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    10 Verfilmungen, die die Aussage der Vorlage komplett auf den Kopf stellen
    Von Christian Fußy, Christoph Petersen — 28.07.2017 um 16:15
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    Wenn Hollywood mal wieder was ganz anderes mit einem Projekt vorhat als vom usprünglichen Schöpfer des Romans, des Comics oder der TV-Serie intendiert...

    Walt Disney Pictures, Buena Vista Pictures
    „Der Glöckner von Notre-Dame“ (1996)

    Vorlage: „Notre-Dame von Paris“ von Victor Hugo (Roman, 1831)

    Was war mal die Aussage: Durch das Verflechten mehrerer Einzelschicksale von Figuren aus Adel, Klerus und Unterschicht erschafft Victor Hugo einen literarischen Querschnitt der Stadt Paris. Einer seiner Handlungsstränge befasst sich mit dem buckligen Glöckner Quasimodo und seiner Liebe zu der Zigeunerin La Esmeralda. Die junge Schönheit ist die Einzige, die Quasimodo nicht behandelt, als wäre er ein garstiges Monster – obwohl sie sich trotzdem vor seinem Aussehen ekelt. Romantisches Interesse hegt sie stattdessen für den stattlichen, aber charakterlosen Hauptmann Phoebus. Zu den Verehrern der Tänzerin gesellt sich zudem Quasimodos Ziehvater, der Kirchendiakon Claude Frollo. Da dieser aber keine realistische Chance bei ihr hat, entschließt er sich, die 16-Jährige an den Galgen zu bringen und seinen sexuellen Frust so aus der Welt zu schaffen. Als die Zigeunerin der Hexerei bezichtigt wird, liefert Frollo sie der Staatsgewalt aus. Phoebus macht sich nicht den Stress, dem Geistlichen in dieser Angelegenheit zu widersprechen und so wird die Hinrichtung durchgeführt. Quasimodo tötet daraufhin Frollo und wacht bis zu seinem eigenen Tod an La Esmeraldas Grab.

    Das Buch befasst sich mit der Korruption hinter der Fassade der Tugendhaftigkeit. Sowohl Frollo als auch Phoebus haben zwar ein strahlendes Image, sind jedoch extrem fehlerbehaftete Figuren. La Esmeralda selbst lässt sich blenden von der Schönheit des Hauptmannes und ignoriert die aufrichtige Liebe Quasimodos. Die gesellschaftskritische Geschichte endet für alle Beteiligten tragisch.

    Was wurde dann draus gemacht: In der Disney-Version siegt am Ende selbstverständlich das Gute. Quasimodo und Esmeralda überleben ihre Auseinandersetzung mit Frollo und gehen am Ende in gegenseitigem Respekt getrennte Wege. Lebemann Phoebus, der in der Vorlage keine Party auslässt und ständig versucht, seine Verlobte zu betrügen, ist hier ein ehrenhafter Geselle, der sich im Laufe des Abenteuers Esmeraldas Zuneigung verdient. Ihre Liebe für den Soldaten verliert dadurch natürlich jegliche Tragik. Der Zeichentrickfilm ist ein sozialromantisierendes Märchen.

    Was finden wir besser: Das deprimierende Ende des Originals eignet sich natürlich nicht für einen Kinderfilm, weshalb die narrativen Änderungen hier schon Sinn ergeben. Legt man Wert auf ein akkurates Porträt der Standesverhältnissen im Spätmittelalter, sollte man von Disneyfilmen wohl sowieso besser generell die Finger lassen.

     

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    Kommentare
    • greek freak
      Zu Kick-Ass:Der Comic von Millar ist um Längen besser weil er einfach eine bitterböse & ultra-bissige Satire auf Superhelden,Vigilantentum,(un)-Soziale Medien und generell aller Klischees,die wir in Actionfilmen sehen,ist.Der Film dagegen, ist nur die weichgespülte und auf lustig getrimmte Version.So ist z.B. "Big Daddy" kein heldenhafter Cop,der nach dem Mord an seiner Frau,einen Kreuzzug gegen das Verbrechen als maskierter Rächer startet,sondern ein bekloppter Comicfan,der seine Tochter entführt und zur Killermaschine gedrillt hat.Und Kick-Ass himself,ist im Comic,am Ende immer noch ein totaler Loser,dem seine angebetete High-School Schönheit einen Laufpass gibt,nachdem sie erfahren hat,das er sie belogen hat.Im Film dagegen,"bekommt er sein Mädel" und ist der Held.Ausserdem haut Millar noch einige bitterböse Spitzen gegen Hollywood,Fankultur und die moderne Gesellschaft raus.Wenn schon,dann war das Sequel deutlich besser als der 2te Comic,der leider nur eine uninspirierte Gewalt-Orgie war.Den dritten und letzten Kick-Ass Comic kann man sich übrigens komplett sparen.
    • WhiteWalker
      Ich finde, dass der "Bösewicht" dadurch ein wenig der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Im Buch verweist er schließlich darauf, dass er wollte, dass sein Plan aufgeht und deshalb das Virus einige Tage vorher schon freigesetzt hat, damit das nicht noch verhindert werden kann. Im Film wirkt er einfach nur wie der klassische Böse, der seinen Plan erklären muss, bevor er überhaupt umgesetzt wurde.
    • Deliah C. Darhk
      Die Kondom-Industrie erlebt eine Renaissance sondergleichen und die Mini-Pille verliert an Bedeutung.Die Überbevölkerung wird zeitweise eingedämmt. Die Umweltverschmutzung reduziert sich. Nicht erneuerbare Natur-Resourcen werden geschont.Soziale Probleme verschärfen sich, vor Allem mangelnde Altersabsicherung und gesellschaftliche Überalterung. Dazu kommt mittelfristig ein Arbeitskräftemangel. Daraus resultieren eine längere Lebensarbeitszeit und höhere Löhne in den Industriestaaten.Vermutlich wird die Eltern- und Kinderförderung erheblich ausgebaut.Kinderlosigkeit könnte hingegen zu einer neuen gesellschaftlichen Unterklassigkeit führen, und Babyhandel boomen; möglicher Weise sogar legalisiert werden.Nach zwei, vielleicht drei Generationen stehen wir wieder am selben Punkt wie vor dem Inferno.
    • WhiteWalker
      Was auch noch erwähnenswert ist, sind die unterschiedlichen Enden von "Inferno". Während in Dan Browns Roman das Virus freigesetzt wird und die gesamte Weltbevölkerung infiziert wird, gibt es im Film dann auch wieder ein "Friede-Freude-Eierkuchen"-Ende, was ich persönlich sehr schade finde, da so die Logik flöten geht.
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