Wiesbaden (dpa) - Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hält die Freigabe des Geschichtsdramas „
Anonyma - Eine Frau in Berlin“ ab zwölf Jahren für gerechtfertigt.
Der Film über die Vergewaltigungen deutscher Frauen in Berlin zum Ende des Zweiten Weltkriegs sei zwar ein „problematischer Stoff“, sagte die FSK-Expertin Birgit Goehlnich der Deutschen Presse-Agentur dpa in Wiesbaden. Der Streifen von
Max Färberböck mit
Nina Hoss in der Hauptrolle, seit 23. Oktober in den Kinos, gehe aber verantwortlich damit um.
„Für uns ist wichtig, dass der Film keine Täterperspektive zeigt“, er wecke Mitgefühl für die Opfer. Die Hauptbotschaft sei: „Krieg bringt keine Gewinner hervor, unter Krieg haben alle zu leiden, besonders die Frauen.“
Bei der Freiwilligen Selbstkontrolle gehe es um den gesetzlichen Jugendschutz, stellte Goehlnich klar. Es werde eine Untergrenze festgelegt, um eine „Beeinträchtigung, Verängstigung, Desorientierung“ von Jugendlichen zu vermeiden. „Das ist keine pädagogische Empfehlung.“ Sie halte „Anonyma“ ab etwa 14 Jahren für geeignet.
Die Freigabe ab zwölf Jahren zieht laut Gesetz automatisch nach sich, dass schon Kinder ab sechs Jahren in Begleitung ihrer Eltern den Film besuchen dürfen. Eltern sollten verantwortlich mit diesem Recht umgehen, forderte Goehlnich, die in der FSK die Obersten Landesjugendbehörden vertritt.
Sie hatte auch den Vorsitz in der Bewerterkommission zu „Anonyma“, in der es lange Diskussionen gegeben habe. Letztlich habe man sich für eine „offensive Freigabe“ entschieden. Die FSK sehe „Anonyma“ in einer Reihe mit anderen Filmen über Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg wie „
Der Untergang“ (Regie:
Oliver Hirschbiegel, 2004) und „
Sophie Scholl“ (Regie:
Marc Rothemund, 2005). Auch diese seien ab zwölf Jahren freigegeben worden.
Die FSK hatte zuletzt bei der Komödie „
Keinohrhasen“ mit
Til Schweiger wegen der expliziten sexuellen Sprache die Freigabe von sechs auf zwölf Jahre korrigiert.
Gespräch: Friedemann Kohler, dpa