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    Die mächtigste Frau bei Marvel: Unser Interview mit Victoria Alonso zu "Thor: Tag der Entscheidung"

    Ab dem 15. März ist „Thor: Tag der Entscheidung“ in Deutschland auf DVD und Blu-ray erhältlich. Aus diesem Anlass haben wir mit Produzentin Victoria Alonso gesprochen – nicht nur über den Film, sondern auch die Konkurrenz und Power-Frauen im MCU.

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    Wenn über Marvel gesprochen wird, fällt sofort der Name Kevin Feige. Er gilt als das Mastermind hinter dem Kinouniversum des Comic-Giganten. Doch Feige hat wichtige Mitstreiter – allen voran Victoria Alonso, quasi die Nr. 2 bei Marvel. Die langjährige Special-Effects-Expertin, die an Filmen wie „Big Fish“ und „Königreich der Himmel“ mitgearbeitet hat, gehört seit „Iron Man“ - und damit fast seit den Anfangstagen des MCU - zum Marvel-Kernteam. Leitete sie anfangs die Special-Effects-Abteilung, ist sie seit 2015 nicht nur Vize-Präsidentin an der Seite von Feige, sondern vor allem Head Of Physical Production, die vielleicht unbekannteste, aber allerwichtigste Funktion, die es in einem Hollywood-Studio gibt.

    Der Head Of Physical Production betreut jedes Projekt von der ersten bis zur letzten Sekunde und stellt die schwierigen Fragen. Victoria Alonso ist so dafür verantwortlich, dass Projekte erst einmal entwickelt werden, entscheidet dann aber auch mit, welche davon wirklich in Angriff genommen werden, wie sie umgesetzt werden und mit welchem Team. Während der Dreharbeiten und auch in der Post-Produktion muss sie dafür sorgen, dass Budget- und Zeitplan eingehalten werden und ist zudem erster Ansprechpartner für den Regisseur und das Kreativteam hinsichtlich Feedback bei neuen Ideen. Auch wenn der Studio-Präsident – bei Marvel Kevin Feige – oft final die Entscheidungen fällen muss, ist es der Head Of Physical Production, dessen Empfehlungen meist gefolgt wird, da er viel näher an den Projekten dran ist. Es gilt als der anspruchsvollste und aufwendigste Job in Hollywood oder, wie es uns Victoria Alonso zu Beginn des Interviews verriet, als zweischneidiges Schwert: „Es ist natürlich ein Traum, der für mich wahr geworden ist, aber es ist auch ein konstanter Albtraum, nicht genug Zeit für alles zu haben.“

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    In ihrem vollen Zeitplan machte sie im Vorfeld der DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung von „Thor: Tag der Entscheidung“ trotzdem etwas Platz für ein Interview mit uns. Die aufgrund ihrer Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse wohl mächtigste Frau im Marvel-Universum sprach dabei natürlich über den dritten Solofilm mit Chris Hemsworth als Thor, aber auch über die Rolle von Frauen auf der Leinwand und Fehler der Konkurrenz.

    FILMSTARTS: Bevor wir zu „Tag der Entscheidung“ kommen, muss ich dich was anderes fragen. Du hast gerade bei unserer Eingangsunterhaltung über den Albtraum gesprochen, nicht genug Zeit zu haben. Ich will dich nicht dazu verleiten, schlecht über die Konkurrenz zu reden, aber jüngst gab es ein sehr prominentes Beispiel, das uns gezeigt hat, wie schwer es ist, gerade visuelle Effekte rechtzeitig fertig zu bekommen. Du bist Spezialistin für visuelle Effekte, eine deiner Hauptaufgaben ist das Zeitmanagement: Was ist dein Geheimnis, dass Marvel es immer schafft, die Filme fertig zu bekommen?

    Victoria Alonso: Wir kennen das Zeitproblem natürlich auch. Wir kündigen immer ein Veröffentlichungsdatum an und wir verschieben dies nie. Und am Ende wünscht sich dann eigentlich doch jeder, mehr Zeit zu haben, denn man könnte immer noch was machen. Dass es dann mal gar nicht klappt, kann jedem passieren. Und mir tut es sehr leid, dass dies nun den Kollegen passiert ist. Was man wissen muss: In 99% der Szenen unserer Filme gibt es visuelle Effekte, daher mussten wir früh einen Weg etablieren, der für uns nun auch sehr gut funktioniert. Der Schlüssel dabei ist stetige Kommunikation und gute Planung. Jeder muss wissen, wo die anderen stehen und wir müssen immer wissen, wie viel Zeit für was benötigt wird. Manchmal muss man aber auch harte Entscheidungen treffen. Wenn es eine Einstellung gibt, die nicht gut ausschaut und den Film nicht verbessert, dann fliegt die Szene raus. Wir möchten dem Publikum nichts zeigen, was uns nicht selbst stolz macht. Und ich kann dir verraten: Wir hatten solche Probleme auch, selten, aber wir hatten sie und am Ende flogen die Szenen raus.

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    FILMSTARTS: Gerade „Thor: Tag der Entscheidung“ muss hinsichtlich Planung und Kontrolle doch ein Albtraum gewesen sein. Ihr habt in Australien gedreht, also nicht wie sonst in eurem Studio in Atlanta, wo ihr direkten Zugriff habt. Und das bei einer Produktion mit besonders vielen visuelle Effekte, mit denen ihr zwar zu den Comic-Ursprüngen der Figur zurückkehrt und an die bunten, farbenfrohen Panels der Anfangszeit von Thor erinnert, euch aber auch stark von den bisherigen MCU-Filmen unterscheidet...

    Victoria Alonso: Erst einmal hat es vor allem viel Spaß gemacht, zur Abwechslung mal in Australien zu sein. Wir haben es geliebt und ich hoffe sehr, dass wir irgendwann wieder dort drehen. Und unser Regisseur Taika Waititi hatte einen sehr genauen Plan. Er hatte eine exakte Vorstellung davon, wie sich „Tag der Entscheidung“ vom Vorgänger „The Dark Kingdom“ unterscheiden sollte. Aber du hast natürlich Recht, dass sich der Film mit seiner Farbgebung von allem unterscheidet, was wir bisher gemacht haben. Und das war eine große Herausforderung. Es ist aber etwas, was wir erreichen wollen. Die Leute sollen denken: „Wow, das ist ein Marvel-Film, aber trotzdem eine neue Erfahrung.“

    FILMSTARTS: Aber gerade Taika Waititi ist doch auch bekannt für seine Improvisationen, was das genaue Gegenteil von Planung und Kontrolle ist. Wie viel Freiheit könnt ihr überhaupt so einem Regisseur innerhalb eures Marvel-Korsetts lassen?

    Victoria Alonso: Es ist wichtig, dass man einem Regisseur auch immer seine kreative Freiheit gibt. Aber es gibt natürlich bei uns immer die Einschränkung, dass es bestimmte Verbindungen zum gesamten Marvel-Universum geben muss, sodass wir manchmal auch den Regisseur des einen Films mit dem des nächsten zusammenarbeiten lassen müssen. Hier bedurfte es im Falle von Hulk zum Beispiel größerer Abstimmung. Wichtig ist, dies schon bei der Auswahl der Regisseure zu bedenken. Hier müssen wir Leute finden, die zum einen gut miteinander arbeiten können, die aber auch jeder selbst eine starke Vision von ihrer Geschichte haben. Aber am Ende ist klar: Wir sind eine große Familie und müssen gemeinsam entscheiden, was die Geschichte ist, die wir mit jedem einzelnen Kapitel erzählen wollen.

    FILMSTARTS: Wenn wir schon bei eurem Regisseur sind. Auf der Blu-ray gibt es das Feature „Wie Korg auf die Leinwand kam“ - vielleicht kannst du schon einmal ein wenig teasern, wie es zur Entstehung dieses Fanlieblings, den Taika ja selbst spielte und einsprach, kam?

    Victoria Alonso: Es ging eigentlich nur mit ein paar Dialogzeilen los, aber je mehr wir über ihn gesprochen haben, desto mehr haben wir ihn geliebt und deswegen auch immer mehr ergänzt. Und Taika hat dann auch beim Spielen noch so viel Spaß verbreitet, dass die Rolle einfach immer weiter gewachsen ist. Und so ist eine wunderbare Figur entstanden, die wir nun auch alle lieben und in der auch unglaublich viel von Taika selbst steckt. Immer wieder kam Taika beim Dreh zu mir und fragte, was ich davon halte, wenn Korg das sagt oder das macht und ich war begeistert und antworte nur: „Mach!“ Ich hätte jetzt am liebsten Korg in jedem weiteren Marvel-Film. Er ist einfach nur „awesome“.

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    FILMSTARTS:Du bist in Hollywood sehr aktiv, wenn es um die Förderung von Frauen in der Industrie geht und hast auch bei Marvel mehrere Projekte angeschoben, die Frauen bessere Möglichkeiten geben, Ausbildungen zum Beispiel im Special-Effects-Bereich zu machen. Doch vor der Kamera hat euch die Konkurrenz überholt. DC hatte bereits vergangenes Jahr „Wonder Woman“, nun erst kommen endlich „Captain Marvel“ und „Black Widow“. Warum hatte Marvel so lange so wenig starke Frauenfiguren?

    Victoria Alonso: Ich kann es natürlich kaum erwarten, dass es mit „Captain Marvel“ auch bei uns eine Superheldin mit einem eigenen Film gibt, zu der jedes Mädchen aufschauen kann. Aber ich finde nicht, dass wir bislang zu wenig starke Frauenfiguren haben. Valkyrie mit der großartigen Tessa Thompson ist doch als phänomenale und furchtlose Kriegerin ein perfektes Beispiel und ich freue mich schon auf mehr von Tessa. Wir haben auch die Dora Milaje in „Black Panther“. Das sind die furchterregendsten Krieger in ganz Wakanda. Und dann haben wir die von Lupita Nyong'o gespielte Nakia – eine Superspionin. Oder denk an Shuri. Sie ist die schlauste Person in ganz Wakanda und dabei gerade mal ein Teenager. Und sie ist wahrscheinlich sogar schlauer als Bruce Banner. Stell dir mal vor, was passiert, wenn die beiden aufeinandertreffen. Und solche Figuren sind wichtig. Shuri zeigt uns doch, dass man nicht wie Wonder Woman sein muss, dass man nicht wie Captain Marvel sein muss, um eine Superheldin zu sein. Eine Figur, die auch ohne Superkräfte super ist, ist doch eine tolle Ermunterung.

    Wir haben also gerade ganz viele Frauen, die unser Universum aufmischen. Es dauerte lange, aber sie kommen. Es bedarf halt immer ein gewissen Planung. Wir wussten seit Jahren, dass „Black Panther“ kommen wird, doch dann war erst mit „Civil War“ der richtige Moment da, ihn einzuführen und dann konnten wir den Solofilm machen, der schon so lange auf unserer Liste steht. Und so kommt immer was Neues und wir werden gerade mit Filmen wie „Black Panther“ und „Captain Marvel“ diverser. Das ist zwingend und wir sind fest entschlossen, das weiter voranzutreiben. Wir haben viele Superhelden, die bald kommen - in allen möglichen Größen und Formen. Das wird dafür sorgen, dass unter anderem auch Frauen sich mehr und mehr in unserem Marvel-Universum repräsentiert fühlen werden.

    FILMSTARTS: Mehr von Valkyrie, Shuri trifft auf Bruce Banner und noch mehr diverse Superhelden. Kündigst du uns hier gerade „Thor 4“, ein kleines Geheimnis zu „Avengers 3“ und noch ein paar neue Projekte an?

    Victoria Alonso: Guter Versuch, aber keine Chance. Da musst du schon abwarten und schauen, was da kommt. Aber wir haben sehr viel geplant und ihr werdet es rechtzeitig erfahren.

    „Thor: Tag der Entscheidung“ ist ab dem 15. März 2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich und kann bei Online-Versandhändlern wie Amazon bestellt werden*. Dort und bei anderen VoD-Anbietern gibt es auch bereits den digitalen Download zum Kauf*.

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