Filmstarts – Als im Mai im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes
Robert Zemeckis,
Jim Carrey,
Colin Firth und
Robin Wright Penn erste Ausschnitte aus dem kommenden Disney-Weihnachtsfilm "
A Christmas Carol In Disney Digital 3D" präsentierten, stieß vor allem das Drumherum auf ein großes Medienecho. Die Produzenten verwandelten kurz vor Sommerbeginn den Prachtboulevard Croisette in eine einzige große Schneelandschaft. Das sah natürlich bombastisch aus, war medienwirksam, überlagerte aber die Berichterstattung über den Film so sehr, dass man nach Meinungen zu den gezeigten Ausschnitten fast mit einer Lupe suchen musste.
Anlässlich der Pressevorführung des neuen Disney/Pixar-Hits "
Oben" bekamen nun auch die in Cannes abwesenden Journalisten erste bewegte 3D-Bilder nebst ein paar Statements von Regisseur, Produzent und Darstellern zu sehen. Ohne Schneelandschaft war der Blick auf das Wesentliche, nämlich den Film, plötzlich frei.
Wie schon in "
Der Polarexpress" und "
Die Legende von Beowulf" setzt "
Forrest Gump"-Regisseur Zemeckis auf das Performance-Capture-Verfahren und überträgt Mimik und Gestik seiner Darsteller auf animierte Ebenbilder. Gerade in 3D sieht das ungemein beeindruckend aus. Wenn Carreys Ebenezer Scrooge seine knochigen Finger in Richtung Publikum streckt, raunt ein freudiges "Ahhhh" durch den Raum. Doch die Überwältigung legt sich bald. Zemeckis wiederholt diesen eindringlichen Moment in der kurzen Szenenfolge, die der Presse gezeigt wurde, bereits mehrfach, was unweigerlich Abnutzungserscheinungen mit sich bringt.
Bei "Die Legende von Beowulf" wurde zu Recht die kaum vorhandene Geschichte kritisiert, ein Problem, das Zemeckis hier nicht haben sollte. Schließlich diente ihm Charles Dickens berühmte Weihnachtsgeschichte, die bereits mehrfach fürs Kino adaptiert wurde ("Die Geister, die ich rief…", "Die Muppets Weihnachtsgeschichte"), als Vorlage - und die ist nun mal eine Klasse für sich. Aber es scheint, als wüsste Zemeckis damit nicht allzu viel anzufangen, worauf auch die völlig überzogene Darstellung von Jim Carrey hindeutet.
Natürlich kann dies nur ein erster Eindruck sein, basierend auf ein paar wenigen Minuten. Aber vieles deutet darauf hin, dass "A Christmas Carol In Disney Digital 3D" einer dieser 3D-Filme ist, die sich lediglich an ihrer Technik ergötzt. Wie es deutlich besser geht, bewiesen anschließend mal wieder die Macher von Pixar: Bei "Oben" ist die Technik einfach da, sorgt für atemberaubende Bilder, drängt sich aber nie in den Vordergrund. Pixar setzt die Technik nicht ein, um mit ihr zu protzen, sondern um eine gute Geschichte zu erzählen. So sollte die Zukunft des Kinos aussehen!