Wayne Kramer: "'Crossing Over' ist nicht mein Film"
Donnerstag, 30.04.2009 | 10:13 Uhr
Filmstarts.de – Regisseur Wayne Kramer ("The Cooler", "Running Scared") distanziert sich in ungewohnt scharfer Form öffentlich von seinem eigenen Film "Crossing Over". Der Kinocut sei nicht sein eigener Film, so der Regisseur. Produzent Harvey Weinstein habe über zwanzig Minuten aus seinem Film entfernt und die Struktur des Episodendramas über illegale Einwanderer geändert. So sei zum Beispiel der komplette Handlungsstrang mit Sean Penn aus dem Film geschnitten worden. Vor allem die sehr intensiven Szenen zwischen Penn und Alice Braga ("Die Stadt der Blinden") seien komplett der Schere zum Opfer gefallen. Braga ist immerhin noch in wenigen Szenen am Anfang und am Ende des Films zu sehen. Die Sexszenen seien in der Kinoversion nun ziemlich bedeutungslos, die Dialoge seien entschärft worden. Der Geschichte um Jim Sturgess ("Across The Universe", "21") und Alice Eve ("Starter For 10") fehle nun die Auflösung.
Der Film, den er inszeniert habe, sei um ein vielfaches mutiger und deutlicher gewesen als das, was im Kino zu sehen ist. Wobei, so Kramer weiter, ein US-Zuschauer ja schon Glück gehabt haben muss, wenn er diesen Film auf der Kinoleinwand zu Gesicht bekommen habe. Wer nicht in Los Angeles oder New York wohnt, habe wahrscheinlich nicht einmal mitbekommen, dass der Film in den Kinos gestartet sei. Und selbst in den beiden Städten habe man es wahrscheinlich nicht mitbekommen.
Kramer echauffiert sich aber nicht nur über seine schlechten Erfahrungen in der Post-Production und dass Harvey Weinstein den Film ohne Marketing in den Kinos versenkt hat, sondern vor allem darüber, dass seine Version dem Zuschauer gänzlich vorenthalten wird. Er dürfe nicht einmal den Director’s Cut auf DVD veröffentlichen, so Kramer.
Kramer kündigte zudem an, dass er mit der Weinstein Company nichts mehr zu tun haben wolle. Er werde sich auch ganz sicher nicht an der Herstellung von Extras für eine DVD oder Blu-Ray Veröffentlichung des Kinocuts beteiligen. Man solle also keinen Audiokommentar von ihm erwarten. Er sei bereit für die Produktion von Extras zur Verfügung zu stehen, wenn sein Director’s Cut veröffentlicht wird. Aber er glaube, dass interessiere Harvey Weinstein gar nicht. Kramer fordert zudem die Zuschauer auf, sich mit E-Mails bei der Weinstein Company zu beschweren und um die Veröffentlichung des Director’s Cut nachzusuchen.
Harvey Weinstein gehört zu den umstrittensten und erfolgreichsten Independent-Film-Produzenten der USA. Er trägt aufgrund seiner eigenmächtigen Umschnitte von Filmen den Spitznamen Harvey Scissorhands. Weinstein ist unter anderem auch berüchtigt dafür, europäische und asiatische Filme einzukaufen und für den US-Markt zurecht zu schneiden und neu zu vertonen. Der schwergewichtige und leicht erregbare Filmproduzent hat auch mehrfach schon dafür gesorgt, dass Filme floppen, nur um Regisseure, mit denen er in der Post-Produktionsphase aneinander geriet, zu bestrafen. Zu den Erfolgen des Produzenten gehören Filme wie "Pulp Fiction", "Der englische Patient", "Shakespeare in Love" und "Scary Movie".
"Crossing Over" mit Harrison Ford, Ray Liotta, Ashley Judd und Lizzy Caplan kommt in Deutschland am 25. Juni in die Kinos.






Chris O.