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    Dokumentation enthüllt: "James Bond" wurde angeblich von einer Autorin erfunden und von Ian Fleming nur geklaut
    Von Björn Becher — 11.12.2016 um 10:05
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    Muss die James-Bond-Entstehungsgeschichte umgeschrieben werden? Laut einer neuen Dokumentation hat Ian Fleming nämlich seine Geschichte von der Autorin Phyllis Bottome geklaut...

    Sony Pictures
    Von der Autorin Phyllis Bottome ist schon lange bekannt, dass sie großen Einflusss auf James-Bond-Erfinder Ian Fleming hatte. Bottome gründete in den 1920er Jahren im österreichischen Kitzbühel eine ungewöhnliche Schule, in der herausgefunden werden sollte, wie „Psychologie und pädagogische Theorien bei der Überwindung des Chauvinismus helfen könnten“ (Zitat: Wikipedia). Bekannt ist, dass Ian Fleming nach einer eher turbulenten Jugendzeit dorthin geschickt wurde und so zu ihren Schülern gehörte, dabei von ihr auf den „richtigen Weg gebracht“ wurde. Doch hat er dabei auch eine ihrer Ideen gestohlen und daraus James Bond gemacht?

    In einer neuen Radio-Dokumentation, die am gestrigen Samstag (10.12.2016) auf BBC Radio 4 zu hören war, wurde genau dies nun diskutiert. In „The Woman Who Invented James Bond?“ geht es um den nicht mehr verfügbaren Roman „The Life Line“, den Phyllis Bottome bereits 1946 veröffentlicht hat – sieben Jahre vor Flemings erstem Bond-Roman. In „The Life Line“ geht es um einen britischen Agenten namens Mark Chalmers, der unter seinem Boss „B“ für den britischen Geheimdienst arbeitet. Chalmers liebt die Frauen und den Skisport und habe auch sonst alle Charakteristika von James Bond, so das Ergebnis der Dokumentation.

    Die Macher der Dokumentation verweisen darauf, dass Phyllis Bottome nicht nur Ian Fleming in den 1920er Jahren zum Schreiben ermunterte, sondern mit ihrem Ehemann Ernan Forbes Dennis auch nach dem Erscheinen des Buches „The Life Line“ Urlaub in Flemings jamaikanischer Villa (Name: „Goldeneye“) machte. Hat er damals ihr Buch gelesen und die Figur kopiert? Bekannt ist, dass Fleming später den großen Einfluss des Ehepaares auf sein Werk pries. Dies wurde vor allem auf Ernan Forbes Dennis bezogen, der selbst Spion war und so womöglich ein paar Geschichten aus dem Nähkästchen beisteuern konnte.

    Nigel West, ein bekannter britischer Autor und Historiker, der über 30 Romane und Sachbücher rund um Geheimdienste veröffentlicht hat, kommt in der Dokumentation jedenfalls zu dem Schluss, dass man nicht mehr von einem Verhältnis Schüler / Lehrer zwischen Fleming und Bottome sprechen dürfe. Man müsse nun von Dieb / Opfer reden.

    Angemerkt werden muss aber, dass die Autorin, die selbst unter anderem mit der Erzählung „Tödlicher Sturm“, die 1940 mit James Stewart in der Hauptrolle verfilmt wurde, Erfolge feierte, selbst nie ähnliche Vorwürfe erhob. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1963 blieb sie mit Ian Fleming befreundet. Für Literaturkritiker Simon Winder geht daher auch der Vorwurf des geistigen Diebstahls zu weit. Wie er der RadioTimes erklärte, ist er aber trotzdem der Überzeugung, dass die James-Bond-Entstehungsgeschichte neu geschrieben werden müsse. Phyllis Bottome habe „substanziellen Einfluss“ auf die Entwicklung der Figur gehabt und dies sei bisher ausgespart geworden..

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    Kommentare
    • WhiteNightFalcon
      Korrekt. Unter diesen Autoren befindet sich seit Jahren immerhin auch Stella Rimington, die ehemalige erste weibliche Chefin des MI6, die der Grund war, Bond in GoldenEye mit einer weiblichen M zu konfrontieren.So inspiriert die Realität die Fiktion und umgekehrt.
    • niman7
      Ich würde jetzt auch nicht von Diebstahl sprechen. Jeder Autor inspiriert sich irgendwo. Das ist ganz normal. Sie hat ihn ja dazu ermuntert zu schreiben. Wahrscheinlich hat sie ihn so ein Grundgerüst gegeben und er hat drumherum geschrieben. Als sie starb, kannte Bond bereits jeder. Da hätte sie sich doch beschweren können!? Stattdessen blieb die Freundschaft.
    • WhiteNightFalcon
      Wird abgeheftet unter: Nette Theorie.Bei Bond gibt es schließlich auch zu den Inspirationsquellen, wer für Q, M, Moneypenny Pate stand, diverse Theorien, ebenso woher der Name von Flemings Haus Goldeneye stammt. Auch tauchte der Name James Bond 1952 nicht zum ersten Mal in der Literatur als fiktive Figur auf, auch wenn hier 100% gesichert ist, woher Fleming ihn hat.Aber wenn hier mal wieder ne neue Theorie auftaucht, untermauert das nur einmal mehr Bonds Legenden-Status. Diese Theorie ist aber insofern interessant, da seit seinem Erscheinen 1962 Flemings zehnter Roman Der Spion, der mich liebte, ebenfalls als das Werk einer Frau gilt, was nie bewiesen werden konnte.Filmisch wurde Flemings Leben ja auch schon mehrfach interessant verarbeitet in 'Goldeneye' von 1989 mit Charles Dance, 'Spymaker von 1989 mit Jason Connery und 'Fleming' von 2014 mit Dominic Cooper.
    • Edward;
      Wenn Frau Bottome sich zu Lebzeiten nicht darüber echauffiert hat, dann wird es schon seine Richtigkeit haben. Eine Frau, die zur Überwindung des Chauvinismus' forscht, hätte bestimmt auch damals das Selbstbewußtsein bessessen sich zur Wehr zu setzen. "It’s not where you take things from - it’s where you take them to."
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