Cannes (dpa) - Knappe Shorts und Kleider, beeindruckend hohe Absätze und viel nackte Haut: Wenn es nicht gerade regnet, zeigen die Schönheiten auf den Straßen von Cannes offen ihre Reize.
Wie anders mutet da die Zartheit und strenge Zurückhaltung in dem Film „
Bright Star“ an. Die neuseeländische Regisseurin
Jane Campion begibt sich auf die Spuren des britischen Dichters John Keats und schildert eine flammende, tragische Liebe im prüden 19. Jahrhundert.
Es sind oft die leisen Filme, die im Trubel von Cannes eine besondere Kraft entfalten. Campion, die hier vor 16 Jahren mit „
Das Piano“ als einzige Frau bisher die Goldene Palme gewonnen hat, setzt das unziemliche Begehren zweier ganz besonderer Menschen in der viktorianischen Gesellschaft in sagenhaft schöne Bilder um.
Der englische Poet John Keats (1795-1821, gespielt von
Ben Whishaw aus „
Das Parfum“) war vor seinem frühen Tod an Tuberkulose zwei Jahre lang in Fanny Brawne (
Abbie Cornish) verliebt. Die junge Frau, die sich ihre Wartezeit auf den richtigen Mann mit kreativem Nähen vertrieb, lebte zeitweilig mit ihrer Familie sogar mit ihm unter einem Dach. Doch eine Heirat war unmöglich, weil Keats kein Geld hatte und seine Gedichte kaum Anerkennung fanden.
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Campion lädt die Bilder dieser hoffnungslosen Hingabe, die durch Keats' Krankheit noch schmerzhafter wird, sinnlich auf: Die romantischen und philosophischen Gedichte finden ihren Widerhall im Licht, in den wechselnden Farben der Natur, der Textur von Kleiderstoffen und Momenten innigster Nähe. Ein Frauenfilm? „Natürlich“, sagte die Regisseurin in Cannes. „Ich kann doch nicht anders. Ich sehe die Welt durch meine Augen und kann nicht aus meiner Haut.“ Um den richtigen, frechen Ton der jungen Fanny zu finden, habe sie sich allerdings Unterstützung bei ihrer Tochter Alice (13) geholt „Ich bin nicht wirklich witzig“, sagte Campion.
Eher für Männer gemacht ist „
Thirst“ (Durst), mit dem der südkoreanische Regisseur
Park Chan-wook das Genre des Vampirfilms neu erfinden wollte. Er lässt einen Priester durch ein medizinisches Experiment zum unsterblichen Blutsauger mit Superkräften werden. Doch der Mann will sich nicht ganz seinen neuen Trieben hingeben. Er süffelt den Lebenssaft ganz brav per Infusionskanüle aus einem Koma-Patienten im Krankenhaus und ist fest entschlossen, seinen moralischen Prinzipien treu zu bleiben. Er scheitert - zumindest bei der Einhaltung des Zölibats. Und die Frau, die er zu seiner Vampir-Gefährtin macht, überlässt sich voll und ganz ihrem bösen Verlangen.
Naturgemäß spielt Blut in „Thirst“ eine besondere Rolle. Es wird gesaugt und schwallartig gespuckt, es spritzt aus Wunden, schwillt unter blauen Flecken und pulsiert unter dünner Haut. Park Chan-wook inszeniert das durchaus unterhaltsam mit einer klugen Mischung aus Schock und Ironie. Doch letztlich variiert sein Film nur ein altbekanntes Thema: Der Mann ist stark und an höhere Werte gebunden, schwach wird er nur bei der Frau, die ihn verführt und manipuliert.