Berlin (dpa) - Er ist einer der wenigen deutschen Schauspieler, die auch in Hollywood Karriere gemacht haben.
Thomas Kretschmann (46, „
Der Pianist“) spielt in dem ARD-Film „
Mogadischu“ (30. November, 20.15 Uhr) Jürgen Schumann, den Kapitän der Lufthansa-Maschine „Landshut“.
Im „Deutschen Herbst“ wurde sie 1977 von Terroristen entführt. „Ich habe mich immer gefragt: Was muss dieser Mann für einen Mut gehabt haben?“, sagte Kretschmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Gedreht wurde der von Nico Hofmann („Die Luftbrücke“, „Dresden“) mitproduzierte Film in Marokko in einem eigens dafür umgebauten Flugzeug. „Es war schon sehr eng, die Luft war auch nicht so doll“, erinnert sich Kretschmann. „Aber als Schauspieler denke ich darüber nicht nach. Es ist mir immer wichtig, eine Szene zu bewältigen.“ Er habe nicht viel „herumexperimentiert“. „Ich habe das ziemlich 1:1 wie im Drehbuch, das ich sehr gut fand, gespielt.“
An die Zeit der Rote Armee Fraktion (RAF), die damals die Bundesrepublik terrorisierte, hat der in Dessau geborene ehemalige Leistungsschwimmer keine Erinnerungen, sagt er. „Ich war damals in der DDR an der Sportschule, da gab es kein Westfernsehen. Ich glaube auch, in der DDR wurde das Thema ziemlich unter den Teppich gekehrt.“ Er habe vorher nicht viel drüber gewusst, sich dann aber für die Dreharbeiten informiert.
Der Film zeigt, wie die Entführer ihre Geiseln in Angst und Schrecken versetzten: Der Pilot wurde an Bord von einem Entführer erschossen. Vorher musste er auf Knien vor dem Chef der palästinensischen Terroristen herumrutschen. Auch wenn der Film packend ist: Regisseur
Roland Suso Richter habe kein Schema a la „
serie,28“ bedient, sondern einen Weg gefunden, wie man die Geschichte am besten transportiert und dem Zuschauer nahebringt, findet Kretschmann.
Er hat selbst auch mit Zeitzeugen gesprochen. Der „Landshut“- Copilot Jürgen Vietor war am Set und wurde „ausgequetscht“. „Der hat uns ganz toll beraten. Für mich war wichtig, dass man eine Genauigkeit reinbringt - dass man zum Beispiel die Fluggeräte so betätigt, wie es sich gehört.“ Mit Blick auf Bernd Eichingers Kinofilm „
Der Baader Meinhof Komplex“ sagt Kretschmann: „Mir ist es relativ gleich, was andere machen. Mir ist wichtig, dass das, was man selbst macht, ordentlich wird.“ Es sei aber so, dass manchmal zufällig gleiche Themen zum gleichen Zeitpunkt angepackt würden.
Kretschmann, der auch in dem Stauffenberg-Film „
Walküre“ mitspielt, lebt mit seiner Familie in Los Angeles. Für die ProSieben-Verfilmung des „Seewolfs“ war er wochenlang in der Karibik, für „Mogadischu“ in Casablanca. „Ich hatte an beiden Drehorten meine Kinder dabei. Es ist natürlich ein ganz tolles Leben, wenn man nicht den Druck hat, nach Hause zu müssen.“ Im Moment könne er die Kinder noch mitnehmen. „Und das mache ich dann auch.“
Sein Alltag in Kalifornien sei „ganz normal“. „Ich bringe morgens meine Kinder in die Schule und mache danach meine Erledigungen.“ Wird er vielleicht irgendwann nach Deutschland zurückkehren? „Ich kann mir alles vorstellen. Im Moment gefällt es mir da sehr gut.“ 2009 wird Kretschmann an der Seite von
Jessica Schwarz zu sehen sein. Schwarz wagt sich an die Rolle von Romy Schneider heran, Kretschmann ist in „Romy“ deren erster Ehemann Harry Meyen. „Jessica macht das wahnsinnig toll, ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte.“
Gespräch: Caroline Bock, dpa