Frankfurt/Main (dpa) - Wenn
Matthias Schweighöfer durch Frankfurt schlendert, wird er nur selten angesprochen. „In Frankfurt erkennt einen keiner. Das ist lustig. In Berlin ist das ganz anders“, erzählt der Schauspieler, der erst vor kurzem als Marcel Reich-Ranicki („
Mein Leben“) zu sehen war.
„In Berlin gehe ich immer etwas geduckter, weil die Leute auch gucken. Ich glaube, die Frankfurter hängen wahnsinnig viel am Telefon“, sagt der 28-Jährige, der wegen der Dreharbeiten für einen hr-„Tatort“ derzeit mit seiner Freundin Ani Schromm und der wenige Wochen alten Tochter Greta in Frankfurt-Sachsenhausen wohnt.
Für das Team des hr-„Tatorts“ sind Schweighöfers („Operation Walküre“, „Der Rote Baron“) Beobachtungen typisch. Die Frankfurter seien „extrem cool“ und bemüht wegzugucken, wenn sie bekannte Schauspieler etwa abends in einem Restaurant träfen, heißt es im Stab. Schweighöfer sagt: „Ich finde es lustig zu beobachten, wie unterschiedlich das in den Städten ist. Das erzählt auch viel über die Menschen.“
Er genieße die Zeit in der geschäftigen Metropole. „Ich kann einen Film drehen, habe meine Familie und einen meiner allerbesten Freunde hier.“ Damit ist der Theater- und Filmschauspieler Milan Peschel (40) gemeint, der wie Schweighöfer hauptsächlich in Berlin lebt. Der gebürtige Ost-Berliner Peschel - für den Frankfurt „sehr bundesrepublikanisch westdeutsch ist“ - hat seinen Kumpel zum „Tatort“ nach Frankfurt gebracht. „Milan hat mir gesagt, dass er dreht, und dass der (Regisseur) Florian Schwarz es sich wünschen würde, dass ich mitspiele. Und dann hab ich das Buch gelesen und fand es super“, meint Schweighöfer.
In dem Buch erzählt Michael Proehl eine Reihe mysteriöser Morde im Umfeld zweier Familien. „Es geht um einen jungen Typ, der ganz früh einsam geworden ist und nach seiner Identifikation im Leben sucht“, beschreibt Schweighöfer seine Rolle.
„Milan und ich arbeiten seit drei Jahren eigentlich permanent zusammen. Mit ihm spielen zu können, ist echt ein Geschenk.“ „Tatort“-Fans sind beide aber nicht. „Ich gucke nie "Tatort". Das liegt aber auch daran, dass ich ganz wenig Fernsehen schaue“, sagt Schweighöfer. „Ich gehe lieber ins Kino oder schau eine DVD oder lese“, erzählt er. „Es gibt zu wenig gute Sachen im Fernsehen.“
Der „Tatort“ mit dem Arbeitstitel „Weil alle böse sind“ breche mit vielen Konventionen des Genres, kündigt Regisseur Schwarz an. Der Film, in dem die Kommissare Dellwo und Sänger (Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki) lange Zeit im Dunkeln tappen, werde ähnlich polarisieren wie sein „Tatort“-Debüt „Waffenschwestern“, ebenfalls nach einem Buch von Proehl. Noch bis 5. Juni wird in Frankfurt und Umgebung gedreht, voraussichtlicher Sendetermin ist Februar 2010.
Schweighöfer fliegt zwischendurch nach Berlin, wo er mit Til Schweiger „
Zweiohrküken“ dreht, den Nachfolger der Erfolgskomödie „
Keinohrhasen“, der am 17. Dezember in die Kinos kommen soll. Auf der Leinwand ist der 28-Jährige in den nächsten Monaten auch noch in „Friendship“ über den Fall der Mauer (Kinostart 5. November) und als bester Freund des Piraten Klaus Störtebeker („Zwölf Meter ohne Kopf“) zu sehen. Daneben schreibe er an seinem ersten Drehbuch, das 2010 verfilmt werden soll. Es erzähle die Geschichte zweier Brüder und ihrer Frauen aus der Musical-Branche, „die sich mit Anfang 30 so orientieren. Das wird sehr lustig“, verspricht Schweighöfer.
Nach den Dreharbeiten zu „Zweiohrküken“ Anfang Juli will der Vielbeschäftigte erstmal mit Freundin und Tochter Urlaub machen, „vielleicht in der Toskana oder der Provence und ein bisschen schwimmen“. Bei seiner Arbeit werde die Familie auch künftig mitreisen. „Wir bleiben zusammen“, sagt Schweighöfer. „Wenn wir nicht arbeiten, sind wir sowieso in Berlin.“