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Formelhafte Zerstörungsorgien und Kino als reiner Treffpunkt: David Finchers Rundumschlag gegen aktuelle Filme
Von Björn Becher — 18.10.2017 um 18:27
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Regisseur David Fincher schaut mit Sorge auf die aktuellen Filme, wie er der Financial Times verriet. Er kritisierte, dass zu formelhaft gearbeitet werde und es nicht mehr um die Figuren gehe. Auch das Kino selbst sei ein anderer Ort.

Sony Pictures

In einem Interview mit der Financial Times (via The Playlist) erklärte David Fincher („Sieben“, „Fight Club“), dass die großen Hollywoodstudios heute Filme nur noch nach einer festen Formel machen: Explosionen, Romanzen und Heldentaten. Für Figurenentwicklung sei daneben kein Platz mehr. In einem Klassiker wie „Die Unbestechlichen“ mit Dustin Hoffman und Robert Redford stehen ausschließlich noch Figuren, die „characters“ im Mittelpunkt. Heute gehe es in Filmen nur noch darum, die Welt vor der Zerstörung zu retten.

Dabei zeigt er sich auch selbstkritisch. Auch in seinen eigenen Filmen gebe es nicht mehr viele Szenen, wo man sich noch die Ruhe nimmt und es um das Warum gehe. Seine aktuelle Netflix-Serie „Mindhunter“ sei da aber völlig gegensätzlich. Es sei schwer, dort die „ticking clock“ zu finden, verweist er darauf, dass in dem Serienkiller-Drama nicht ständig von einem Spannungspunkt zum nächsten gehetzt werde.

"Mindhunter": Finaler Trailer zum Start der neuen Netflix-Thrillerserie von David Fincher

Fincher will scheinbar auch gar nicht einzelne Personen in der Filmindustrie kritisieren. Es gebe sehr viele, auch hochrangige Studioverantwortliche, die sich weiter um gute Qualität bemühen. Doch am Ende des Tages, wenn man einen Film mit einem Studio machen wolle, müsse man sich im aktuellen Rahmen bewegen und da gebe es halt nur „romantische Komödien, Trübsal blasende Oscar-Lockfilme, den Strampelanzug-Sommer, Superhelden-Blockbuster oder ein Sequel mit moderatem Budget.“

Ein Projekt, das wohl unter das letzte Beispiel fällt, geht er als nächstes an. David Fincher wird nämlich Brad Pitt in „World War Z 2“ inszenieren. Dann werden wir auch sehen, ob der Regisseur vielleicht das unterbringt, was er selbst gerne sehen will und er aktuell in „Mindhunters“ mehrfach eingebaut hat. Ruhige Szenen mit Figurenentwicklung. Ihn interessiere nämlich nicht, ob in einer Szene über fünf Drehbuchseiten nur zwei Personen im Auto sitzen und Kaffee aus Pappbechern trinken, solange es eine faszinierende Dynamik zwischen ihnen gibt. Und dann sei ihm auch egal, ob das Auto nur mit 40 – 50 km/h fahre.

"World War Z 2": David Fincher übernimmt die Regie

Obwohl er selbst für einen Dienst wie Netflix tätig ist (neben „Mindhunter“ brachte er dort auch „House Of Cards“ mit auf den Weg), glaubt er immer noch, dass das Kino ganz vorne in der Gunst des Publikums steht – auch wenn seine Worte dazu eine sehr pessimistische Beinote haben: „Das Kino ist nicht tot, es macht nur etwas anderes. Die Plätze sind immer noch voll mit Kids, es ist nur, dass sie alle auf ihr Telefon schauen. Es ist ein soziales Event wie ein Lagerfeuer und der Film ist das Lagerfeuer. Er ist der Grund, dass sich die Leute versammeln, aber der Film ist nicht da, damit man ihn anschaut.“

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Kommentare
  • Darklight ..

    Sehr interessante Analyse.
    Vor allem der Lagerfeuervergleich ist gut. Macht mich aber auch traurig...
    Denn zum Teil hat er wohl Recht.

  • Jimmy V.

    Das sehe ich ähnlich, auch wenn ich natürlich mehr anspruchvollere Filme begrüße. "Inception" ist ja z.B. ein herausragender Vertreter dafür wie man Anspruch und Action, Blockbuster und intelligente Unterhaltung sinnvoll miteinander verbinden kann.

  • Silvio B.

    Ich gebe dir absolut recht. Es gibt genügend großartige Filme. Das Problem ist aber, dass diese Filme wie Blockbuster beworben werden und das Lagerfeuerpublikum auch genau das erwartet. Das Ende vom Lied: Langeweile. Überforderung? Miese Kommentare im Netz und schlechte Wertungen. Das Budget wird nicht reingeholt und beim nächsten Film wieder auf Schema F gesetzt.

  • Jimmy V.

    Ja, aber du argumentierst hier mit einem Strohmann. Ich habe nicht von 300 Millionen gesprochen oder gesagt, jeder Regisseur müsste jetzt gleich ein zweites "Inception" machen. Die Studios könnten ein wenig Risiko dennoch wagen und kriegen dabei womöglich etwas Gutes raus. Auch "nur" 50 Millionen können gut investiert sein.

  • OzzieCobblepot

    Filmanalyse-Fan?

  • Jimmy V.

    Das sehe ich persönlich anders. Halte das für übertrieben. Sehr viele Oscar-Gewinner haben ihre Trophäen durchaus zu recht gewonnen. Es gab vielleicht bessere Filme, aber auch definitiv schlechtere. "12 Years A Slave" oder "L.A. Crash" sind zwei umstrittene Gewinner, die mir einfielen, letztlich aber doch sehr gut waren.

  • WhiteNightFalcon

    Das was Fincher anprangert, gab es aber schon Jahrzehnte vorher. Als in den 30er/40er Jahren Horrorfilme erfolgreich waren, wurden die massenhaft gedreht. In den 60ern drehte wer konnte, Agentenfilme, um vom Bond-Hype zu profitieren, in den 70ern war es die Kung-Fu-Welle. Heutzutage sind es eben die CGI-lastigen Blockbuster.
    Das Problem ist eher die Wahrnehmung beim Publikum. Die megateuren Blockbuster werden eben auch mit teuren Werbekampagnen in allen Medien beworben und scheinen daher omnipräsent zu sein. Die kleineren, hochwertigeren Filme haben das nicht nötig, weil sie letztlich günstiger sind, eben keine Allgegenwärtigkeit in der Werbung haben. Jeder Filmfan den ein bestimmtes Genre interessiert, wird gerade in der heutigen Internetzeit wissen, wo er sich über "sein" Genre informiert.
    Ne Daseinsberechtigung hat letztlich jeder Film. Sei es ein Transformers 10 oder ein Film, der 15 Oscars gewinnt, weil jeder Film sein ganz eigenes Zielpublikum hat.
    So war neben Krawallregisseuren wie Bay und Snyder eben auch immer Platz im Kino für Regisseure, die es anspruchsvoller angehen lassen, wie Nolan, Villeneuve oder Fincher.

  • WhiteNightFalcon

    Auch hier kann man Nolan als Beispiel nehmen. Prestige zb hat 50 Mio gekostet, ne herausragende Besetzung und wie Inception ne intelligente Story, die mit dem Zuschauer spielt.

  • Darklight ..

    "Lagerfeuerpublikum" - auch nicht schlecht.

    ;)

  • Jimmy V.

    "Spotlight" war gut, aber nicht perfekt. Zu "Hacksaw Ridge" kann ich nicht viel sagen.

  • Jimmy V.

    Stimmt! Gut, dass du uns daran erinnerst. :)

  • Marvel5000

    Was in Hollywood derzeit im Blockbusterbereich fehlt sind Visionäre wie Spielberg, Lucas, Cameron usw. Fast immer wird altes neu aufgekocht oder fortgesetzt. Es wird nix mehr neues erfunden oder sich ausgedacht. Die Einzigen die ich noch als Visionäre im Blockbusterbereich bezeichnen würde ist Christopher Nolan. Aber das wars dann auch schon. Stellt euch mal vor Star Wars wäre heutzutage von Lucas neu erfunden worden, hätte er ein Studio dafür gefunden, der es macht? NEIN: Gerade in der heutigen Zeit, wo technisch alles möglich ist, müsste man doch mal auch neue Kinowelten erfinden, abseits von Comicverfilmungen. Es gibt doch genügend Anzeichen, das die Zuschauer wieder mehr neue Stories wollen und nicht immer alte neu aufgelegt.

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