New York (dpa) - Es ist ungemütlich im Meatpacking District. Die Kameraleute frieren in der Eiseskälte von New York. Die Statisten in Gestalt von Pennern und Transvestiten treten von einem Fuß auf den anderen.
Matthias Schweighöfer („
Keinohrhasen“) und Newcomer Friedrich Mücke hauchen sich in den Drehpausen dicke Nebelschwaden in die Hände. Wirklich schlecht gelaunt ist aber nur einer: ein New Yorker Polizist. Der soll in den späten Abendstunden für die deutsche Filmproduktion die Straße vom Verkehr freihalten. Wenn die Filmfuzzis nicht endlich hin machten, dann könne ihm die ganze „Friendship“ gestohlen bleiben, droht der Cop knurrend. Und lässt sich dann doch noch für ein paar Einstellungen überreden.
Regisseur Markus Goller lässt sich Zeit. Schließlich ist die Einstellung unter dem Wellblechdach vor der mit Graffiti verschmierten Hauswand eine der Schlüsselszenen für die deutsche Komödie „Friendship“. Da findet Ossi Tom (Schweighöfer) heraus, warum sein bester Kumpel Veit (Mücke) direkt nach dem Berliner Mauerfall mit dem Begrüßungsgeld ein Flugticket nach Amerika gekauft hat: Er will seinen Vater wiederfinden. Der hatte sich als „Republikflüchtling“ in den Westen abgesetzt als Veit noch klein war. Seitdem kommt einmal im Jahr eine Geburtstagskarte - aus San Francisco. Den Kartenstapel findet Tom in Veits Rucksack als er nach etwas Essbarem kramt: „Warum hast du mir denn nichts gesagt? Ich bin doch dein bester Freund“, wirft Schweighöfer Mücke vor.
Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg schickt die beiden Freunde - und die Filmproduktion - auf einen Road-Trip quer durch die USA. Drei Monate lang hat die Berliner Crew gedreht. Außer nach New York ging es auch nach Albuquerque (US-Bundesstaat New Mexiko), durch die Wüste und nach San Francisco - mit einer Szene auf der legendären Golden Gate Bridge. Dabei haben die beiden Hauptdarsteller auch ihre eigene Freundschaft entdeckt. „Das überraschendste war: Wir haben uns vorher nicht gekannt und sind hier in Amerika beste Freunde geworden“, sagt der 28-jährige Schweighöfer in einer Drehpause der Deutschen Presse- Agentur (dpa).
Beide Schauspieler haben den gleichen Hintergrund: Sie wurden in der DDR geboren, beide waren noch klein als die Mauer fiel. Gerade mal acht Jahre alt. Schweighöfer kann sich noch daran erinnern, wie sein Onkel aus dem Westen anrief und sagte, sie könnten jetzt rüber.
„Es war schon ein bisschen wie im Märchenland, alles war doller, bunter, roch ganz anders. Ich habe fünf Jahre gebraucht, um mich daran zu gewöhnen“, sagt er. Durch Erzählungen in der Familie und Fotoalben bleibt die Zeit seiner Kindheit auch seltsam lebendig. „Ich fand es schon persönlich interessant, einen Ossi zu spielen. Das bedeutet mir echt was, die eigene Geschichte mit einzubringen.“ Mücke fügt hinzu: „Wir haben auch ein paar Knaller eingebaut. Für alle Ossis sind ein paar schöne sprachliche Bomben drin“, sagt er grinsend.
„Friendship“ soll am 5. November, kurz vor dem 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November, in die deutschen Kinos kommen.