Filmstarts – Unter dem Motto "PLAY IT AGAIN …!" steht die Retrospektive der 60. Berlinale, die vom 11. bis zum 21. Februar stattfindet. Mit diesem Streifzug durch 60 Jahre Berlinale-Vergangenheit soll die Retrospektive Entdeckungen von einst auf die große Leinwand zurück bringen und exemplarisch Schlaglichter auf die Entwicklung des Festivals werfen: von den ersten Dekaden, die im Zeichen des Kalten Kriegs standen, über die Öffnung für Filme aus sozialistischen Ländern bis hin zum Ende der politischen Teilung Europas, das das Festival vor rund 20 Jahren aus dem Balanceakt zwischen kultureller Offenheit und politischer Einflussnahme befreite. In den 1980er und 90er Jahren hatte sich die Berlinale als Plattform für das osteuropäische und asiatische Kino etabliert und in jüngster Vergangenheit stellte sie verstärkt deutsche Filme gleichberechtigt neben internationale Produktionen. All dies soll die Retrospektive mit rund 40 Filmen aus den Sektionen Wettbewerb, Forum, Panorama sowie Generation abdecken.
Zusammengestellt hat das Programm der britische Filmkritiker David Thomson:
"Ein Festival wie die Berlinale zeigt, wie umstrittene Filme von gestern zu den Klassikern von heute wurden. Daneben stelle ich Filme, die auch heute noch überraschen und provozieren, und freue mich auf angeregte Diskussionen in Berlin”, kommentiert der in den USA lebende Kurator seine Auswahl.
Gezeigt werden Filme aus den Pionierjahren des Festivals wie "Der verbotene Christus" von Curzio Malaparte, "Fräulein Julie" von Alf Sjöberg und "Einmal wirklich leben" von
Akira Kurosawa bis hin zu Filmen aus der jüngsten Dekade wie Niels Arden Oplevs "
Der Traum" oder Paul Thomas Andersons "
Magnolia", der 2000 mit einem Goldenen Berliner Bären ausgezeichnet wurde. Zu den Highlights zählen sicher auch "
Außer Atem" von
Jean-Luc Godard und Nagisa Oshimas "Im Reich der Sinne", der 1976 für großes Aufsehen sorgte. Nach der ersten Vorstellung des Films wurde die Kopie von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, und gegen den Leiter des Internationalen Forums des Jungen Films, Ulrich Gregor, wurde Anklage wegen "Verbreitung von Pornographie" erhoben.
Ebenfalls für Aufruhr sorgte 1979 Michael Ciminos Antikriegsdrama "
Die durch die Hölle gehen". Als der Film trotz sowjetischen Protests im Wettbewerb gezeigt wurde, zogen mehrere sozialistische Länder ihre Filme aus dem Programm zurück, und ihre Delegationen reisten ab.
Zu David Thomsons Auswahl gehören auch Höhepunkte des europäischen Autorenkinos wie Werner Herzogs Spielfilmdebüt "
Lebenszeichen" und Alain Tanners melancholisch-subtiler Film "In der weißen Stadt" sowie cineastische Glanzpunkte aus Asien wie Zhang Yimous "Rotes Kornfeld", der 1988 als erster Film aus der Volksrepublik China zu internationalen Festivalehren kam und mit einem Goldenen Berliner Bären ausgezeichnet wurde.
Das komplette Filmprogramm der Retrospektive PLAY IT AGAIN …! wird Mitte Januar auf www.berlinale.de und www.deutsche-kinemathek.de veröffentlicht.
Die Filmvorführungen der Retrospektive finden im CinemaxX am Potsdamer Platz und im Zeughauskino statt. Das Filmprogramm wird durch eine Veranstaltungsreihe in der Deutschen Kinemathek ergänzt. Das Buch zur Retrospektive mit einem einleitenden Essay von David Thomson und zahlreichen Fotos erscheint als zweisprachige Ausgabe (deutsch und englisch) der Reihe "FilmHeft” im Berliner Verlag Bertz + Fischer. Ein umfangreicher Datenteil dokumentiert die zur Aufführung kommenden Filme mit detaillierten filmografischen Angaben und zeitgenössischen Festival-Kritiken. Die Retrospektive und die Publikation werden von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen verantwortet.
Quelle: Berlinale, Pressemitteilung