Hamburg (dpa) - Das Kinojahr 2008 war durchaus erfolgreich, doch irgendwie fehlte der prickelnde Charme.
Nach der Vorjahres-Ebbe in den Kassen rechnen die deutschen Filmverleiher bis Ende 2008 wieder mit einem leichten Aufwind und zeigen sich durchaus zufrieden mit den Besucherzahlen. Und während so manch ein Hollywood-Film deutlich geschwächelt hat, ließen überraschend viele deutsche Produktionen die Muskeln spielen.
Allen voran „
Keinohrhasen“ von und mit
Til Schweiger. Kurz vor dem letzten Weihnachtsfest angelaufen, bescherte die freche Beziehungskomödie den Kinos insgesamt knapp 6,3 Millionen Besucher. Damit ist „Keinohrhasen“ nicht nur der deutsche Kinohit, sondern die erfolgreichste Produktion des Jahres insgesamt. „
James Bond 007 - Ein Quantum Trost“ konnte mit bisher 4,3 Millionen Zuschauern noch nicht am „Hasenthron“ rütteln und wird wahrscheinlich auch bis Silvester noch auf Platz zwei der Kinocharts bleiben. Beim weltweiten Einspiel hat der 22. Bond-Film allerdings die gewaltige Marke von 500 Millionen Dollar gerade geknackt.
Die magische Grenze von einer Million Zuschauern, bei der deutsche Filmemacher gern die Korken knallen lassen, haben in diesem Jahr gleich acht Produktionen überschritten. Das Sozialexperiment „
Die Welle“ ging knapp 2,6 Millionen Menschen unter die Haut. Der Münchner Mogul
Bernd Eichinger setzte mit dem RAF-Drama „
Der Baader Meinhof Komplex“ nicht nur in der öffentlichen Diskussion wieder eine intensive Duftmarke, sondern verkaufte auch knapp 2,4 Millionen Kinokarten.
Über der Millionen-Schwelle landeten unter anderem auch die fünfte Folge der Erfolgsreihe „
Die wilden Kerle“, die Fantasy- Literaturverfilmung „
Krabat“ und Doris Dörries Melodrama „
Kirschblüten - Hanami“. Nach dem dritten Quartal lag der Marktanteil deutscher Film bei hervorragenden 22,6 Prozent (15,9 Prozent im gleichen Zeitraum 2007).
Auch über den Auslands-Oscar 2008 konnten sich die Deutschen zumindest mitfreuen: Der österreichische Regisseur
Stefan Ruzowitzky holte mit seinem KZ-Drama „
Die Fälscher“ den ersten Oscar überhaupt in die Alpenrepublik. „Die Fälscher“ sind je zur Hälfte von Deutschland und Österreich produziert worden.
Zu den Gewinnern des Kinojahres gehören auch die Frauen in den „besten Jahren“:
Meryl Streep (59) sang sich in der Abba-Musical- Verfilmung „
Mamma Mia!“ lebenslustig auf Platz 3 der Charts. Die reifer gewordenen Manhattan-Mädels in „
Sex and the City“ schwangen sich auf High Heels auf Rang 9 der Top Ten.
Spektakulär untergegangen ist der Hollywood-Deutsche Roland Emmerich, sonst immer ein Garant für attraktives Spektakelkino. Die sagenhaften Spezialeffekte von „
10.000 BC“ konnten nicht über die ebenso sagenhaft hanbeüchene Story hinwegtrösten. Emmerich scheiterte in Deutschland deutlich an der Millionengrenze, für ihn sicherlich ein ganz neues Gefühl.
Was bringen das nächste Jahr? Für Til Schweiger sicherlich jede Menge Auftritte in Talkshows und viele lästige Interviews. Denn der Star von 2008 will auch 2009 ganz oben mitspielen. Zuerst kommt noch in diesem Dezember seine neue Komödie „1 1/2 Ritter“ ins Kino. Genau ein Jahr später, Mitte Dezember 2009 kommt dann „
Keinohrhasen 2“ heraus.
Zum bevorstehenden Weihnachtsfest werden Filmfans mit „
Australia“ mit
Nicole Kidman und der opulenten Literaturverfilmung „
Buddenbrooks“ beschenkt. Am Neujahrstag startet der Star-strotzende Krimi „
Kurzer Prozess - Righteous Kill“ mit
Al Pacino,
Robert De Niro und dem Rapper
50 Cent. Sehr schnell nach dem Bestsellererfolg als Buch von Stephenie Meyer kommt „
Twilight - Biss zum Morgengrauen“ ins Kino (15.1.).
Nachdem die Dreharbeiten mit
Tom Cruise zu „
Operation Walküre“ in Berlin für viele Schlagzeilen gesorgt haben, zeigt sich am 22. Januar, ob das Ergebnis die Aufregung wert war. Dann - nach der Heldenfeier durch Cruise - wagt die Verfilmung des deutschen Romans „
Der Vorleser“ von Bernhard Schlink einen völlig anderen Blick auf die Nazizeit.
Kate Winslet und
Ralph Fiennes geben dem Film international Gewicht, aber auch
Bruno Ganz und
Karoline Herfurth sind dabei.
Auch in die Vergangenheit zurück greift eine andere Produktion, die im Juni ansteht. Dabei geht es in „Terminator 4 - Die Erlösung“ vor allem um die Auffrischung von einem Mythos des guten alten Action-Kinos.
Christian Bale tritt in die wuchtigen Fußstapfen von
Arnold Schwarzenegger, der für diese Rolle definitiv nicht mehr zur Verfügung steht. Pünktlich zu den Sommerferien hat dann auch das Warten der Harry-Potter-Freunde auf den sechsten Teil der Reihe ein Ende. Am 16. Juli „appariert“ „
Harry Potter und der Halbblutprinz“ auf der Leinwand. Schon jetzt gilt als sicher, dass er wieder einen ganz besonderen Klimper-Zauber für die Kinokassen weltweit erfüllen wird.