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Lasst die Profis wieder ran: Die FILMSTARTS-Meinung zu B-Promis und YouTubern als Synchronsprecher
Von Woon-Mo Sung — 22.02.2017 um 16:00
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In diesem Format schreiben FILMSTARTS-Redakteure über Dinge, die sie gerade ganz besonders begeistern - oder die ihnen ziemlich auf den Wecker gehen...

Universal Pictures International France
Wer nicht schon als Kind von ambitionierten Eltern zu einem zukünftigen Globetrotter und Kosmopoliten mit der Kenntnis mehrerer Fremdsprachen erzogen wurde, wird hierzulande mit ziemlicher Sicherheit seine ersten Kinoerfahrungen mit deutschen Synchronfassungen gemacht haben. Auch ich bilde da keine Ausnahme und noch heute habe ich kein Problem damit, Filme beim ersten Mal in der synchronisierten Fassung zu schauen, allen Unkenrufen zum Trotz. In Deutschland pflegt man zum Glück seit jeher eine ausprägte Synchronschauspielerkultur und viele der größten Hollywoodstars wären uns ohne ihre deutschen Stimmen wohl kaum so sehr im Gedächtnis geblieben. Ich denke da zum Beispiel an Manfred Lehmann, der Bruce Willis eine extra Portion Coolness verleiht, oder an Norbert Gastell (möge er in Frieden ruhen), dem einzig wahren Homer Simpson.

TCFFC
Norbert Gastell hat sich als Homer Simpson in die Herzen der deutschsprachigen Fans gesprochen.


Doch in den vergangenen Jahren vernahmen meine Ohren immer öfter neue Stimmen im Kinosaal, die mir nicht so recht dabei halfen, mich in den Film hineinzufühlen, sondern eher das Gegenteil bewirkten. Etwas „stimmte“ nicht mit ihnen: Auf mich wirkten sie vergleichsweise gekünstelt - gewollt, aber bei Weitem nicht so gekonnt. Und trotzdem kamen sie mir irgendwie vertraut vor. Nur woher? Ein Blick auf Poster und andere Marketing-Produkte enthüllte, dass es sich bei ihnen nicht mehr um professionelle und hauptberufliche Sprecher handelte, sondern um Stars und Sternchen aus TV, Musik und Internet – ja quasi von überall. Und sogar TV-Köche wurden in jüngerer Vergangenheit in die Aufnahmekabine gestellt.

Dieses Phänomen grassiert schon seit einiger Zeit und wird vermutlich auch noch ein Weilchen vorherrschen, doch ich habe leider ein Problem damit. Denn öfter als mir lieb ist werde ich das Gefühl nicht los, dass sich durch die Stimme und die (in meinen Ohren zweifelhafte) Performance der dahinter stehende Promi zu sehr in den Vordergrund drängt und damit die Figur, die er vertonen soll, überlagert. Statt vollends mit der Figur zu verschmelzen, erhalte ich durch die Darbietung eines zwar prominenteren, aber letztendlich weniger talentierten Sprechers den Eindruck, dass Stimme und Figur niemals eins ergeben und befremdlich voneinander getrennt erscheinen. Auf einmal hörte ich in „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“ nicht mehr der Affendame Barb zu, sondern Cindy aus Marzahn, Berliner Dialekt inklusive, und auch an Palina Rojinski als Sam Sparks störte ich mich enorm. Und „Sing“ warb zunächst mit der Stimme von Matthew McConaughey (Benjamin Völz), ehe man „Das Supertalent“-Moderator Daniel Hartwich den Vortritt ließ. Das Qualitätsgefälle wird schmerzlich klar, wenn die restlichen Figuren mit Profis besetzt werden und das Ergebnis einfach einwandfrei ist.

Sony Pictures Germany
In "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2" sprach die Komödiantin Cindy aus Marzahn die Affendame Barb (rechts).


Nur warum dürfen sich immer öfter B-Promis und YouTuber hinter das Mikrofon stellen? Der Marketing-Gedanke kommt einem da in den Sinn, aber ich frage mich ernsthaft, ob die prominenten Namen wirklich zu mehr Besuchern führen als es ohne sie der Fall wäre. Gibt es empirische Zahlen, die das belegen? Ist die Überprüfung überhaupt möglich? Und muss der Zuschauer während der Vorstellung nicht unweigerlich an den Promi denken, weil er vorher einfach nicht an seinem Namen vorbeigekommen ist, der ihm in jedem Trailer, Spot und von jedem Plakat ins Gesicht springt? Unbeschwerter Kinogenuss funktioniert für mich jedenfalls anders.

Warum also den hauptberuflichen Synchronschauspielern die Aufträge vor der Nase wegschnappen, wo sie doch ihren Lebensunterhalt damit verdienen? Zumal die Mitglieder der Branche ohnehin mit Problemen zu kämpfen haben: Der Interessenverband Synchronschauspieler e.V. (IVS) setzte sich in der jüngeren Vergangenheit für eine bessere Vergütung ein, und wer eine faire Bezahlung einfordert, riskiert, dass er seine Sprechrolle kurzerhand verliert.

Die Gagen könnten und sollten jedenfalls besser investiert werden. Und zwar in Profis, in Menschen vom Fach und nicht in prominente Personen, deren bloße Teilnahme den Film jedes Mal zu überschatten droht. Denn auch das zeichnet den professionellen Sprecher aus: Macht er seine Sache gut, bemerkt man ihn nicht. Sein Name prangt nicht groß auf den Werbebannern und seine Arbeit lässt mich glauben, dass ich, trotz besseren Wissens, den großen Hollywoodstar im Film nicht nur sehe – sondern auch höre.

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Kommentare
  • SchmitzKATZ
    Super Ritschie als Adam Sandler? Gibts schon sehr lange, dieses Phänomen. Nichts desto trotz natürlich Bullshit.
  • W.W
    Stimme dieser Meinung absolut zu! Toller Artikel!
  • Mac-Trek
    Danke! Der Artikel spricht mit aus der Seele! Ich erinnere mich noch zu gut an diese Grauenhafte Fassung des Films "Clever & Smart", welche von Erkan und Stefan synchronisiert wurden. Ebenso frage ich mich, warum beispielsweise bei "Vaiana" nicht eine der deutschen Stimmen von Dwayne Johnson genommen wurde. Übrigens: Auf der BluRay von "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2" ist Cindy aus Marzahn nicht dabei. Diese mußte nur im Kino ertragen werden.
  • holy_grizzly
    Ich möchte dir nicht die Illusion nehmen, aber Castings, an denen Promis teilnehmen, sind keine Castings. Es geht lediglich darum, dass der deutsche Ableger des Verleihs etwas gegenüber dem Mutterkonzern in den Staaten vorweisen kann."Also, hier das Casting für Deutschland. Da haben wir Sprecher 1, Sprecher 2 und dann haben wir noch Gronkh, von dem hatten wir euch ja schon berichtet. Das ist der Youtube-Star mit mehreren Millionen Abonnenten. Der wird hier richtig Zuschauer ins Kino locken."Die Entscheidung obliegt einem englischsprachigen Marketingboss. Für welchen "Kandidaten" wird er sich wohl entscheiden? Nicht für den Sprecher, der am besten spielt. Auch nicht für den, der stimmlich am ähnlichsten ist.Alles nur ein Fake. Hört sich super an, wenn er als "Gewinner" des Castings die Rolle bekommt, es hat jedoch gar keinen Wert. Promis sind schon VOR dem Casting zu 99% besetzt.
  • Deliah C. Darhk
    Ich fand Sarah Kuttner in der Rotkäppchen-Verschwörung unglaublich gut.
  • Deliah C. Darhk
    "Der Interessenverband Synchronschauspieler e.V. (IVS) setzte sich in der jüngeren Vergangenheit für eine bessere Vergütung ein, und wer eine faire Bezahlung einfordert, riskiert, dass er seine Sprechrolle kurzerhand verliert. "Dürfte doch alles erklären. Es geht nicht ummehr Zuschauer, sondern um höhere Rentabilität.Kann man die Synchro-Kosten um 10.000 € senken, kann man ruhig 5.000 Zuschauer verlieren und macht noch Plus. Zieht der Fanboy/-girl-Effekt der xy-Promis und die 5.000 Verlorenen werden durch nur 2.500 Dazugewonnene aufgefangen, ist das Plus noch grösser. Deswegen ja auch gerne die überproportionale Bewerbung "mit den Stimmen von ..." bei Animationsfilmen.Dieser Artikel spricht mir komplett aber sowas von aus der Seele ...Von wenigen Ausnahmen abgesehen stört mich das auch sehr.
  • holy_grizzly
    Der überwiegende Teil der Z-Promis und YouTuber bekommt vergleichsweise mehr Gage als ein Profi.Wer nicht Feststimme auf dem Schauspieler ist und die Hauptrolle in einem Millionen-Dollar-Blockbuster spricht, verdient nicht mehr als 1200-1500 Euro. Ein Witz, verglichen mit den Einspielergebnissen der großen US-Filme im deutschsprachigen Raum...Manche Promis haben eine Tagesgage von bis zu 20.000€.Pro Tag.
  • Arkanoid
    Es tut so gut einen Artikel zu Lesen der eine Problematik anspricht die einem selbst auch schon seit längerer Zeit bewusst ist und dessen Meinung dazu quasi deckungsgleich mit der eigenen ist. Großes Dankeschön meinerseits an dieser stelle an den Verfasser ! :-)Einer der ersten Animationsfilme wo mir das damals aufgefallen ist war 'Robots', zu der zeit fing das gefühlt an. Froh kann man sein das Perlen wie z.b. die Miyazaki Anime's nie davon betroffen waren, einerseits traurig das sie nie die Aufmerksamkeit in Deutschland bekommen die ihnen gebührt aber andererseits wäre das vielleicht zumindest diesbezüglich zu ihren Ungunsten. Nina Hagen ist übrigens das sei gesagt eine ausgesprochen Positive Promi Voice Ausnahme wie schon mal erwähnt.
  • Arkanoid
    Du kennst wahrscheinlich nur deshalb so wenige weil viele größen mittlerweile tot sind. Den Weltweit guten ruf hat Deutschland bezüglich Synchronsprecher zurecht.
  • Klaus S aus S
    Danke Danke Danke für diesen Artikel der genau das anspricht was was mir schon seit Jahren sauer aufstößt, ganz besonders im Bereich der animierten Filme.ich kann da auch nicht mehr viel hinzufügen außer das gewisse Ausnahmen die Regel bestätigen.Einen Otto Walkes als Sid oder die Fanta4 als Madagaskar Pinguine will ich sicher nicht mehr missen obwohl diese Stars auch eher Quereinsteiger im Bereich der Synchronsprecher anzusehen sind.Andreas Bourani ist ein ganz toller Sänger keine Frage, aber was hat Disney bloß geritten ihn für die deutsche Synchro in Vaiana zu auszuwählen ???Das hat er bei Baymax und Hotel Transsylvanien 2 schon nicht richtig hinbekommen
  • Samir Jan
    Toller Beitrag! Stimmt auch was geschrieben wird. Lieber die Profis als so dämliche c-promis.
  • King 35
    Für mich persönlich kein Thema. Erstens gehöre ich nicht zur Zielgruppe der youtoube Stars. Gucke mir diese Clowns und ihre Videos nicht an, so das ich deren Stimme nicht kenne. Zweitens kann ich erfreut für mich festhalten das ich mit der deutschen Synchro sehr zufrieden bin. Drittens werden meine Lieblingsstars von Stamm Synchron Sprechern gesprochen. Ich weis ja nicht was andere so alles schauen. Ich kann nicht klagen. Danke!
  • King 35
    Stimme Dir absolut zu. Die meisten die hier ihr Leid klagen gehören wohl zu denen die diese youtoube Stars groß gemacht haben.
  • Deliah C. Darhk
    Du vergleichst hier gerade die untere Einkommensgrenze der Synchronsprecher mit der oberen der Promis.. Das sagt nicht wirklich was aus.In "Fremde Gezeiten" z. B. wurde Off als Synchrinsorecher ersetzt, weil er schlicht zu teuer geworden war.
  • holy_grizzly
    Wenn die Synchronisation nur ein minimaler Teil der Produktion ist, warum diskutieren wir dann hier gerade darüber?
  • holy_grizzly
    Definitiv habe ich nicht von der unteren Einkommensgrenze der Profis gesprochen. Sprecher wie Off, die sich wenigstens mal etwas trauen, sind an einer Hand abzuzählen. Der Rest arbeitet zu o.g. Gagen.
  • Deliah C. Darhk
    Du hast schon ganz schön nach unten hin eingeschränkt, Stammsprecher komplett ausgeklammert. Das mögen viele sein, aber eben nicht die, die über Durchschnitt verdienen.
  • holy_grizzly
    Grundsätzlich absolut richtig.Aber lass mich ein paar Dinge anmerken.Auch wenn es eine gewisse Entwicklung gibt, der überwiegende Teil der deutschen Kinobesucher möchte den Film in deutscher Synchronisation sehen. Im TV-Bereich sieht es aktuell nicht anders aus. Ist eben noch in der Kultur verankert.Wenn ein Film plötzlich keine Stimmen/Dialoge mehr hätte, nur Bild, Geräusche und Musik, würde ihm wohl nicht nur "ein minimaler Teil" fehlen.
  • niman7
    Wunderbarer Artikel! Danke dafür. Als weiteren Punkt, möchte ich noch hinzufügen, dass die Synchrobranche dadurch sukzessive zerstört wird! Grund dafür: Da immer mehr auf englisch schauen, weil es nun mal schneller da ist (besonders Serien), geht sehr viel Qualität auf Grund von Zeitmangel verloren und wenn der Ruf auch noch durch solche Pappnasen wie diesen Gronkh leidet, werden den "original Anhängern" immer mehr folgen :( Dass das ausgerechnet Disney mitmacht, ist mir ein Rätsel :( die Filme waren in Deutschland Jahrzehnte lang eben wegen jener Synchronisation so erfolgreich. Oder hätten Filme und Lieder wie Dschungelbuch/probiers mal mit Gemütlichkeit einen so großen Erfolg gehabt, wenn sie nicht auf deutsch wären?!
  • Klaus S aus S
    Disneys Dschungelbuch von 1967 ist das beste Beispiel für perfekte Synchronsprechkunst
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