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    Falsches Gerücht: Darum kostete Daniel Craigs Modewahn die "Skyfall"-Produzenten wohl keine Millionen!
    Von Julius Vietzen — 04.07.2016 um 16:58
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    Eine Anekdote vom „Skyfall“-Dreh besagt, dass Daniel Craig irgendwann plötzlich Handschuhe trug, die dann später für teures Geld – und mit bescheidenem Ergebnis – digital entfernt werden mussten. Doch stimmt diese Behauptung?

    Sony Pictures Germany
    Vergangene Woche postete der Filmkritiker und Regisseur Charlie Lyne auf seinem Twitter-Account zwei Videos, in denen er eine ihm zugetragene Anekdote vom den Dreharbeiten zu „James Bond 007 – Skyfall“ erzählte: Ein unmotivierter Daniel Craig ging an seinen drehfreien Tagen gerne shoppen und brachte von einer dieser Shopping-Touren ein Paar Lederhandschuhe mit, die er als 007 unbedingt tragen wollte. Der vom Dreh genervte Regisseur Sam Mendes hatte nichts dagegen einzuwenden und so trug der James-Bond-Darsteller die Handschuhe schließlich während der Szene im Casino in Macao. Was Mendes jedoch vergessen hatte und ihm erst im Schneideraum auffiel: Bond kann mit den Handschuhen seine Pistole gar nicht benutzen, die ja dank Handabdruck-Scanner nur in seinen (nackten) Händen funktioniert. Ein Nachdreh wäre unbezahlbar gewesen, also musste die Szene angeblich für eine immer noch stattliche Summe digital nachbearbeitet werden, um die Handschuhe zu entfernen. Aber seht selbst:




    Eine großartige Geschichte – doch wie die Kollegen von Birth.Movies.Death. ganz richtig feststellen, ist an dieser Story einiges faul: Weder Daniel Craig noch Sam Mendes waren - nach allem was wir wissen - beim Dreh von „Skyfall“ unmotiviert oder überfordert (diese Gerüchte machten erst bei „Spectre“ die Runde) und so scheint es auch nicht nachvollziehbar, dass Craig auf die Idee kommen könnte, zu einem teuren Smoking Lederhandschuhe anzuziehen, oder dass ein Regisseur wie Mendes das einfach durchwinken würde – von der zuständigen Kostümdesignerin Jany Temime ganz zu schweigen.

    Doch man muss gar keine solchen Überlegungen zum Dreh bemühen, um Lynes Geschichte zu entkräften. Dazu reicht es, sich die entsprechende Szene im Casino einfach anzuschauen:

     

    Dass Bonds Hände in dieser Szene künstlich oder unförmig aussehen, wie Lyne behauptet, stimmt einfach nicht. Und noch dazu benutzt Bond seine Pistole in dieser Szene nicht einmal. Er schwingt einen Koffer als Waffe und prügelt sich mit einem kräftig gebauten Handlanger, aber zieht seine Walter PPK/S nie aus dem Holster. Lediglich sein Gegner hat die Waffe an einer Stelle in der Hand, die dann natürlich auch nicht funktioniert. Eine digitale Nachbearbeitung dieser Szene wäre also völlig überflüssig gewesen.

    Jedoch stimmt es laut Birth.Movies.Death. durchaus, dass Daniel Craig einen exquisiten Modegeschmack hat und gelegentlich selbstgewählte Kleidungsstücke zu James Bonds Garderobe beisteuerte. Und es gibt außerdem eine Szene, in der Daniel Craigs Geheimagent Lederhandschuhe trägt, nämlich die kurz zuvor angesiedelte Szene mit dem Attentäter Patrice (Ola Rapace) in Shanghai. Könnte Charlie Lyne (oder die Person, die ihm diese Geschichte erzählt hat) also einfach von der falschen Szene reden?

    Die Szene in Shanghai beginnt mit Bond, der seine Handschuhe auszieht, um zu überprüfen, ob seine neue Pistole denn auch funktioniert:

     

     

    Auch für den Rest dieses Filmausschnitts bleiben die Handschuhe ausgezogen. Und während sich Bond an Patrice anschleicht, trägt er die Pistole ebenfalls in den unbedeckten Händen:

     

    Interessant wird es ab 0:48. Hier steckt 007 nämlich die Pistole wieder ein – und danach sieht man die Hände erst mal eine Weile nicht. Sobald sie aber das nächste Mal im Bild sind (bei 1:40) sieht es bereits so aus, als würde er Handschuhe tragen, mit hundertprozentiger Sicherheit sieht man es dann bei 2:29. Hat Lyne also doch Recht? Haben die Produzenten bis hierhin für teures Geld die Lederhandschuhe digital entfernen lassen? Wohl eher nicht. Denn auch in dieser Szene entsteht dadurch, dass Bond Handschuhe trägt, kein dramatisches Handlungsloch, dass dem Film das Rückgrat bricht. Auch hier benutzt Bond seine Pistole nämlich überhaupt nicht, ganz im Gegenteil: Er steckt sie bewusst wieder weg und versucht dann, Patrice ohne Waffe zu überwältigen. Er will den Killer schließlich nicht von seinem Attentat abhalten, er will einfach nur Informationen von ihm – und dazu braucht er ihn lebend!

    Dass Bond zuerst keine Handschuhe trägt und dann auf einmal doch, ist wohl viel eher einem einfachen Anschlussfehler geschuldet, wie er in jedem Film vorkommt. An einem Drehtag trug Daniel Craig die Handschuhe, am nächsten dann nicht mehr – und das wurde bei den Dreharbeiten schlicht übersehen. Fazit: Viel Lärm um nichts.

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