Das erste Wochenende des am 30.10. mit Wong Kar-Wais „Ashes Of Times Redux“ prächtig gestarteten Asia Filmfest ist vorüber und schon jetzt kann ein erstes positives Fazit gezogen werden. Das Filmfest hat sich etabliert bei Publikum und in der Welt. In der fünften Auflage haben die Organisatoren das Programm noch einmal ausgeweitet (55 Filme in 11 Tagen, plus 3 Wiederholungstage) und dabei mit der neu geschaffenen Reihe „Asia Spezial“ gleich mal für eine enorme Klassikerdichte gesorgt. Wild-romantisch ging es dort mit „
Go“ in den vergangenen Tagen zu, das Monster schlechthin „Godzilla“ wütete in der Ur-Fassung von 1954 noch einmal über die Leinwand und in „Der Kaiser und sein Attentäter“ von
Chen Kaige gab es epische Kost.
Wie stark der Stellenwert des Festivals zugenommen hat, zeigt sich auch bei den neuen Werken. Am Freitag Abend feierte „Dream“, der neue Film von
Kim Ki-Duk, seine Premiere außerhalb Südkoreas, wo er erst vor wenigen Wochen gestartet ist. Das sorgte in München für ausgesprochenen gut besuchtes Haus und das obwohl der umstrittene koreanische Filmemacher trotz vielversprechendem Beginn sich nach und nach verzettelte und mit seiner bedeutungsschwangeren Symbolik nicht an den Glanz alter Meisterwerke anknüpfen konnte. Eine von bislang nur ganz wenigen Enttäuschungen. Für zahlreiche Lacher sorgte dagegen „Monster X Strikes Back: Attack The G8 Summit!“ Nach einer interessanten Einführung von Monsterfilmexperte Jörg Buttgereit, der anlässlich eine Dokumentation für den TV-Sender ARTE (Ausstrahlung voraussichtlich 1. Quartal 2009) die Dreharbeiten besuchte, konnte ein wilder Spaß losgehen, bei dem sich die G8-Chefs (also auch unsere liebe Angela) mit einem Japan heimsuchenden Monster rumschlagen mussten. Als Parodie und Hommage an die umfangreiche japanische Gummimonsterhistorie inszenierte, begeisterte Regisseur Minoru Kawasaki das Münchner Publikum. Schräges gab es auch von
Ryuhei Kitamura, der mit „Lovedeath – Director’s Cut“ einen wilden Mix aus „
True Romance“ und den Yakuza-Filmen eines
Takashi Miike präsentierte, der trotz einer beachtlichen Laufzeit von 158 Minuten und einem Filmstart nach halb Elf am Abend, nie zum Einschlafen verleitete, sondern mit vielen skurrilen Ideen unterhielt. Wie vielfältig sich das Festival schon in den ersten Tagen präsentierte, zeigt auch ein Blick auf das übrige Programm. Mit „
Tokyo!“ lieferten
Michel Gondry,
Joon-ho Bong und
Leos Carax einen schönen Blick auf die Millionenmetropole, wobei vor allem Gondrys exzellenter Beitrag heraussticht. „Spider Lilies“ zeigte das Wiederauflammen einer alten Liebe zweier gegensätzlicher Frauen, das mit einem Tattoo und dramatischen Schicksalen verknüpft ist. „
The Chaser“ brachte Thrillerkost vom Feinsten nach München und wer sich vorher fragte, warum
Leonardo DiCaprio sich schon eine Woche nach dem Koreastart die Remakerechte sicherte, bekam diese Frage durch den Film eindrucksvoll beantwortet. Die Splatterfreunde wurden durch „
The Machine Girl“ verwöhnt und die Retrospektive, welche dieses Jahr
Wong Kar-Wai gewidmet ist, zeigte mit „
Chungking Express“ und „
In The Mood For Love“ erste Meisterwerke des Regisseurs.
Das Asia Filmfest 2008 findet noch bis einschließlich Sonntag 9.11. im Gloria Palast und im Mathäser München statt. Von 10.11. bis 12.11. gibt es zudem noch die Möglichkeit Wiederholungen ausgewählter Film im Gloria Palast zu sehen. Vom 14.11 bis 16.11 wird zudem eine Auswahl von zehn Filmen noch in Berlin und Hamburg gezeigt.