Berlin (dpa) - Der Favorit hat das Rennen gemacht: Das Kriegsdrama „
John Rabe“ von Regisseur
Florian Gallenberger hat den Deutschen Filmpreis in Gold 2009 gewonnen.
In gleich sieben Kategorien war der Film nach historischen Ereignissen nominiert, vier Preise räumte er ab - auch den für den besten Hauptdarsteller:
Ulrich Tukur. „Schon wieder einer von uns“, sagte dieser grinsend, als er seine „Goldene Lola“ bekam. „Keine leichte Kost, aber ein wichtiger Film“, meinte er über das in China spielende Drama über einen deutschen Fabrikmanager, der zehntausende Chinesen vor den japanischen Bombenangriffen rettet und mit anderen Helfern eine Schutzzone für Zivilisten organisiert.
Sprachlos dagegen waren kurze Zeit später der Rest der „John Rabe“-Crew. Mit glänzenden Augen rang Produzent Mischa Hofmann um Worte. Am Ende hieß es nur: „Gehen Sie ins Kino, der Film läuft noch, er hat's nötig, wir brauchen das.“
Zweiter großer Gewinner des Abends war „
Wolke 9“, nach den Worten der Laudatoren ein „kleiner deutscher Film“. Das realistisch inszenierte Drama über Sex und heftige Liebe im Alter gewann die Bronzene Lola. Dass mit
Ursula Werner für ihre Hauptrolle als leidenschaftlicher Seniorin und
Andreas Dresen für die beste Regie zwei weitere Preis an „Wolke 9“ gingen, war nicht unerwartet. Mit der Silbernen Lola dagegen landete die Jury der höchstdotierten deutschen Kulturauszeichnung eine Überraschung: Geehrt wurde das traurig-schöne Familiendrama „
Im Winter ein Jahr“ von
Caroline Link.
Der ebenfalls nominierte RAF-Film „
Der Baader Meinhof Komplex“ ging überraschend wieder leer aus. Wie schon bei der Oscar-Verleihung konnte sich der in drei Kategorien nominierte Streifen von
Uli Edel nicht durchsetzen.
Laut gefeiert dagegen wurde der Träger des Ehrenpreises.
Vicco von Bülow alias Loriot brachte gleich zu Beginn richtig Stimmung in die Gala: Der alte Herr bedankte sich für seine Goldene Lola und nannte sie schmunzelnd eine „makellose Schönheit, wie sie in den Armen eines 85-Jährigen nur noch selten anzutreffen ist“.
In geheimer Wahl hatten die inzwischen 1100 Mitglieder der Deutschen Filmakademie die Preisträger bestimmt. Auch der Regisseur
Bernd Eichinger (Produzent des Films „Baader-Meinhof-Komplex“), die Schauspielerinnen
Senta Berger,
Iris Berben und
Veronica Ferres sowie Comedian Michael „Bully“ Herbig hatten Stimmrecht in der Akademie. Durch den Abend im Palais am Berliner Funkturm führte zum zweiten Mal
Barbara Schöneberger, die im extravaganten goldenen Kostüm singend als Trophäe „Lola“ auftrat.
Während Schöneberger keine Peinlichkeit scheuen und keine Nerven zu kennen schien, zeigte sich die erst 23 Jahre alte
Anna Maria Mühe auf dem Roten Teppich neben den Größen des deutschen Films beeindruckt. Aber ihre Nervosität sei „eine schöne Nervosität“ beteuerte sie. In der Kategorie beste Hauptdarstellerin ging Mühe später zwar leer aus. „Aber es ist schon eine Ehre und ein tolles Gefühl, in einem Atemzug mit Ursula Werner und
Johanna Wokalek genannt zu werden“, sagte sie vor der Gala.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte das Jahr 2008 ein fantastisches Jahr für den deutschen Film. International seien deutsche Filme erfolgreich gewesen, fast 34 Millionen Besucher hätten sie in den Kinos gesehen. Doch die Wirtschaftskrise werde auch an der Filmbranche nicht spurlos vorbeigehen, sagte Neumann. Der Staat stehe hier in der Verantwortung. „Kürzungen kommen für mich nicht infrage“, versprach er.
Die diesjährigen Deutschen Filmpreise, die aus seinem Haushalt mit 2,8 Millionen Euro finanziert werden und damit die höchstdotierten deutschen Kulturauszeichnungen sind, dürften nach seinem Geschmack sein. Die große internationale Koproduktion mit deutscher Beteiligung und der kleine deutsche ambitionierte Film wurden bedacht. Der Deutsche Filmförderfonds lockt auch die großen Hollywood-Produktionen bereits nach Deutschland, gleichzeitig soll der deutsche Filmnachwuchs in Berlin, München oder Hamburg seine Chance erhalten.
Alle Gewinner noch einmal in der Übersicht:
Bester Spielfilm:
Goldene Lola (500 000 Euro): „
John Rabe“ von
Florian Gallenberger
Silberne Lola (425 000): „
Im Winter ein Jahr“ von
Caroline Link
Bronzene Lola (375 000): „
Wolke 9“ von
Andreas Dresen
Bester Kinder- und Jugendfilm (250 000): „
Was am Ende zählt“ von
Julia von Heinz
Bester Dokumentarfilm (200 000): „
NoBody's perfect“ von Nico von Glasow
Weibliche Hauptrolle (alle weiteren Preise 10 000 Euro bis auf den undotierten Ehrenpreis):
Ursula Werner („
Wolke 9“)
Männliche Hauptrolle:
Ulrich Tukur („
John Rabe“)
Weibliche Nebenrolle:
Sophie Rois („
Der Architekt“)
Männliche Nebenrolle:
Andreas Schmidt („
Fleisch ist mein Gemüse“)
Regie:
Andreas Dresen („
Wolke 9“)
Drehbuch:
Özgür Yildirim („
Chiko“)
Filmmusik: Niki Reiser („
Im Winter ein Jahr“)
Kamera: Kolja Brandt („
Nordwand“)
Schnitt: Sebastian Thümler („
Chiko“)
Szenenbild: Tu Ju Hua („
John Rabe“)
Kostüme: Lisy Christl („
John Rabe“)
Tongestaltung: Christian Bischoff, Tschangis Chahrokh, Heinz Ebner, Guido Zettier („
Nordwand“)
Ehrenpreis in Gold für die Lebensleistung: Loriot alias
Vicco von Bülow