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Hintergrund: Wie viel Militär-Propaganda steckt in "Pitch Perfect 3"?
Von Christoph Petersen — 20.01.2018 um 17:33
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Wenn man sich „Pitch Perfect 3“ ansieht, fragt man sich die ganze Zeit, warum zum Teufel der Film eigentlich überwiegend auf Militärbasen spielt, obwohl das für die Story überhaupt nicht wichtig ist. Wir haben mal nachgeforscht…

Universal Pictures Germany

Rechte Verschwörungstheoretiker, die ständig damit rechnen, dass die Gesellschaft vom Staat, von den Ausländern oder von sonst wem überrannt werden könnte, und die sich deshalb in ihren Luftschutzbunkern konsequent mit allen möglichen Survival-Materialien vom Dosenessen bis zur Gewehrmunition eindecken, werden in den USA als sogenannte Doomsday Preppers bezeichnet. Im Gegensatz dazu bezeichnet sich die Journalistin und Bloggerin Caitlin Johnstone in ihrer Selbstbeschreibung als Utopia Prepper - ein augenzwinkernder Hinweis darauf, dass sie sich selbst sehr eindeutig dem linken Spektrum zugehörig fühlt. Deshalb ist es auch nicht überraschend, dass Johnstone auf Medium.com nun einen Artikel veröffentlicht hat, in dem sie ausgehend von einem privaten Kinobesuch ausgiebig auf das US-Militär schimpft.

Tatsächlich überraschend ist hingegen (zumindest für alle, die ihn nicht selbst im Kino gesehen haben), welcher spezielle Film denn nun den Anstoß für dieses antimilitaristische Pamphlet mit dem Titel „I Paid To See A Movie About Singing. I Got Ninety Minutes Of Pentagon Propaganda.“ gegeben hat - das war nämlich nicht etwa der neueste Patriotismus-Porno von Michael Bay („Pearl Harbor“) oder Peter Berg („Lone Survivor“), sondern das A-cappella-Sequel „Pitch Perfect 3“!

Pitch Perfect 3 Trailer DF

Aber ganz ehrlich: Als ich mir den Film vergangenen Monat im Kino angesehen habe, war ich auch wie vor den Kopf gestoßen. Teil 1 finde ich total super, Teil 2 zumindest ziemlich lustig, aber „Pitch Perfect 3“ ist jetzt einfach nur noch merkwürdig – und das hat eben zu einem großen Teil auch damit zu tun, dass die Handlung ohne erkennbaren Grund plötzlich auf europäischen Basen der US-Armee angesiedelt ist. Der ganze Plot würde viel mehr Sinn machen, wenn es sich um einen zivilen Musikwettbewerb handeln würde – das US-Militär mag ja eigene Touren und Auftritte organisieren, aber es wird ganz sicher nicht einen europaweiten Wettbewerb auf der Suche nach der nächsten Vorgruppe für irgendeinen Gangsta-Rapper abhalten. Das ist schlicht und einfach ausgemachter Schwachsinn.

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Pitch Perfect 3"

Statt einer logischen Handlung gibt es nun sexy Soldaten, eine Musical-Nummer in Armee-Tarnfarben und Lob dafür, dass das Militär inzwischen auch offen homosexuelle Rekruten aufnimmt. Nun sind wir in Bezug auf das FilmGESCHÄFT natürlich nicht naiv – ich selbst habe im vergangenen Jahr einen Artikel über die an die Öffentlichkeit gelangten Behördenunterlagen geschrieben, laut denen das US-Militär in den vergangenen Jahren Einfluss auf mindestens 800 Kinofilme und mehr als 1.000 TV-Produktionen von „Meine Braut, ihr Vater und ich“ bis „Cupcake Wars“ genommen hat. Es ist also ein gängiger Deal: Filmproduktionen werden unterstützt, indem etwa militärische Schauplätze, Fahrzeuge oder Ausrüstung kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Im Gegenzug erhält die US-Armee ein Vetorecht in Bezug auf das Drehbuch – so ist Regisseur Jon Favreau wegen einer gestrichenen Dialogzeile am Set von „Iron Man“ regelrecht ausgerastet und auch in „James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie“ musste ein Gag über den verlorenen Vietnamkrieg gestrichen werden.

Aber was zum Teufel hat das alles mit „Pitch Perfect 3“ zu tun? Hätte man die Story auf ganz natürliche Weise erzählt, wäre das Militär darin schließlich gar nicht vorgekommen – es ging also offensichtlich auch nicht darum, benötigtes Budget einzusparen, indem man sich die Unterstützung der Armee sichert. Denn dass es die tatsächlich gab, wird keineswegs verheimlicht – ganz im Gegenteil: Die zuständigen PR-Militärs erzählen sogar stolz davon, was ihnen mit „Pitch Perfect 3“ gelungen ist. So erklärt der pensionierte US-Lieutenant Thomas Lesnieski in einem Video des US-Verteidigungsministeriums seinen Job als Berater des Films: Es sei seine Aufgabe gewesen, sicherzustellen, dass „die Art, in der das Militär im Film proträtiert wird, die richtige ist“. Und mit „richtig“ dürfte hier nicht nur „authentisch“ oder „faktisch akkurat“, sondern „positiv“ gemeint sein. Er bestätigt zudem, dass deshalb auch Änderungen am Skript vorgenommen wurden:

In eine ähnliche Richtung gehen auch die Aussagen der PR-Verantwortlichen einer Militärbasis, auf der Teile von „Pitch Perfect 3“ gedreht wurden. Meredith Kirchoff (Captain der US Air Force) freut sich nämlich vor allem darüber, wie sehr der Film dazu beiträgt, die Soldaten als Menschen zu zeigen – übrigens eine absurde Aussage, denn die Soldaten im Film sind supernette Pin-up-Boys ohne Ecken und Kanten, auch hier steht „menschlich“ also wieder als Synonym für „perfekt“ und „positiv“:

Trotzdem stehen wir immer noch vor einem Rätsel. Wenn nicht zum Einsparen von Kosten, warum zum Teufel haben sich die Produzenten überhaupt auf solch einen Deal eingelassen, wenn es für die Story doch überhaupt nicht nötig war (ja, ihr sogar eher noch geschadet hat). Eine mögliche Antwort könnte lauten: Marketing! Immerhin wurde die Pro-Armee-Haltung des Films bei der Promo-Tour zum Kinostart – zumindest in den USA – zum Verkaufen von Tickets eingesetzt: So wünschten die Hauptdarstellerinnen um Anna Kendrick und Rebel Wilson zum Beispiel den Truppen frohe Weihnachten – und zwar ausgerechnet in einem Einspielbeitrag für eine Wrestling-Sendung der WWE, die überwiegend von eher konservativ eingestellten Männern angeschaut wird. Womöglich haben die Geldgeber ja auf die Erschließung einer völlig neuen Zielgruppe gehofft – erst gemeinsam Hirsche jagen und dann „Pitch Perfect 3“ schauen, ein perfekter Samstagabend.

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