Stockholm (dpa) - Gottsucher bei
Ingmar Bergman, grantiger alter Liebhaber bei
Woody Allen und finsterer Schurke bei
Steven Spielberg:
Max von Sydow hat mit seinem kantigen Gesicht und der sonoren Stimme einen weiten Bogen als weltweit hoch geachteter Schauspieler gespannt.
Auch zum 80. Geburtstag scheint ein Ende der Leinwandkarriere absolut nicht in Sicht. Von Sydow steht in vier Kinofilmen auf der Besetzungsliste, die bis zum Jahresende Premiere feiern sollen.
Geld kann es wohl nicht sein, was den in Paris lebenden Schweden weiter so in Bewegung hält. Er müsste nach atemberaubenden 137 Film- und TV-Rollen seit 1949 genug beisammen haben. International bekannt wurde von Sydow durch elf Filme zwischen 1957 und 1971 mit dem Regisseur Ingmar Bergman. Vor allem sein Ritter Block in „
Das siebente Siegel“ (1957), in dem er als Ritter mit dem Tod Schach um das Leben spielte, prägte sich Kritikern und Publikum als große Rolle ein. Von Sydow verkörperte gerade auch durch sein Gesicht wie kein anderer Bergmans oft finstere, zerrissene und hoffnungslos erscheinende Sinn- und Gottessuche.
Als Profi-Schauspieler suchte von Sydow sehr zielbewusst auch den kommerziellem Erfolg, und die Filme mussten durchaus nicht immer Sinn machen. Unvergessen seine Rolle als Teufelsaustreiber im „Exorzisten“ (1973), der Sciene-Fiction-Film „Flash Gordon“ (1980) oder „
Conan der Barbar“ (1982) an der Seite des heutigen kalifornischen Gouverneurs
Arnold Schwarzenegger.
Der am 10. April 1929 geborene Professorensohn aus Lund ließ sich vom Kommerz nie ganz verschlucken. Besonders hohes Lob und eine Oscar-Nominierung bekam er für die Rolle des armen, immer wieder gedemütigten schwedischen Bauern Lasse in „Pelle der Eroberer“ (1987) mit dem Dänen
Bille August als Regisseur. 1996 glänzte er als Schriftsteller Knut Hamsun im gleichnamigen Film von Jan Troell, und 2002 in Steven Spielbergs „
Minority Report“ zusammen mit
Tom Cruise. 2004 zeichnete ihn das Festival in Cannes für sein Lebenswerk aus.
Wer sich von Sydows Rollenliste ansieht, versteht sofort, warum über den hochgewachsenen Skandinavier wenig außerhalb seiner Arbeit bekannt ist: Seit einem halben Jahrhundert findet man kaum ein Jahr, in dem er nicht mindestens zwei-, drei- oder auch viermal bei großen Film- oder TV-Produktionen mitgewirkt hat. Theaterengagements nicht eingerechnet.
Von Sydow lebt mit seiner zweiten Frau, Catherine Brelet, in Paris und ist seit 2002 auch französischer Staatsbürger. Teile des Sommers verbringt er gern in seinem Ferienhaus auf der Ostseeinsel Gotland.