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    Ist "Halcyon" die Zukunft des Fernsehens? Wir verraten euch, wie gut das Virtual-Reality-Konzept der Hybrid-Serie funktioniert
    Von Markus Trutt — 22.09.2016 um 14:05
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    Mit „Halcyon“ feiert am heutigen 22. September 2016 ein ganz besonderes Serienprojekt beim Pay-TV-Sender Syfy Premiere. Wir hatten die Chance, in die Hybrid-Serie reinzuschauen und verraten euch, ob das Format eine TV-Revolution einleiten könnte.

    Syfy
    Filme (bzw. Serien) und Videospiele stehen seit Jahren in unterschiedlichsten Wechselwirkungen zueinander. Während sich viele Games über die Jahre die Ästhetik von Filmen zunehmend zu Nutze machten, hat wiederum die Filmwelt das Computerspiel-Medium als gelegentlichen Quell für thematische und strukturelle Anleihen für sich entdeckt. Hin und wieder gibt es gar Bemühungen, den Filmkonsum mit verschiedenen Mitteln (inter)aktiver zu gestalten, um so den Zuschauer noch stärker einzubinden. Auf diesem Wunsch fußt nun auch das ambitionierte Konzept der neuen Syfy-Serie „Halcyon“.

    Die Produktion wird von Senderseite als Hybrid-Serie bezeichnet, was in diesem Fall bedeutet, dass „Halcyon“ aus zehn herkömmlichen Folgen und fünf ergänzenden Virtual-Reality-Episoden besteht, die in einer virtuellen Umgebung stattfinden und über eine eigens programmierte „Halcyon“-App der VR-Brillen Oculus Rift und Samsung Gear VR geschaut oder vielmehr erlebt werden können.

    Auch inhaltlich steht die Serie ganz im Zeichen der aktuell wieder boomenden Virtuellen Realität. Erzählt wird von der Zukunft des Jahres 2040, in der Ausflüge in die Virtual Reality mittlerweile fest zum Alltag der Menschen gehören. Blake Creighton (Michael Therriault), Chef des weltweit erfolgreichsten VR-Unternehmens Halcyon, hat den Zugang zu den künstlichen Welten enorm vereinfacht, indem er die sperrigen VR-Brillen durch Neuro-Implantate ersetzt hat, die direkt Einfluss auf die Sinne ihrer Träger nehmen. Doch gerade als er ermöglichen wollte, dass auch Berührungen in der virtuellen Umgebung spürbar werden, wird Creighton umgebracht. Detective Jules Dover (Lisa Marcos) und die künstliche Intelligenz Asha (Harveen Sandhu) übernehmen die Ermittlungen in dem rätselhaften Fall – unterstützt vom Zuschauer selbst.

    Syfy
    Detective Jules Dover (Lisa Marcos, r.) und die künstliche Intelligenz Asha (Harveen Sandhu, l.)
    So handelt es sich bei den erwähnten Virtual-Reality-Sonderfolgen nicht etwa um automatisch ablaufende Serienepisoden, in denen sich der Zuschauer einfach nur frei umsehen kann (wie etwa in 360°-Promo-Videos zu Filmprojekten wie „Conjuring 2“), sondern vielmehr um einzelne Mini-Videospiele. Wir hatten die Gelegenheit, uns einen Eindruck von dem ersten dieser Einschübe zu verschaffen. Während in der ersten regulären Folge der Mord an Blake Creighton stattfindet, gilt es in der direkt daran anknüpfenden ersten VR-Episode, den Tatort selbst nach Spuren abzusuchen. Das erinnert zunächst einmal durchaus positiv an Videospiel-Adventures, doch gestaltet sich das Vorankommen als wenig anspruchsvoll.

    Unter der ständigen Anleitung durch die beiden Hauptfiguren Jules und Asha müssen lediglich bestimmte, klar definierte Punkte abgearbeitet werden. Abgesehen von der freien Bewegung innerhalb eines begrenzten (und recht kargen) Raums gibt es nicht viel auszuprobieren oder zu entdecken. Das neuartige Spektakel an sich ist hier die Hauptattraktion, die eigentlichen Möglichkeiten darin aber eher dürftig. Doch birgt allein das ungewohnte Agieren innerhalb einer Serienhandlung definitiv einen besonderen Reiz, der in der Tat ein etwas tieferes Eintauchen in die geschaffene Welt ermöglicht.

    Syfy
    Tatort-Untersuchung in der Virtuellen Realität
    Dabei wird in den herkömmlichen „Halcyon“-Episoden jederzeit deutlich, dass der Fokus auf der Virtual-Reality-Erfahrung liegt. Mit einer Laufzeit von unter fünf Minuten pro Folge bleibt nicht viel Raum für eine ausgeklügelte Erzählung. Im Eiltempo und meist ohne große Einführung von Figuren oder Setting wird nicht gerade elegant von einem Ort zum nächsten gesprungen. Handlung, Charaktere und Dialoge sind hier eindeutig zweitrangig. Auch das überschaubare Budget von insgesamt rund 500.000 Dollar scheint vorwiegend in die Kreation der virtuellen Räume und nicht so sehr in die sonstige Ausstattung geflossen zu sein. Obwohl der kurzen Story der Serie an sich auch ohne die VR-Episoden problemlos gefolgt werden kann, gehen der eigentliche Reiz und die Stärke der Serie beim Verzicht auf die Sonderfolgen zweifellos verloren.

    Unterm Strich ist und bleibt „Halcyon“ aber ein erster mutiger Schritt in eine spannende neue Richtung fiktionaler Unterhaltung. Angesichts des auch finanziell begründeten kleinen Rahmens und der frühen Phase der aktuellen, noch bei weitem nicht ausgereiften Virtual-Reality-Entwicklung kann das Projekt zwar sein volles Potential noch längst nicht entfalten. Doch zeigt zumindest der Versuch durchaus vielversprechende Möglichkeiten für die Zukunft auf.

    Hiesige Zuschauer mit Syfy-Empfang (z.B. über Sky, Telekom Entertain oder Unitymedia) haben am heutigen 22. September 2016 nun selbst die Möglichkeit, sich ein Bild von dem Serienexperiment zu machen. Ab 20.15 Uhr feiert „Halcyon“ als Binge-Event Weltpremiere auf dem Pay-TV-Sender. Dabei werden alle Folgen der Serie am Stück gezeigt. Die herkömmlichen Folgen können dabei sowohl im Fernsehen als auch in der erwähnten Virtual-Reality-App geschaut werden. Für die VR-Episoden werden an den entsprechenden Stellen Pausen bei der Ausstrahlung eingelegt. 



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