Hollywood (dpa) - Ein sympathischer Außenseiter hat sich in der Oscar-Nacht gegen den teuren Glamour Hollywoods durchgesetzt. Das mit Laiendarstellerin unter schwierigen Bedingungen in Indien gedrehte Drama „
Slumdog Millionär“ wurde als bester Film des Jahres ausgezeichnet.
Der deutsche Beitrag „
Der Baader Meinhof Komplex“ ging in der Auslandskategorie leer aus. Dafür wurde der Kurzfilm „Spielzeugland“ von Jochen Alexander Freydank aus Berlin geehrt. In 14 Minuten Länge breitet „Spielzeugland“ ein komplexes Minidrama aus, das in der Nazizeit spielt.
Insgesamt vergab die Amerikanische Filmkunst-Akademie für „Slumdog Millionär“ in der Regie des Briten
Danny Boyle nach zehn Nominierungen gleich acht Preise. In berauschenden Bildern erzählt der Film (deutscher Kinostart: 19. März) die märchenhafte Geschichte eines jungen Mannes, der es in der indischen Ausgabe der Quizshow „Wer wird Millionär“ bis zur Millionen-Frage gebracht hat. Doch dann wird er der Schummelei verdächtigt. Im Polizeiverhör stellt sich heraus, dass jede seiner korrekten Antworten einen ganz besonderen Bezug zum Leben seiner armen Familie und zu seiner großen Liebe hatte.
„Als wir am Anfang standen, hatten wir keine Stars, keine Macht und keine Muskeln“, schilderte Produzent Christian Colson die Arbeitsbedingungen. „Alles, was wir hatten, war ein inspirierendes Skript, Leidenschaft und unseren Glauben an die Produktion.“
Der deutsche Filmemacher Freydank sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa direkt nach der Auszeichnung in Hollywood: Seinen Film habe er aus einem gewissen Ärger heraus gedreht: „Solange es bei uns noch Nazi-Parteien gibt, müssen wir versuchen, etwas dagegen zu tun.“ Seit 1994 sind deutsche Kurzfilme insgesamt drei Mal mit dem begehrtesten Filmpreis der Welt gewürdigt worden.
Über ihre erste Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin nach insgesamt sechs Nominierungen freute sich
Kate Winslet. Die 33-jährige Britin spielt in „
Der Vorleser“ nach dem Bestsellerroman des Deutschen Bernhard Schlink eine ehemalige KZ-Aufseherin. „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte diese Situation noch nie geprobt“, sagte Winslet mit dem „Goldjungen“ im Arm. „Schon mit acht Jahren stand ich im Badezimmer und hatte als Preis die Shampoo-Flasche in der Hand.“
Bester Darsteller wurde
Sean Penn (48) für seine Rolle als charismatischer Schwulen-Politiker in dem Drama „
Milk“. Der Hollywood-Rebell richtete sich nach dem zweiten Oscar seiner Karriere wütend gegen die jüngst erfolgte Wiederabschaffung der Homo-Ehe in Kalifornien und forderte „gleiche Rechte für alle“.
Als Moderator der Gala-Show, die weltweit im Fernsehen übertragen wurde, glänzte der Australier
Hugh Jackman (40). Der Schauspieler („
X-Men“, „
Australia“) spielte mit seinem Image als „Sexiest Man Alive“ und zeigte, dass er nicht nur fabelhaft aussehen, sondern auch singen, tanzen und geistreich unterhalten kann.
Genau 13 Monate nach seinem Tod ist
Heath Ledger erwartungsgemäß mit einem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden. Der in Australien geborene Schauspieler war am 22. Januar 2008 im Alter von 28 Jahren an einer Überdosis verschreibungspflichtiger Medikamente gestorben. Ledger wurde für seine Rolle als wahnsinniger Bösewicht Joker in dem Batman-Film „
The Dark Knight“ geehrt. „Wir sind glücklich darüber, was du erreicht hast“, sagte eine seiner Schwestern mit tränenerstickter Stimme, als sie den Preis für den Star entgegennahm.
Beste Nebendarstellerin wurde die spanische Schauspielerin
Penélope Cruz mit der Komödie „
Vicky Cristina Barcelona“ von
Woody Allen. Als bester Animationsfilm wurde „
Wall-E“ aus dem Hause Disney ausgezeichnet.
Verlierer des Abends ist „
Der seltsame Fall des Benjamin Button“. Der Film mit
Brad Pitt und
Cate Blanchett galt als klassisches „Oscar-Material“ mit einer episch und aufwändig erzählten Geschichte. Doch nach insgesamt 13 Nominierungen gab es nur drei Oscars in Kategorien wie Ausstattung und Spezialeffekte.