Paris (dpa) - Ohne
Claude Berri hätte es viele große Filme nicht gegeben. „Er war einer der mutigsten Produzenten. Er nahm viele Risiken auf sich“, würdigte der französischen Starregisseur
Patrice Chéreau den am Montag an den Folgen einer Hirnblutung gestorbenen Regisseur und Filmproduzenten.
Seit Sonntag kämpfte der 74-Jährige im Pariser Krankenhaus Pitié-Salpétrière gegen den Tod. Berri war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des französischen Films. Sein jüngster großer Erfolg als Produzent war 2008 die Komödie „
Willkommen bei den Sch'tis“, die in Frankreich mehr als 20 Millionen Zuschauer sahen. Berri hatte vor einigen Jahren bereits einen Schlaganfall erlitten.
„Ohne ihn hätte es weder "Tess" von
Roman Polanski noch "
Der Stellvertreter" von
Constantin Costa-Gavras gegeben. Er wagte viel, denn er hatte ein Gespür für Talente“, meinte Chéreau weiter, dessen „Bartholomäusnacht“ und „Hotel de France“ Berri produziert hatte. Als einen „hervorragenden Produzenten“ ehrte ihn auch der Präsident des Festivals von Cannes, Gilles Jacob.
Doch der am 1. Juli in Paris geborene Berri war weit mehr - ein filmischer Tausendsassa: Produzent, Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor. In den letzten Jahren stellte er jedoch verstärkt sein Talent als Produzent unter Beweis. Mit „Willkommen bei den Sch'tis“ hat er den erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten in Frankreich produziert. Nicht weniger erfolgreich war er mit Claude Zidis populärer Asterix-Komödie „Asterix und Obelix gegen Cäsar“. Insgesamt produzierte Berri rund 50 Filme und führte bei mehr als 20 Filmen Regie.
Seine Karriere begann Berri jedoch in den 1950er Jahren als Schauspieler. Claude Autant-Lara holte ihn erstmals vor die Kamera, bevor er 1955 mit
Jean Renoir „French Cancan“ drehte. Doch schon Anfang der 1960er Jahre wechselte Berri zur Regie, wo er gleich für seinen ersten Film „Le Poulet“ 1961 einen Oscar erhielt. Nur 6 Jahre später erzielte er mit „Der alte Mann und das Kind“ erneut einen Publikumserfolg. Dann folgten eine Reihe autobiographisch geprägter Filme wie „Die kleinen Französinnen - Das erste Mal“. Er ließ es sich nicht nehmen, immer wieder mal in seinen eigenen Filmen mitzuspielen wie in „Die Hochzeit“, „Sex-Shop“ oder „Le Cinéma de papa“ (etwa: Vaters Kino).
Knapp 10 Jahre später begann das Multitalent verstärkt als Produzent tätig zu werden. Das Spektrum seiner Produktionen reicht über den Tierfilm „Der Bär“ von
Jean-Jacques Annaud bis zu Autorenfilmen von Patrice Chéreau („Der verführte Mann“) oder „Die kleine Diebin“ von
Claude Miller. Berri produzierte für
Eric Rohmer und André Téchiné. Auch an internationalen Großproduktionen war er beteiligt wie 1996 „Der Unhold“ von
Volker Schlöndorff.
Seine zweite Leidenschaft galt der Malerei und Fotografie. Seit den 1970er Jahren sammelte er zeitgenössische und moderne Kunst. Zu seinen Lieblingskünstlern zählten Robert Ryman, Richard Serra, Bruce Nauman, Dan Flavin, Paul McCarthy und Wim Delvoye. Im vergangenen Jahr eröffnete Berri im Pariser Viertel Marais den „Espace Berri“, eine Mischung aus Kunstzentrum und Galerie, gestaltet vom Star- Architekten Jean Nouvel. Derzeit ist dort eine Ausstellung des 1967 geborenen französischen Künstlers Stéphane Calais zu sehen.
Berri wuchs als Sohn einer aus Osteuropa eingewanderten jüdischen Kürschnerfamilie in Paris auf. Den typisch jüdischen Nachnamen Langmann ersetzte er bald durch eine Abkürzung seines zweiten Vornamens. In seiner 2005 erschienen Autobiografie bedauerte er jedoch, dass er als junger Mann seinen Namen geändert hatte. „Wie konnte ich nur so dumm sein, mir diesen lächerlichen Namen Berri zuzulegen, wo ich doch Langmann heiße“, sagte er im Alter von über siebzig Jahren.