Peking (dpa) - Das historische Kriegsdrama „
John Rabe“ über einen Deutschen Fabrikmanager, der 1937 in China Zehntausende Menschen vor den japanischen Angriffen rettete, ist bei seiner Premiere in Peking von Kritikern zwiespältig aufgenommen worden.
„Wir hoffen, der Film wird mehr als 100 Millionen Yuan (1,6 Millionen Euro) in die Kino-Kassen bringen“, sagte Gu Yu, Sprecher der chinesischen Verleihfirma über die Produktion, die in China unter dem Titel „Rabe's Diary“ („Rabes Tagebuch“) läuft.
In der regierungsabhängigen Zeitung „China Daily“ beklagte der Berichterstatter Raymond Zhou zu viele „melodramatische Details“ und sagte, „John Rabe“ sei „überfrachtet von political correctness“. „Traurigerweise scheint der Film besessen zu sein von Hitler - da wird der Name des Führers dauernd erwähnt. Das wäre ja noch zu verzeihen, wenn das ganze in Berlin spielen würde“, beschrieb Zhou die chinesische Perspektive: „Rabes Verbindung mit den Nazis wird überbetont und sein Heldentum wird untertrieben.“
Der Film von
Florian Gallenberger war erst am vergangenen Freitag in Berlin mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet worden.
Ulrich Tukur erhielt für seine Leistung in der Titelrolle den Darstellerpreis. In China läuft „John Rabe“ mit 750 Kopien an, das ist einer der größten Starts einer internationalen Produktion in dem Land überhaupt.
Verleiher Gu sagte, Rabes Schutz für rund 250 000 Chinesen in der deutschen Vertretung in Nanjing (Nanking), als die frühere chinesische Hauptstadt im Dezember 1938 im Kriegschaos versank, könnte ein Vorbild für junge Menschen in China und in anderen Ländern dienen. „Er ist nicht bekannt, weder in China, noch weltweit, nicht einmal in Deutschland“, sagte Gu der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Der Film fordert zu mehr Menschlichkeit auf und dazu, dass sich mehr Menschen, vor allem die Jungen, für Geschichte interessieren.“
Die offizielle chinesische Geschichtsschreibung berichtet über „sechs Wochen der Zerstörung, Plünderung, Vergewaltigung und des Mordens“ mit 300 000 Toten im Dezember 1937 und 1938. Zu diesem Bild liefere „John Rabe“ eine wichtige Ergänzung, betonte der Filmkritiker Song Ziwen auf der staatlichen Internetseite Xinmin: „Wir unterstreichen immer, dass 300 000 Menschen umgebracht wurden, aber verdrängen die Tatsache, dass 250 000 geschützt wurden und mit dem Leben davon kamen.“
John Rabe vertrat in China den Elektrikkonzern Siemens, während sich langsam der Zweite Weltkrieg abzeichnete. Als die japanischen Truppen sich Nanjing näherten, setzte sich Rabe unter Einsatz seines Lebens für eine Sicherheitszone für Zivilisten im Botschaftsviertel ein. Er dokumentierte die Ereignisse in seinen Tagebüchern, die später auf Englisch veröffentlicht wurden.
Für einige chinesische Kritiker schneidet der Film im Vergleich mit einem anderen - staatlich geförderten - Werk über das Nanjing-Massaker schlecht ab. „Nanjing! Nanjing!“ von Regisseur
Lu Chuan kam gerade eine Woche vor „Rabes Tagebuch“ heraus. Li Xingwen, Filmkritiker bei der einflussreichen Zeitung „Beijing Youth Daily“ sagte, Gallenbergers Film „richtet seine Aufmerksamkeit zu sehr darauf, Emotionen zu wecken und legt dem Hauptcharakter zu viele gute Worte in den Mund“.