Hamburg (dpa) - Filmregisseur
Tom Tykwer (43, „
Das Parfüm“) ist erschrocken darüber, dass die Realität seinen neuen Thriller „
The International“ eingeholt hat.
„Ich hatte noch während der Dreharbeiten Sorgen, dass die Zuschauer es zu konstruiert finden, wenn man eine Privatbank als Bösewicht ins Zentrum rückt“, sagte Tykwer dem Hamburger Magazin „Stern“. In dem Film mit den britischen Stars
Clive Owen und
Naomi Watts sowie
Armin Mueller-Stahl geht es um die kriminellen Machenschaften einer Großbank. Er eröffnet die diesjährige Berlinale, die in einer Woche, am 5. Februar, beginnt und bis zum 15. Februar dauert.
Tykwer sagte dem Blatt, für ihn sei es „wahnsinnig beunruhigend, dass der Subtext der Geschichte auf eine Weise wahr geworden ist, wie wir uns das nie vorgestellt haben“. Vor den Dreharbeiten habe er extra mit einigen Bankern gesprochen. „Die waren oft fünf Jahre jünger als ich und hatten einen privaten Jahresumsatz von ein paar Hundert Millionen Euro“, sagte der 43-Jährige. „Sehr umgängliche Typen, gar nicht unsympathisch. Kultivierte Leute, die sich auch im Kino auskannten.“ Zugleich behaupteten sie aber auch, sie hätten schließlich den Kapitalismus nicht erfunden und jeder schaue doch auf seine Profite und die seiner Firma. Das machten doch alle so. „Und wenn ich dann sage, nein, das machen nicht alle so, dann ist das Gespräch schnell zu Ende“, sagte Tykwer. „Ökonomische Moral ist offenbar ein naives Relikt aus der Vergangenheit.“