen, so lange dieser noch im Amt ist. Sein Streifen „
W.“ über George W. Bush, gespielt von
Josh Brolin, ist Mitte Oktober in den US-Kinos angelaufen. Richard Nixon lebt unter der Regie von Oscar-Preisträger
Ron Howard wieder auf. „
Frost/Nixon“ dreht sich um das legendäre Interview des Journalisten David Frost mit Richard Nixon nach dessen Rücktritt wegen der Watergate-Affäre.
Wenn „Frost/Nixon“ Anfang Februar in die deutschen Kinos kommt, könnte der erste schwarze US-Präsident im Weißen Haus bereits das Sagen haben. Fest steht jetzt schon, dass Morgan Freeman noch einmal als afroamerikanisches Staatsoberhaupt vor der Kamera stehen wird. Mit Regisseur
Clint Eastwood will er Anfang 2009 das Leben von Südafrikas erstem schwarzen Präsidenten, Friedens-Nobelpreisträger Nelson Mandela, verfilmen.