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Neue Netflix-Kontroverse nach "Tote Mädchen lügen nicht": Proteste gegen Magersucht-Drama "To The Bone"
Von Markus Trutt — 29.06.2017 um 15:21
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Nach „Dear White People“ und „Tote Mädchen lügen nicht“ steht mit „To The Bone“ nun schon wieder eine Netflix-Produktion in der Kritik. Dem Film wird vorgeworfen, Esstörungen und Magersucht zu verherrlichen und zu verharmlosen.

Netflix
In „To The Bone“ verkörpert eine heruntergehungerte Lily Collins die an Magersucht leidende Ellen, die sich nach vielen gescheiterten Versuchen, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen, in das Therapiezentrum des unkonventionellen Arztes Dr. William Beckham (Keanu Reeves) einweisen lässt. Die Veröffentlichung des ersten Trailers zum Netflix-Drama hat nun besorgte Gesundheitsexperten und Internet-User auf den Plan gerufen, die befürchten, der Film könne Essstörungen verharmlosen oder gar verherrlichen.

Wie The Guardian berichtet, sehen mehrere auf dem Gebiet spezialisierte Psychiater in „To The Bone“ ein potentielles Risiko sowohl für Menschen, die Gefahr laufen, eine Essstörung zu entwickeln als auch für solche, die bereits unter einer leiden. Viele sind sich einig, dass die filmische Darstellung von Magersucht die Probleme von letzteren noch verstärken könnte. Gerade die Verbindung des ernsten Themas mit schwarzem Humor und einem gewissen Unterhaltungswert sei problematisch: „Meine Sorge ist, dass der Film – da es so aussieht, als hätte er ein Happy End und sei eine bereichernde Erfahrung – für manche ein einladender Weg sein könnte, um innere Konflikte zu behandeln“, so etwa Psychiaterin Dasha Nicholl.

Generell sprechen sich Nicholl und ihre Kollegen aber keinesfalls für ein Boykott oder gar Verbot des Netflix-Dramas aus, zumal sie ihre bisherigen Bedenken laut eigener Aussage nur auf den ersten Trailer, nicht aber auf den kompletten Film beziehen. Befürworten würden sie allerdings einen entsprechenden Warnhinweis vor der Vorschau und dem Film selbst, der betroffene oder gefährdete Menschen auf die sensiblen Inhalte hinweist.

Trotz besagter Bedenken herrscht bei den Medizinern und Fachleuten aber generell die Meinung vor, dass Medien durchaus behutsam auf die ernsten Gefahren von Magersucht aufmerksam machen sollten. Die Macher von „To The Bone“ beteuerten derweil, dass ihnen genau dies am Herzen liege: „Mein Ziel war es, Essstörungen nicht zu glorifizieren, sondern eine Diskussion über ein Thema in Gang zu setzen, das zu oft von Verschwiegenheit und Missverständnissen geprägt ist“, erklärte Autorin und Regisseurin Marti Noxon, die wie Hauptdarstellerin Lily Collins einst selbst unter einer Essstörung litt.

Die Diskussion erinnert schon jetzt an eine andere Netflix-Produktion, die 2017 für große Aufregung sorgte: die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“. Das zentrale Thema „Selbstmord“ sorgte hier für Diskussionen zwischen den Organisatoren und den Machern. Auf der einen Seite warnten Gesundheitsorganisationen vor der Serie, während die Macher beteuerten, dass sie mit der Realität konfrontieren wollen. Eine Diskussion lösten sie damit auf jeden Fall aus.

Im Fall von „To The Bone“ wollen eine solche Diskussion wohl aber nun einige Internet-Nutzer unterbinden. Diese haben auf change.org nun nämlich sogar eine Petition gestartet haben, in der sie Netflix dazu auffordern, von der Veröffentlichung des Films abzusehen. Zwar räumen die Initiatoren den Verantwortlichen sehr sachlich ein, dass sie sicherlich die besten Absichten hatten, doch könnte das Werk in ihren Augen jahrelange Arbeit zur Aufklärung über und Bekämpfung von Anorexie einfach zunichtemachen. Im Film werde die komplexe Krankheit vor allem auf die Gewichtsab- und zunahme reduziert, die zudem realitätsfern als bloße Frage bewusster Entscheidungen dargestellt werde. Auch wenn die Gewichtsproblematik ein wesentlicher Teil sei, gehe es noch um so viel mehr. Mit seiner vermeintlich verherrlichenden Darstellung der Erkrankung könnte der Film aber nicht nur zur weiteren Stigmatisierung von Essstörungen beitragen, sondern eventuell gar deren Ausprägung fördern.

Bislang hat die Petition aber nicht einmal 450 Unterstützer (Stand: 29.6., 15.20 Uhr). Unklar ist allerdings, ob sich deren Kritik auch hier nur auf den „To The Bone“-Trailer oder den vollständigen Film stützt. Gezeigt wurde die Netflix-Produktion bislang nämlich nur auf dem Sundance Film Festival, einer breiteren Öffentlichkeit wird sie erst mit ihrer Online-Premiere beim Streaming-Dienst am 14. Juli 2017 präsentiert.

To The Bone Trailer DF

 

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Kommentare
  • Aequitas

    Finde ich auch absolut ätzend - ist aber heute ein ganz übles Phänomen, Voreingenommenheit ist sowieso sowas von erbärmlich! Und mittlerweile sollte auch bekannt sein, dass man auf Trailer nicht all zu viel geben sollte - geben einen ersten, oberflächlichen Eindruck aber mehr auch nicht!

  • Knarfe1000

    Einfach mal vorab behaupten, der Film verharmlose Essstörungen - total bescheuert. Wer will das denn jetzt schon wissen?

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