Paris (dpa) - Produzent, Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor -
Claude Berri war ein filmischer Tausendsassa und gehörte zu den bekanntesten Persönlichkeiten des französischen Films.
Vor allem als Produzent stellte er in den vergangenen Jahren sein Können unter Beweis. Seine Erfolgskomödie „
Willkommen bei den Sch'tis“ zog 2008 in Frankreich mehr als 20 Millionen Menschen an und ist damit der erfolgreichste französische Film aller Zeiten in Frankreich. Nicht weniger erfolgreich war er mit mit Claude Zidis populärer Asterix- Komödie „Asterix und Obelix gegen Cäsar“. Insgesamt produzierte der am Montag in Paris 74-jährig gestorbene Berri rund 50 Filme und führte bei mehr als 20 Filmen Regie.
Seine Karriere begann Berri jedoch in den 50er Jahre als Schauspieler. Claude Autant-Lara holte ihn erstmals vor die Kamera, bevor er 1955 mit
Jean Renoir „French Cancan“ drehte. Doch schon Anfang der 60er Jahre wechselte Berri zur Regie, wo er gleich für seinen ersten Film „Le Poulet“ 1961 einen Oscar erhielt. Nur sechs Jahre später erzielte er mit „Der alte Mann und das Kind“ erneut einen Publikumserfolg. Dann folgten eine Reihe autobiografisch geprägter Filme wie „Die kleinen Französinnen - Das erste Mal“. Er ließ es sich nicht nehmen, immer wieder mal in seinen eigenen Filmen mitzuspielen wie in „Die Hochzeit“, „Sex-Shop“ oder „Le Cinéma de papa“.
Knapp zehn Jahre später begann das Multitalent verstärkt als Produzent tätig zu werden. Das Spektrum seiner Produktionen reicht vom Tierfilm „Der Bär“ von
Jean-Jacques Annaud bis zu Autorenfilmen von
Patrice Chéreau „Der verführte Mann“ und „Die kleine Diebin“ von
Claude Miller. Berri produzierte für
Eric Rohmer und André Téchiné. Auch an internationalen Großproduktionen war er beteiligt - wie 1996 an „Der Unhold“ von
Volker Schlöndorff.
Seine zweite Leidenschaft galt der Malerei und Fotografie. Seit den siebziger Jahren sammelte er zeitgenössische und moderne Kunst. Zu seinen Lieblingskünstlern zählten Robert Ryman, Richard Serra, Bruce Nauman, Dan Flavin, Paul McCarthy und Wim Delvoye. Im vergangenen Jahr eröffnete Berri im Pariser Viertel Marais den „Espace Berri“, eine Mischung aus Kunstzentrum und Galerie, gestaltet vom Star-Architekten Jean Nouvel. Derzeit ist dort eine Ausstellung des 1967 geborenen französischen Künstlers Stéphane Calais zu sehen.
Berri wuchs als Sohn einer aus Osteuropa eingewanderten jüdischen Kürschnerfamilie in Paris auf. Den Nachnamen Langmann ersetzte er bald durch eine Abkürzung seines zweiten Vornamens. In seiner 2005 erschienen Autobiografie bedauerte er jedoch, dass er als junger Mann seinen Namen geändert hatte. „Wie konnte ich nur so dumm sein, mir diesen lächerlichen Namen Berri zuzulegen, wo ich doch Langmann heiße“, sagte er im Alter von über siebzig Jahren.