Mein FILMSTARTS
"Star Trek: Discovery": Unsere Kritik zu Staffel 1
Von Christian Fußy — 13.02.2018 um 16:39
facebook Tweet

Nach 15 Folgen endete die erste Staffel der neuesten „Star Trek“-Serie, die in Deutschland exklusiv bei Netflix ausgestrahlt wird. Ob sich das Bingen lohnt, erfahrt ihr hier.

Netflix

Der gesamte Text enthält Spoiler zu „Star Trek: Discovery“

In den letzten Episoden der ersten Staffel muss sich Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) mit ihren romantischen Gefühlen gegenüber Ash Tyler (Shazad Latif), einem Schläfer-Agenten und Militär-Experiment der Klingonen, auseinandersetzen. Obwohl sie weiß, dass Tyler, dessen DNA mit der des Klingonen Voq verschmolzen wurde, nicht für seine Verbrechen, die unter Gehirnwäsche begangen wurden, verantwortlich gemacht werden kann, kann sie sich kaum dazu bringen, ihm in die Augen zu sehen. Die Erinnerung daran, wie der Krieger Schiffsarzt Culber (Wilson Cruz) das Genick brach und anschließend versuchte, auch sie zu töten, ist in ihr Gedächtnis eingebrannt, der Mann, der an diesem Tag vor ihr stand, sah zwar noch aus wie ihr Freund und Liebhaber, von seiner einstigen Persönlichkeit war jedoch rein gar nichts zu erkennen. Burnhams Dilemma lässt sich überraschend gut auf meine Gefühle gegenüber „Star Trek: Discovery“ übertragen.

Same but different

„Discovery“ aktiv zu verfolgen fühlt sich an, wie Woche für Woche in eine furchtbar dysfunktionale Beziehung zurückzukehren, weil man unter all dem Schmerz und emotionalen Missbrauch immer wieder Funken von dem erkennt, was man einst geliebt hat. So wie Voq der Klingone in Ash Tylers schlummert, verbirgt sich auch „Star Trek: Discovery“ unter einer Fassade des Altbekannten. Die aus „Star Trek“ bekannten moralischen Grundsätze der Sternenflotte und die ethischen Konflikte, denen sich ihre Helden jede Woche stellen müssen, sprich das, was „Star Trek“ in erster Linie interessant gemacht hat, sind allerdings nicht das Fundament der Serie, sondern lediglich ihr Anstrich. Statt es mit Diplomatie und Besonnenheit zu versuchen, heißt die Lösung in „Discovery“ oft Gewalt, die Figuren sind geplagt von Furcht, Zorn und Eifersucht.

CBS Television Distribution
Die Reaktion vieler „Star Trek“-Fans

Das wäre an und für sich vollkommen vertretbar, immerhin muss nicht jede „Star Trek“-Serie auch gleich „Das nächste Jahrhundert“ sein, „Discovery“ schießt sich mit seiner düsteren Marschrichtung jedoch immer dann selbst in den Fuß, wenn durch den Prequel-Charakter der Show („Discovery“ spielt 10 Jahre vor „Raumschiff Enterprise“) Figuren und Szenarien auftreten, die man mit anderen, freundlicheren „Star Trek“-Serien verbindet. Das größte Problem von „Discovery“ ist nicht, dass die Welt der Serie düster und von Arschlöchern bevölkert ist, sondern, dass ihre Macher dies nicht zu realisieren scheinen.

Mit der Episode, in der Soziopath Harry Mudd (Rainn Wilson) die Discovery in seinem Würgegriff hat und in verschiedenen Zeitlinien wahllos Leute umbringt, hatte ich beispielsweise unglaublich Spaß, bis am Ende wieder zwanghaft versucht wurde, eine Verbindung zur Original-Serie herzustellen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass es sich bei diesem Harry Mudd um denselben, eher harmlosen Schwindler handeln soll, dem Kirk und Crew in „Raumschiff Enterprise“ das Handwerk legen. Auch Spocks Vater, der spießige, aber durchaus zu Toleranz fähige Vulkanier Sarek (James Frain), wird durch die Enthüllung seiner Rolle im Krieg mit den Klingonen im Staffelfinale nachträglich zu einem militanten Hetzer.

Netflix
Rainn Wilson als Mudd

Das trekkige (halbe) Dutzend

Auch bezüglich ihrer eigenen Figuren, ist „Discovery“ ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sind mit Kelpier Saru (Doug Jones), Kadett Tilly (Mary Wiseman) und Ingenieur Stamets (Anthony Rapp) durchaus interessante Charakterköpfe mit an Bord, in der ersten Staffel verbringt Hauptfigur Burnham ihre Zeit jedoch meist mit dem harten Bastard Captain Lorca, der zwar von Jason Isaacs schön intensiv gespielt wird, aber bereits in Episode 13 sein Lebenslicht ausbläst oder mit Schlaftablette Ash Tyler, dessen Rückkehr in Staffel zwei ebenfalls fragwürdig ist. Das resultiert nicht nur in jeder Menge unausgeschöpftem Potenzial, sondern hat auch zur Folge, dass die Kernbesatzung, mit der „Discovery“ 2019 in Staffel zwei gehen wird, derzeit noch sehr oberflächlich gezeichnet ist. Mehr noch als die bitter nötige Screentime für meine „Discovery“-Lieblingsfigur Saru wünsche ich mir dann auch eine Rückkehr von Michelle Yeoh, die dem Affen vor allem in den letzten handvoll Episoden als eiskalte Weltraum-Faschistin ordentlich Zucker geben durfte.

Netflix
Absoluter Boss: Michelle Yeoh

Der Plot

Im Zentrum der episodenübergreifenden Handlung, die bereits in der ersten Folge losgetreten wurde, steht der Krieg zwischen der Sternenflotte und den kriegerischen Klingonen. Mein erster Eindruck von der Pilotfolge war damals durchaus positiv, der Konflikt zwischen den Parteien schien angenehm nuanciert, da wichtige Figuren auf beiden Seiten eingeführt wurden. Schon nach wenigen Wochen verflog dieser Eindruck aber leider wieder, die Vertreter der Kriegerrasse blieben nicht nur eindimensional, sondern wurden zudem auch äußerst schnell langweilig. Die besten Episoden von „Discovery“ sind daher die, in denen der zentrale Konflikt in den Hintergrund rückt. Die oben genannte Zeitschleifen-Episode mit Harry Mudd und eine Folge, in der Saru durch eine friedliebende Alienrasse seine innere Ruhe findet, waren klare Highlights, der Ausflug der Discovery ins Mirror-Universum hätte meiner Meinung nach ebenfalls länger dauern und ganze Staffeln an Geschichten bieten können. Hier offenbarte sich die Stärke der modernen Ausrichtung, der Twist um Captain Lorca war elegant eingefädelt und auch das Wiedersehen mit Michelle Yeoh vermochte es, mir ein Grinsen ins Fressbrett zu zaubern.

Fazit

Dass Trekkies mit „Discovery“ noch nicht so wirklich warm werden ist einerseits verständlich, die DNA des Franchise ist nicht wirklich erkennbar und verglichen mit anderen modernen Science-Fiction-Serien wie „The Expanse“ wirkt die Welt von „Discovery“ trotz des immens reichen Universums, in dem die Autoren herumspielen können, merkwürdig klein und oberflächlich. Andererseits macht die Serie, wenn ihre Macher eine Idee wie das Mirror-Universum konsequent umsetzen aber auch durchaus Laune. Zudem war eine holprige erste Staffel schon immer ein Markenzeichen der Reihe, auch bei „Das nächste Jahrhundert“ wurde hinter den Kulissen heftig über die Ausrichtung der Show gestritten und „Deep Space Nine“ war in Staffel eins trotz starkem Finish bestenfalls uneben. An der zweiten Staffel wird man messen können, ob die Showrunner aus ihren Fehlern gelernt haben oder nicht, die „Star Trek“-Fans, die „Discovery“ bereits abgeschrieben haben könnten dann eventuell noch einmal zurück ins Boot geholt werden. Ansonsten gibt es ja auch noch die deutsche TV-Premiere von Seth MacFarlanes Off-Brand-„Star Trek“ „The Orville“ (ab 27. Februar 2018 bei ProSieben) und vielleicht auch Tarantinos „Star Trek“-Film, auf die man sich als „Trek“-Fan freuen kann.

Die Alternative:

 

Das Original:

 

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren
Kommentare
Kommentare anzeigen
Folge uns auf Facebook
Meisterwartete neue Serien
Doom Patrol
1
Doom Patrol
Fantasy, Action
Erstaustrahlung
15. Februar 2019 auf
Alle Videos
Kingdom
2
Kingdom
Horror, Historie
Erstaustrahlung
25. Januar 2019 auf Netflix
Alle Videos
Hanna
3
Hanna
Thriller, Action
Erstaustrahlung
4. März 2019 auf Amazon
The Umbrella Academy
4
The Umbrella Academy
Abenteuer, Fantasy
Erstaustrahlung
15. Februar 2019 auf Netflix
Die meisterwarteten Serien
Weitere Serien-Nachrichten
"American Crime Story": Ist die Geschichte von "The Assassination Of Gianni Versace" wirklich so passiert?
NEWS - Serien im TV
Freitag, 18. Januar 2019
"American Crime Story": Ist die Geschichte von "The Assassination Of Gianni Versace" wirklich so passiert?
"The Walking Dead": So geht es in Staffel 9 nach der Winterpause weiter
NEWS - Serien im TV
Freitag, 18. Januar 2019
"The Walking Dead": So geht es in Staffel 9 nach der Winterpause weiter
Mehr "Star Trek" in  "Star Trek: Discovery" Staffel 2:  So gut sind die ersten Folgen
NEWS - Serien im TV
Freitag, 18. Januar 2019
Mehr "Star Trek" in "Star Trek: Discovery" Staffel 2: So gut sind die ersten Folgen
"Game Of Thrones": Wunderschöner animierter Teaser steigert die Vorfreude auf Staffel 8
NEWS - Serien im TV
Freitag, 18. Januar 2019
"Game Of Thrones": Wunderschöner animierter Teaser steigert die Vorfreude auf Staffel 8
Fan-Wünsche erhört: Netflix verlängert preisgekrönten Comedy-Hit für 2. Staffel
NEWS - Serien im TV
Freitag, 18. Januar 2019
Fan-Wünsche erhört: Netflix verlängert preisgekrönten Comedy-Hit für 2. Staffel
Unsere Kritik zur 2. Staffel "The Punisher" auf Netflix: Brutale Psychopathen-Duelle
NEWS - Serien im TV
Donnerstag, 17. Januar 2019
Unsere Kritik zur 2. Staffel "The Punisher" auf Netflix: Brutale Psychopathen-Duelle
Alle Serien-Nachrichten
Top-Serien
Titans
1
Von Greg Walker (II), Greg Berlanti, Akiva Goldsman
Mit Brenton Thwaites, Anna Diop, Anna Diop
Fantasy, Action
Der junge Inspektor Morse
2
Creator unbekannt
Mit Shaun Evans, Roger Allam, Anton Lesser
Drama, Krimi
Sex Education
3
Von Laurie Nunn
Mit Asa Butterfield, Emma Mackey, Gillian Anderson
Komödie, Drama
You - Du wirst mich lieben
4
Von Greg Berlanti, Sera Gamble
Mit Penn Badgley, Elizabeth Lail, Shay Mitchell
Drama, Thriller
Top-Serien
Back to Top