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    Zum Tod von James Horner: Darum ist "Aliens" schuld, dass es den legendären "Titanic"-Soundtrack fast nicht gegeben hätte
    Von Woon-Mo Sung — 23.06.2015 um 15:51
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    Die berühmteste Filmmusik des gestern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Komponisten James Horner ist die zu „Titanic“. Aber das war nicht die erste Kollaboration mit James Cameron: 1986 lief es bei „Aliens“ noch nicht so gut…

    20th Century Fox
    Komponist James Horner und Regisseur James Cameron haben drei Filme zusammen gemacht – darunter mit „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ und „Titanic“ die zwei erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Dazu kommen noch zwei Oscars bei vier Nominierungen für die beste Musik und den besten Song – von etlichen weiteren Preisen wie Golden Globes und Grammys mal ganz zu schweigen. Aber als sich die Wege der beiden 1986 zum ersten Mal kreuzten, schien eine solch fruchtbare Zusammenarbeit noch in weiter Ferne…

    Damals steckte Cameron gerade mitten in der Arbeit an „Aliens – Die Rückkehr“, der Fortsetzung zu Ridley Scotts Weltraumhorror-Klassiker „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“. Als Horner zu dem Projekt hinzustieß, ging er davon aus, dass der Film eigentlich schon weitestgehend fertiggestellt sei und er somit direkt mit dem Komponieren der Musik beginnen könne. Doch das war nicht der Fall: Cameron und sein Team hingen dem Zeitplan deutlich hinterher und waren immer noch am Drehen und Schneiden. Mit sechs Wochen hätte Horner ursprünglich genug Zeit für seine Arbeit gehabt, doch dann verstrichen drei Wochen allein mit Besuchen am Set und im Schneideraum, ehe Horner auch nur eine einzige Note zu Papier bringen konnte.

    (nach ungefähr 3 Minuten geht hier die Post ab)


    Die Zeit wurde knapper und knapper und Horner bekam den Film einfach nicht in einer auch nur annähernd fertigen Schnittfassung zu sehen. Zudem war der Komponist der Auffassung, dass sich sein Regisseur viel zu sehr mit der Arbeit an den Soundeffekten aufhalte – zwei ganze Tage soll Cameron allein mit dem Geräusch der Pulsgewehre beschäftigt gewesen sein. Zu der fehlenden Kommunikation und mangelnden Unterstützung kam dann noch ein völlig veraltetes Aufnahmestudio als weiteres Hindernis dazu: Die Abbey Road Studios hatten damals schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel und hatten kaum modernes elektronisches Equipment, nicht einmal ein Synthesizer ließ sich in dem Studio anschließen.

    Sechs Wochen vor dem geplanten Kinostart hatte Horner immer noch keine Musik geschrieben, weshalb er Cameron und die damals mit Cameron verheiratete Produzentin Gale Anne Hurd bat, den Film doch bitte um vier Wochen zu verschieben. Aber weil insbesondere Hurd keinerlei Erfahrung mit Musikproduktionen hatte und deshalb nicht einschätzen konnte, was da alles noch zu tun ist, wurde die Bitte kurzerhand abgelehnt. Für Horner begann damit eine nervenaufreibende Zeit voll durchgearbeiteter Nächte und weiteren Rückschlägen. So komponierte er beispielsweise ein Stück zum finalen Kampf zwischen Ripley (Sigourney Weaver) und der Alien-Königin über Nacht. Aber weil Cameron die Szene später noch einmal komplett neu schnitt, musste auch Horner wieder von vorne anfangen. Als er endlich mit dem Komponieren fertig war, wurde die komplette Musik für den Film in nur vier Tagen aufgenommen.



    Mit der eingereichten Musik war zwar Horners Arbeit erledigt, aber die Rückschläge gingen weiter: Weil „Aliens“ während der Musikproduktion immer noch geschnitten wurde, passten die komponierten Stücke am Ende nicht mehr optimal zu den entsprechenden Bildern. Cameron blieb deshalb gar nichts anderes übrig, als zusätzliche Musik aus anderen Filmen mit einzubauen und Horners Kompositionen teilweise stark zu verändern – inklusive Kürzungen, Wiederholungen, Umstellungen oder Auslassungen. Das Ende vom Lied: Horner erhielt zwar die erste Oscarnominierung seiner Karriere, war aber so unglücklich über die Zusammenarbeit mit Cameron, dass er eine weitere Kollaboration nicht mehr für möglich hielt.



    Aber die Zeit heilt ja zum Glück alle Wunden. Und weil ihn Horners oscarnominierter Score zu „Braveheart“ so sehr beeindruckte, holte Cameron den Komponisten zwei Jahre später für sein Kreuzschiff-Epos „Titanic“ mit ins Boot. Der Rest ist Filmgeschichte und Horners „Titanic“-Komposition avancierte mit mehr als 30 Millionen verkauften Exemplaren zum meistverkauften orchestralen Soundtrack aller Zeiten. Und dann folgte 23 Jahre später nach „Aliens“ auch noch ein weiteres gemeinsames Sci-Fi-Projekt mit dem Titel „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ – mit einem Einspielergebnis von mehr als 2,7 Milliarden Dollar bis heute der einzige Film, der noch mehr Geld in die Kinokassen spülte als „Titanic“.




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