New York/Los Angeles (dpa) - Die Hoffnung war so groß, dass die Erfüllung kaum zu verkraften ist.
Oprah Winfrey, die schwarze Königin der US-Talkshows, bricht in Tränen aus, als bei der Jubelfeier der Demokraten in Chicago der Wahlsieg von Barack Obama verkündet wird.
„Das ist einer der größten Momente, den ich mir je vorstellen konnte. Das ist einfach so großartig“, schluchzt die 54-Jährige. Auch Hollywoodstar
Brad Pitt und Bürgerrechtler Jesse Jackson sind in der Nacht zum Mittwoch sichtlich gerührt, als der Jubel der Menge sie hinwegträgt. Filmemacher
Michael Moore („Fahrenheit 9/11“) schreibt später an seine millionengroße Fangemeinde via E-Mail: „Die Tränen laufen uns runter. Tränen der Freude. Tränen der Erleichterung. Es ist ein umwerfender, riesiger Sieg der Hoffnung in einer Zeit tiefer Hoffnungslosigkeit.“
Die traditionell linksliberale amerikanische Kulturelite hat mit der Kandidatur Obamas Erwartungen verknüpft, die gelegentlich fast an einen Heilsbringer erinnerten. Nach acht Jahren unter dem zunehmend geschmähten
George W. Bush erhoffen sich Intellektuelle und Künstler wieder ein offeneres Klima für ihre Arbeit, mehr Förderung für Bildung und Ausbildung und vor allem eine Überwindung der Rassenschranken, die die amerikanische Gesellschaft noch immer viel stärker trennen, als mancher glauben machen möchte. Hollywoodstars von Steven Spielberg über Matt Damon bis Barbra Streisand legten sich deshalb im Wahlkampf für den schwarzen Senator ins Zeug, wie es das in den früheren Jahren kaum gegeben hatte.
Zu den ersten Gratulanten noch in der Wahlnacht gehörte dann Oscarpreisträger und Friedensaktivist
George Clooney (47), der von einem „historischen Wahlsieg“ sprach. Er fügte jedoch gleich hinzu: „Jetzt ist es Zeit, dieses Land zu einen, damit wir die außergewöhnlichen Herausforderungen angehen können, die auf diese Generation zukommen.“ Und der schwarze Rapper Will.i.am von den Black Eyed Peas, der mit seinem Wahlkampfvideo „Yes We Can“ (etwa: Ja, wir schaffen es) für Aufsehen gesorgt hatte, mahnte zu Wachsamkeit: „Bisher sind alles Versprechen. Die Bürger müssen weiter engagiert bleiben, damit diese Versprechen auch Wirklichkeit werden.“ Auch in Deutschland waren die Reaktionen fast überschwänglich. Er hoffe auf einen „neuen Nelson Mandela“, sagte Schauspieler Armin Mueller-Stahl (77) im Hörfunkprogramm SWR2.
Vielen anderen war zunächst nur nach Feiern zumute. US-Schauspielerin
Courteney Cox lud zu einer Obama-Party in ihrem Haus in Beverly Hills ein. Mit von der Partie waren dem Internetdienst E!Online zufolge unter anderem Jennifer Aniston und
Sacha Baron Cohen („
Borat“). In New York richtete Filmproduzent Harvey Weinstein eine Fete aus, bei der Schriftsteller Salman Rushdie, TV-Moderator Matt Blanc und Schauspielerin
Jessica Alba zu den Gästen gehörten. „Es ist eine große Nacht für unser Land. Obama wird einen guten Einfluss auf die Wirtschaft haben“, sagte Weinstein. Jessica Alba dachte vor allem an ihre kleine Tochter, die erst im Mai zur Welt gekommen ist: „Sie wird in einer Welt leben, in der jeder gleich ist, in der jeder eine Stimme hat.“
Zur großen Siegesfeier bei Obama waren nach Medienberichten nur handverlesene Stars geladen. Andere Größen wie Jay-Z, Mary J. Blige, Sean „Diddy“ Combs,
Susan Sarandon,
Tim Robbins und
Ben Affleck seien höflich, aber bestimmt gebeten worden, dem künftigen Präsidenten ein andermal die Ehre zu erweisen, schrieb die „Chicago Sun-Times“. „Es reicht, wenn ein Star im Park ist, und das ist Barack“, sagte ein Insider. Eine der wenigen Ausnahmen war Obama-Dauerfan Oprah Winfrey, die ihre erfolgreiche Talkshow am Mittwochabend ganz der Wahl widmen wollte. „Niemand sagt zu Oprah nein“, hieß es im Siegerlager.