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    "BFG - Big Friendly Giant": Der FILMSTARTS-Familientipp zum Wochenende!
    Von Rochus Wolff — 21.07.2016 um 15:00
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    In seiner 14-täglichen FILMSTARTS-Kolumne macht Rochus Wolff Vorschläge für den nächsten Familien-Filmabend - und zwar nicht nur aus der Perspektive eines Filmkritikers, sondern vor allem auch mit seiner Erfahrung als zweifacher Familienvater.

    Im Land der grünen Riesenfürze


    Constantin Film Verleih
    Ich habe Roald Dahl zuerst im Englischunterricht kennengelernt, weil unser Lehrer es genoss, uns vor den Ferien die sehr schwarzhumorigen Kurzgeschichten vorzulesen, für die der Autor in Deutschland am bekanntesten ist: „Küsschen, Küsschen“ und wie die Bände alle heißen. Dass Dahl auch viele Kinderbücher geschrieben hat, ist mir hingegen erst viel später aufgefallen, als ich nach Büchern suchte, die ich meinen eigenen Kindern vorlesen könnte. Aber auch in diesen sehr charmanten Büchern dringt immer etwas von dem Dahlschen Schalk, seiner Freude an kleinen Gemeinheiten durch – von seinem Sprachwitz und seiner Fabulierlust ganz zu schweigen. Sein „The BFG“, hierzulande als „Sophiechen und der Riese“ nicht allzu bekannt, gehört in Großbritannien gewissermaßen zum Kinderbuchkanon. Nun hat sich Steven Spielberg des „Big Friendly Giant“ angenommen, ein sehr amerikanischer Regisseur mit einer ganz eigenen Weise, Geschichten für Kinder zu erzählen – und das vor allem auch mit hohem technischen Aufwand. Die riesenhafte Titelfigur jedenfalls ist zwar mittels Motion Capture am Computer entstanden, aber Mark Rylance (Oscar für „Bridge Of Spies“) verleiht ihr nicht nur ihre Mimik, sondern auch eine Seele. Aus der Kombination Dahl/Spielberg entsteht ein abenteuerlicher, lustiger, insgesamt ziemlich gelungener Film, der nur dann immer wieder kurzzeitig irritiert, wenn Dahls britisches Understatement und die pompöse Hollywood-Inszenierung allzu offensichtlich aufeinanderprallen.

    Constantin Film Verleih
    Die kleine Sophie lebt in einem Waisenhaus, das in diesem idealisierten England der 1980er Jahre (von Margaret Thatcher nur vage Spuren) wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Und weil Sophie nachts wach und recht neugierig ist, wird sie alsbald vom freundlichen Riesen geschnappt und ins Land der Riesen gebracht. Er hat Angst, sie könne der Welt von seiner Existenz erzählen, dann ginge die Jagd los. Gefährlich ist dieser „BFG“ (der auch in der deutschen Synchronisation irritierenderweise immer Englisch ausgesprochen wird) nicht, aber seine noch riesenhafteren Kameraden dafür umso mehr: Das sind nämlich allesamt Menschenfresser, die Nacht für Nacht in die Menschenwelt ziehen und dort Kinder stehlen…



    Constantin Film Verleih
    So ganz ohne Angstmomente und Grusel kommt „BFG – Big Friendly Giant“ also nicht aus – und besonders in diesen finden Dahls Düsternis und Spielbergs Händchen für Abenteuergeschichten sehr trefflich zueinander. Als am Schluss – wie in der Vorlage - britische Soldaten in den Kampf gegen die bösen Riesen ziehen, wirkt das zunächst im Vergleich zum Rest des Films unpassend martialisch inszeniert – aber zum Glück endet die Situation trotzdem nicht in einer bloßen Actionfilmschießerei, stattdessen findet Spielberg schnell zu einem passenden Kinderfilmton zurück, ohne dass sich deshalb gleich alle Konflikte in Wohlgefallen auflösen würden.

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    Zwischendrin gibt es auch allerlei Beglückendes zu entdecken: Denn die Welt der Riesen ist für Sophie ja nicht nur beängstigend und gefährlich, sondern vor allem fremd und aufregend. Der BFG spricht seltsam, nutzt eine (britisch-rote) Telefonzelle als Behälter für seine Kaffeebohnen, ein aufgespanntes Zirkuszelt dient als Regenschirm – und sein Lieblingsgetränk Blubberwasser macht lustige, grün leuchtende Fürze. Im geheimen Versteck hinter dem Wasserfall sammelt der Riese die Träume, die er den Kindern bringt – und wie er Sophie beibringt, Träume zu fangen, ist ein einziges großes, zauberhaftes Fantasiespektakel.

    In diesen Kinos läuft „BFG - Big Friendly Giant“ am kommenden Wochenende.


    Rochus Wolff, Jahrgang 1973, ist freier Journalist und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im Grundschulalter in Berlin. Sein Arbeitsschwerpunkt ist der Kinder- und Jugendfilm; seit Januar 2013 hält er in dem von ihm gegründeten Kinderfilmblog nach dem schönen, guten und wahren Kinderkino Ausschau.
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